Luxuscamping Reisetrend Glamping – Flucht aus dem Alltag mit Stil

Glamping entwickelt sich in Deutschland zum Urlaubstrend. Aber eigentlich ist es ein alter Hut. Seit wann es Glamping gibt und warum diese Form des Urlaubens boomt.

Außergewöhnliche Glamping-Unterkünfte in Europa​
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Außergewöhnliche Glamping-Unterkünfte in Europa

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Foto: camping.info/Plitvice Holiday Resort

In Großbritannien, Frankreich, Niederlande oder USA ist dieser Mix aus Camperleben und Luxus schon seit Jahrzehnten ein Trend. In Deutschland wird Glamping seit ein paar Jahren immer beliebter. Die Zahlen von 2022 belegen, dass Camping boomt. Auf deutschen Campingplätzen haben im vergangenen Jahr so viele Menschen übernachtet, wie noch nie zuvor. Rund 40 Millionen Übernachtungen und damit etwa 22 Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr wurden gezählt, wie eine Auswertung des Portals camping.info ergab. Und unter den beliebtesten Campingplätzen in einem ADAC-Ranking sind gerade solche, die Glamping anbieten.

Die aktuelle Entwicklung hat eine Studie von 2018 zum Thema „Trends und Perspektiven im Hinblick auf Glamping als Transformationsprozess des Campings“ vorausgesehen. Die Wissenschaftler der Studie, in der sowohl Experten für Camping und Glamping sowie Gäste befragt wurden, kamen zu dem Schluss, Glamping als die Zukunft des Campings zu betrachten. Campingplätze und Ferienparks steigern demnach ihre Wettbewerbsfähigkeit, bieten sie „neue und innovativere Unterkünfte“ Unterkünfte an. Tatsächlich wächst die Zahl der Campingplätze, die Glamping-Unterkünfte anbieten.

Genau genommen ist Glamping aber ein alter Hut. Schon seit Jahrhunderten oder sogar Jahrtausenden wird in der Luxusversion gezeltet. Doch damals, zu Zeiten des Kolonialismus, als Europäer auf Safaris gingen, um Löwen oder Elefanten zu jagen, gab es noch kein Wort für glamouröses Campen, ebenso wenig als im Mittelalter Könige und Kaiser samt Hofstaat auf Reisen gingen und auf Luxus nicht verzichten wollten.

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Foto: Helga & K.P. Heide GbR/Ostsee-Campingplatz Familie Heide

Susan Ward Davies hat es (vielleicht) erfunden

In der heutigen Zeit etabliert hat sich der Begriff, nachdem er erstmalig 2005 in einem Service-Reiseartikel der Zeitung „The Guardian“ veröffentlicht wurde. Dort schrieb die Reise-Journalistin Susan Ward Davies über das Campen: ‚Heutzutage ist es mehr Glamping‘ als Camping, wobei die besten Unternehmen hochmoderne, vorbereitete Zelte und luxuriöse Mobilheime mit eigenem Bad anbieten, die sich wie ein Wohnwagen eines Oscar-Preisträgers anfühlen‘. Ob Davies das Wort erfunden hat, ist nicht verbrieft, zumindest war sie aber wohl die Erste, die das Wort in den alltäglichen Sprachgebrauch überführte. Damals noch in Anführungszeichen.

Schon ein Jahr später muss die Wortschöpfung aus „glamorous“ (dt. glamourös) und „camping“ sich im allgemeinen Sprachgebrauch etabliert haben, denn 2009 listet „The Guardian“ in einem Artikel über die besten Wörter des Jahrzehnts („Noughtyisms: the best words of the decade“) „Glamping“ als eines der Wörter auf, die das Jahr 2006 prägten. Der Autor Adam Jacot de Boinod definiert Glamping darin folgendermaßen: „Glamping (UK) - glamouröses Campen (zum Teil ausgelöst durch mit Prominenten besetzte Festivals wie Glastonbury).“

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Foto: Dominik Ketz

Zehn Jahre später nahm im Jahr 2016 „The Oxford English Dictionary“ das Wort glamping zusammen mit 1000 anderen Wörtern als Neuzugang in sein Wörterbuch auf. Spätestens jetzt kommt das Wort ohne Anführungszeichen aus. Das altehrwürdige englische Wörterbuch definiert glamping schließlich: „Eine Form des Campings, bei der die Unterkünfte und Einrichtungen luxuriöser sind als beim traditionellen Camping.“

Mehr als Luxus und Komfort

Doch Glamping in seiner heutigen Form ist mehr als nur luxuriöses Camping. Kindheitstage werden wach gerufen oder können nachgeholt werden. Safari-Zelte, Baumhäuser, Tippizelte, Jurten, Bauwagen, Zirkuswagen, große Holztonnen, kleine fantasievolle Hütten wie aus dem Hobbitland, Tiny-Houses, Nostalgiewohnwagen, wie der legendäre Airstream aus den USA – ­ all diese Unterkünfte fallen unter das Schlagwort Glamping. Ausgestattet sind sie oft mit Doppelbett, Kochnische, teilweise auch mit eigenem Bad, ­ wenn der Platz es zulässt. Und was Glamping auch noch ausmacht: das Naturerlebnis.

Das bestätigt auch eine Sprecherin von camping.info im März 2023 gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Für diesen Boom gebe es zwei Gründe. „Einerseits der aktuelle Trend zum naturnahen Urlaub“, sagte die Sprecherin. Andererseits seien die gestiegenen Zahlen auch auf die Reiseeinschränkungen aus der Corona-Pandemie zurückzuführen. Viele Menschen hätten sich damals zum Beispiel einen Wohnmobil zugelegt und nutzten diesen auch jetzt nach Aufhebung der Coronaregeln weiter, sagte die Sprecherin.

Einen weiteren Aspekt des Glampings (und des Campings) machte die Universität von Auckland/Australien aus. In einer Studie von 2015 untersuchten die Wissenschaftler die „Authentizität im Naturtourismus, insbesondere im Zusammenhang mit Camping und Glamping“ und fassen das Ergebnis ihrer Untersuchung zusammen: „Die Hauptmotivationen für Camping und Glamping sind das Bedürfnis nach Natur und Flucht. Sowohl Camping als auch Glamping vermitteln ein Gefühl der Flucht, allerdings auf unterschiedliche Weise.“

Vielleicht ist das eine weitere Erklärung, warum Camping und Glamping dieser Tage boomt. Die Definition von Glamping könnte also erweitert werden als „Flucht (aus dem Alltag) in die Natur ohne auf Komfort und Luxus zu verzichten“.

Außergewöhnliche Glamping-Unterkünfte hat das Portal camping.info zusammengetragen. Dafür haben die Betreiber des Portals die beliebtesten Campingplätze auf seiner Plattform ausgewertet, die zudem besondere Glamping-Unterkünfte anbieten. In einer Bildergalerie stellen wir diese vor.

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