Kroatien: "Game of Thrones" ist Fluch und Segen für Dubrovnik

Fans besuchen in Scharen Drehorte in Kroatien : "Game of Thrones" - Fluch und Segen für Dubrovnik

Die „Perle der Adria“ erstickt an Menschenmassen: Über 1,2 Millionen Touristen strömten 2018 durch Dubrovnik. Schuld an der „Schwemme“ ist vor allem die TV-Serie „Game of Thrones“. Aber die neue Berühmtheit hat nicht nur Vorteile.

Ivan Vukovic ist Touristenführer in Dubrovnik, doch oft führt er seine Besucher durch eine Stadt, die es gar nicht gibt: Königsmund. So heißt die kroatische Küstenstadt in der US-Fantasy-Serie "Game of Thrones" (GoT), deren letzte Staffel am 14. April gestartet ist. Seit Dubrovnik als Kulisse für die Kultserie dient, strömen noch mehr Touristen in die Stadt an der Adria.

15 bis 20 Prozent mehr seien es geworden, schätzt Vukovic. "Das ist Fluch und Segen zugleich." Einerseits sind die "Game of Thrones"-Fans gut für sein Geschäft, andererseits hat die "Perle der Adria" ohnehin schon mit Touristenmassen zu kämpfen. "Wir wissen nicht mehr, wohin mit den ganzen Leuten", sagt der 38-Jährige und erzählt, wie die Besuchergruppen in der Hochsaison die Altstadtgassen verstopfen.

Die Einheimischen haben sich inzwischen daran gewöhnt, dass sich GoT-Fans auf der steinernen Treppe zur Jesuitenkirche Sankt Ignatius versammeln und "Schande!" rufen. Hier wurde die Szene gedreht, in der Königin Cersei wegen Ehebruchs nackt durch die geifernde Menge schreiten und sich beschimpfen lassen muss.

Niko Grljevic gehört die Pizzeria am Fuß der Treppe, gerade sitzt er auf der Terrasse seines Lokals. Die Serien-Touristen stören ihn nicht - solange sie sich nicht wie im Film die Kleider vom Leib reißen. "Wir können nicht am Ast sägen, auf dem wir sitzen", sagt er.

Grljevic ist einer der letzten Altstadtbewohner. Lebten Anfang der 90er Jahre noch etwa 5000 Menschen hinter den mittelalterlichen Mauern, seien es jetzt nur noch etwa 700, sagt der Wirt. Die meisten vermieten ihre Wohnungen an Urlauber oder verkaufen sie für bis zu 10.000 Euro pro Quadratmeter.

In den Souvenir-Shops von Dubrovnik gibt es "Game of Thrones"-Flaschenöffner für 40 Euro oder GoT-Shirts für 34 Euro zu kaufen. Die Serien-Pilger gaben zwischen 2012 und 2015 etwa 126 Millionen Euro in Dubrovnik aus, wie das Wirtschaftsinstitut in der Hauptstadt Zagreb errechnet hat.

Vergangenes Jahr besuchten mehr als 1,2 Millionen Urlauber das kleine Dubrovnik, viele von ihnen machen hier Stopp auf ihrer Kreuzfahrt. Inzwischen versuchen die Behörden der Besuchermassen Herr zu werden, indem sie die Zahl der Kreuzfahrtschiffe reglementieren und mit Kameras die Touristenströme überwachen.

Der Rentner Gordan Prislic freut sich zwar, dass "Game of Thrones" seine Stadt so bekannt und beliebt gemacht hat, gleichzeitig sorgt er sich aber auch. "Selbst die Tauben finden hier keinen Platz mehr zum Landen", sagt er. "Ich fürchte, dass der Tourismus unsere Altstadt zerstören wird."

Die Altstadt habe sich in eine Einkaufsstraße für Touristen verwandelt, beklagt Führer Vukovic. Zu Beginn seiner Tour an einem mittelalterlichen Brunnen ermutigt er die Teilnehmer, daraus zu trinken. "Das ist das einzige, was es hier umsonst gibt", scherzt er.

Bis vor Kurzem trug er bei seinen Führungen ein T-Shirt mit der Aufschrift "Dubrovnik ist mehr als Königsmund". Damit wollte er die Gäste darauf aufmerksam machen, dass die Stadt - immerhin Unesco-Weltkulturerbe - mehr ist als eine Filmkulisse. Doch inzwischen lässt er das lieber bleiben, er will die Fans nicht vor den Kopf stoßen. "Für junge Leute", sagt er, "sind Filme eben wichtiger als Geschichte."

(felt/AFP)