Frankreich: An den Küsten gibt es immer mehr Strandbibliotheken

Schmökern zwischen Schwimmen und Sonnenbad: An Frankreichs Küsten gibt es immer mehr Strandbibliotheken

Lesen im Urlaub gehört für viele Menschen einfach dazu. Wer in Frankreich weilt, muss die Bücher nicht mal unbedingt mitschleppen, sondern kann sie sich entlang der Küsten immer häufiger ausleihen.

Auch am Strand zu liegen, kann bei der gegenwärtigen Hitze ziemlich kräftezehrend sein. Wer in Frankreich eine Pause braucht vom Sonnenbaden, aber auch erst einmal genug vom Schwimmen hat, für den könnte ein Besuch in einer der neuen Strand-Bibliotheken genau das Richtige sein. Scharen von Lesern räkeln sich in den Liegestühlen der Lese-Stützpunkte, die im Juli an der nordfranzösischen Küste eröffnet wurden.

"Es ist eine perfekte Pause zum Lesen und Entspannen zwischen zwei Runden Baden im Meer", sagt die 52-jährige Frisörin Isabelle in Étretat, einem für seine weißen Klippen berühmten Ferienort am Ärmelkanal. "Da ich nicht in den Urlaub fahre, freue ich mich jeden Nachmittag darauf."

Étretat ist eines von zwölf Seebädern in der Normandie, in denen die Behörden die Mini-Bibliotheken am Meer eingerichtet haben. Die von 7. Juli bis 26. August geöffneten Holzhütten wurden jeweils mit eintausend Büchern ausgestattet. Bereits 2005 wurde in Nordfrankreich das Projekt "Lesen am Strand" mit drei Häuschen gestartet - bis 2017 meldete die Region mehr als 38.000 Besucher an ihrer Küste von Le Havre bis Tréport.

Hier kann jeder kostenfrei und ohne Anmeldung zum Lesen kommen. In diesem Jahr stellte die Bezirksverwaltung 400 Stühle rund um die Lesehütten auf, die täglich von 14 bis 19 Uhr geöffnet haben. Innen wirken die Häuschen mit ihren einladenden Farben und Kissen wie Mini-Bibliotheken.

Und so sehen die Strandbibliotheken aus. Foto: AFP/CHARLY TRIBALLEAU

Es gibt sogar Bücher auf Deutsch, Englisch und Italienisch. Zwei Literaturstudenten beraten die Leser, legen Bücher zum Weiterlesen für den nächsten Tag zurück, da die Werke nicht mitgenommen werden dürfen.

An einem sonnigen Nachmittag sitzen rund 15 Besucher zwischen neun Monaten und 70 Jahren vor der Hütte mit Blick aufs Meer, um in fremde Welten einzutauchen. "Wir brauchen mehr davon", sagt Romain Macé, ein Ingenieur aus Rouen, der mit einer Hand auf dem Kinderwagen einen Gedichtband von Baudelaire liest, während sein Baby schläft.

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Auch Stéphanie Planchineau entspannt mit ihrem achtjährigen Sohn, der ein Samurai-Heft liest, vor der Bücher-Hütte. "Wenn es regnet, findet man dort Zuflucht, dort ist es warm", sagt die 45-jährige Urlauberin aus der Umgebung von Paris. Und auch in der Hitze tut eine kleine Strandflucht schließlich gut.

Die 47-jährige Corinne Aït Amar kam nach Étretat, um endlich die Klippen zu sehen, von denen sie in den Büchern über den französischen Meisterdieb Arsène Lupin gelesen hatte. Nun steckt sie aber wieder ihre Nase in Bücher. "Es ist perfekt, es gibt viele sehr neue Bücher", sagt die Krankenschwester aus dem ostfranzösischen St. Étienne, die mit ihrer Familie hier Urlaub macht.

Ihre Tochter hat sich in einen japanischen Manga-Comic vertieft. "Wir haben beschlossen, dass wir den Rest der Familie erst später als geplant wieder treffen", sagt ihre Mutter.

Die zehnjährige Océane hat zwei Comics unterm Arm und fühlt sich hier wie zuhause: "Meine Eltern arbeiten auf der Werft, ich komme jeden Tag", erklärt das Mädchen, das fast zwei Stunden lesend in einem Liegestuhl zubringt.

Das Projekt erfreut sich auch in anderen Teilen Frankreichs großer Beliebtheit. Im südfranzösischen Hérault feierte "Lesen am Strand" gerade sein zehnjähriges Bestehen, nachdem es 2017 rund 21.000 Menschen an die Strände nahe Montpellier gelockt hatte. Ähnliche Programme riefen auch Australien, Bulgarien, Israel und Spanien ins Leben, damit die Menschen nicht nur ins Meer, sondern auch in Literatur abtauchen können.

(das/AFP)
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