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Neues Konzept: Hurtigruten bietet nun auch Expeditionsreisen an

Kreuzfahrt : Neues Konzept auf der Postschiffroute

Lange galt eine Reise mit den Hurtigruten-Postschiffen entlang der norwegischen Küste als schönste Seereise der Welt. Die Schifffahrtsgesellschaft legt nun mit einer Expeditionsreise einen drauf.

Ein Fest für die Augen war die Fahrt durch eine Bilderbuchlandschaft von Inseln, Schären und Fjorden schon immer. Das neue Kreuzfahrtangebot „Auf den Spuren der Postschiffroute“ ab Hamburg ermöglicht deutschen Gästen jetzt auch eine bequeme Anreise und ein nachhaltigeres Urlaubserlebnis all inclusive. „Während die regulären Postschiffe ab Bergen 34 Häfen anlaufen und meist nur kurze Aufenthalte ermöglichen, beschränkt sich unsere Tour auf 14 bis 15 Stopps mit je vier bis acht Stunden Verweildauer“, umreißt Kapitän Björn-Ivar Pedersen das neue Konzept. Dank ausgefeilter Hygienemaßnahmen und fachkundiger deutschsprachiger Guides gibt es bei den Landgängen in Norwegen keine Abstriche.

Nach einem Zwischenstopp im dänischen Esbjerg steuert die „Otto Sverdrup“ mit Stavanger den ersten norwegischen Hafen an. Kaum eine andere Stadt Norwegens steht derart symbolisch für die Veränderungen im Land. Vor 50 Jahren, begann von hier aus die Erschließung der Öl- und Gasressourcen im norwegischen Kontinentalsockel. Einkommen und Wohlstand stiegen, aber auch Umweltprobleme ließen nicht lange auf sich warten, erfährt man in einer Ausstellung im modern eingerichteten Ölmuseum der Stadt. Von einem traditionellen Fischerei­ort wandelte sich Stavanger zur zentralen Energiemetropole Norwegens.

So wie der Besuch des Ölmuseums sind alle Landausflüge im Buchungspaket von Hurtigruten enthalten. Bei Exkursio­nen, Museumsbesuchen und Stadtrundgängen lernt man in relativ kurzer Zeit viele Seiten des gesellschaftlichen Lebens des Landes, seiner Geschichte, Traditionen und Kultur kennen, was an Bord durch Vorträge zu Geographie, Geologie, Kultur und Geschichte ergänzt wird. Aber auch die Unternehmungslust kommt nicht zu kurz. Nahe der Ortschaft Brönnöysund führt eine Bergwanderung zu einem 35 Meter hohen und 160 Meter langen Loch inmitten des Felsens Torghatten.

 Unterwegs kann man mit etwas Glück ab und an auch eine Robbe sehen.
Unterwegs kann man mit etwas Glück ab und an auch eine Robbe sehen. Foto: Michael Juhran/Michael Juhran Am Windmuehlenber

In Reine und Svolvaer auf den Lofoten gibt es vor einer prächtigen Gebirgskulisse einen Schnupperkurs in Sachen Trockenfisch. Hier dörren seit Jahrhunderten tausende Tonnen von Kabeljau und Dorsch auf Holzgestellen, bevor sie in den Export gehen. Lange Zeit wichtigster Fisch, musste er seinen Rang inzwischen an den Lachs abtreten, dessen Zuchtanlagen oft von Bord auszumachen sind. Der Küstenlinie folgend, schlängelt sich das Schiff auf dem Weg nach Tromsö durch enge Passagen zwischen Inseln und Schären – eine Traumlandschaft, die viele entspannt von ihren Liegestühlen auf den Balkonen und auf dem Deck bewundern. Tromsö beheimatet die nördlichste Universität, die nördlichste  Kathedrale und die nördlichste Brauerei der Welt, gegründet 1877 von einem deutschen Bäcker. Geschichtlich bedeutender waren allerdings die vielen Polar­expeditionen, die von Tromsö aus starteten. Das Polarmuseum gibt Einblicke in die bahnbrechenden Forschungsreisen von Fridtjof Nansen, Roald Amundsen, Otto Sverdrup und weiterer Polarpioniere.

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Mit Honningsvaag erreicht das schwimmende Hotel den nördlichsten Punkt der Reise. Mit Bussen geht es vorbei an Rentieren zum Nordkap. Besonders eifrig klicken die Fotoapparate vor dem Globus hoch oben auf dem Felsplateau. Im Besucherzentrum begeistert eine moderne Ausstellung mit Aufnahmen vom Nordlicht und weckt Erwartungen.

Auf der Rückfahrt gen Süden stoppt das Schiff in Finnsnes, wo eine Tagesrundfahrt auf der malerischen Insel Senja beginnt. Senja ist mit ihren majestätischen Bergrücken, wunderschönen Buchten und Südsee anmutenden Sandstränden ein landschaftliches Juwel, das lange im Schatten der benachbarten Lofoten versteckt blieb. Und auf der Weiterfahrt nach Trondheim ist es dann tatsächlich soweit. In hellem Grün tanzen Nordlichter über den nächtlichen Himmel, ballen mal Wolken, um sich dann wieder streifenförmig über dem Meer zu erheben. Man kann sich an dem Farbspiel gar nicht sattsehen.

Auch in Trondheim wartet mit einem Orgelkonzert im Nidaros-Dom ein beeindruckendes Erlebnis auf die Reisenden. Besonders willkommen sind deutsche Touristen jedoch in Aalesund, seit Deutschland den Wiederaufbau der Stadt nach einem verheerenden Brand im Jahr 1904 finanziell unterstützte. Viele Jugendstilhäuser künden von dieser historischen Kraftanstrengung. Weitere Eindrücke von der deutsch-norwegischen Geschichte erhalten die Kreuzfahrtgäste in Bergen, dem letzten Haltepunkt auf norwegischem Territorium. Vom 14. bis zum 18. Jahrhundert betrieb die deutsche Hanse hier ein großes Handelskontor in einem eigenen Stadtteil direkt am Hafen. Wandelt man durch die etwa 60 originalgetreu wiedererrichteten Gebäude, kommt dies einer Zeitreise ins Mittelalter gleich. Harte Handarbeit und beengte, ungeheizte Behausungen erwarteten die Neuankömmlinge. Wer dies jahrelang aushielt, konnte bald in der Hierarchie aufsteigen und als gemachter Mann nach Deutschland zurückkehren.

Nach Hamburg zurückkehren müssen auch die Kreuzfahrer. 14 eindrucksvolle Tage, gespickt mit landschaftlichen und kulturellen Highlights nehmen sie im Gepäck mit nach Hause und für viele wird dieser intensive Exkurs entlang der norwegischen Küste Anlass sein, eine weitere Reise in dieses wunderschöne Land zu planen.