Fahrverbote in Österreich: Polizei zwingt Autofahrer im Inntal zur Umkehr

Fahrverbote in Tirol : Polizei zwingt Autofahrer im Inntal zur Umkehr

An diesem Wochenende hat die Polizei in Tirol die neuen Fahrverbote auf Ausweichstrecken entlang der Brenner- und Inntalautobahn durchgesetzt. Hunderte Autofahrer auf der Rückreise aus dem Süden mussten umkehren.

Am Sonntag kontrollierten die Beamten bei Innsbruck den Rückreiseverkehr aus dem Süden an vier Autobahnausfahrten. Trotz heftiger Kritik aus Bayern will Tirol die Transit-Fahrverbote für stark befahrene Nebenstrecken noch ausweiten.

Schon am Samstag hatten Beamte Hunderte Autofahrer zurückgewiesen, die von der Autobahn abfahren wollten. Durchfahren durften nur Anwohner oder Touristen mit einem Ziel in der Umgebung. Damit will das Land Tirol verhindern, dass Autofahrer bei Stau oder zur Umgehung der Maut auf Nebenstrecken durch stark belastete Dörfer ausweichen. Bis zum Ende der Urlaubszeit Mitte September soll das Fahrverbot für Schleichwege an jedem Wochenende gelten.

Die Verbote für den Transitverkehr zeigten Wirkung. Es sei „extrem ruhig. Fast schon zu ruhig“, sagte Eva-Maria Wenter, Mitarbeiterin in einer Tankstelle an der Autobahnausfahrt Zirl-Ost, wo sonst der Ausweichverkehr Richtung Natters fährt. „Für unser Geschäft ist es eher weniger gut. Aber für unsere Ortschaften ist es besser.“

Allein an der Ausfahrt Nösslach an der Brennerautobahn seien am Samstag binnen vier Stunden an die 350 Autofahrer zurückgeschickt worden, sagte der stellvertretende Leiter der Landesverkehrsabteilung Tirol, Günther Salzmann. „Sie sind in Richtung Deutschland unterwegs gewesen und wollten der Maut auskommen - oder dem starken Verkehrsaufkommen.“ Bisher hätten die meisten Autofahrer einsichtig reagiert. Nur einmal gab es Ärger: Ein Autofahrer fuhr einfach an der Kontrolle vorbei. Die Polizei musst ihn stoppen - Geldbuße.

Sah sich der eine oder andere Motorradfahrer um schöne Kurvenstrecken gebracht, so blieben andere gelassen. „Wir fahren in den Urlaub“, sagte eine Touristin auf dem Weg nach Italien, als Beamte sie und ihren Begleiter zurückschickten. „Wir haben keinen Stress.“

Seit Jahren nimmt der Verkehr über die Dörfer zu. Navis leiten Autofahrer über Schleichwege, die früher nur Einheimische kannten. In diesem Frühjahr sei es extrem gewesen. „Es war tagelang nicht möglich, mit einem Kind die Straße zu überqueren“, sagt Alexandra Virabisi, die an der Dorfstraße in dem Ort Kematen wohnt. Sie ist froh über die Maßnahme. „Als Mutter von einem Sieben- und einem Vierjährigen finde ich schon, dass jeder, der von Norden nach Süden will, auch in Kauf nehmen muss, im Stau zu stehen - und dass die Anwohner sagen: Jetzt ist die Belastungsgrenze erreicht.“ Wer staufrei in den Urlaub wolle, könne auf Bahn oder Flugzeug umsteigen.

Auch Mitarbeiter der Bio-Gärtnerei Blumenpark Seidemann bei Kematen spürten am Samstag die Entlastung: „Alles ruhig, freie Fahrt“. Die Wagen seien zuvor teils Stunden vor der Gärtnerei gestanden. „Wir sind als Mitarbeiter kaum rausgekommen aus dem Parkplatz.“ Für den Heimweg habe mancher die dreifache Zeit gebraucht.

Was bei der Bevölkerung gut ankommt, schafft politisch Verstimmung. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kritisierte im „Münchner Merkur“, das Verbot erschwere die Reisefreiheit in der EU. Er forderte eine Klage gegen die Nachbarn. Tirols Landeshauptmann Günther Platter blieb ungerührt und kündigte eine Ausweitung auf die Bezirke Kufstein und Reutte an. Es sei eine Notmaßnahme, um die Verkehrs- und Versorgungssicherheit in den Gemeinden zu erhalten, sagte er der APA. Und: „Es fällt mir auf, dass die Tiroler Maßnahmen in Bayern immer wieder als Majestätsbeleidigung aufgefasst werden.“

Verkehrspolitisch sind Deutschland und Österreich in vielen Fragen überkreuz: Im Maut-Streit, den Österreich nun für sich entschieden hat, in der Debatte um den Bau einer neuen Bahntrasse im bayerischen Inntal als Zulauf zum Brenner Basistunnel und in der Frage, wie der Lastwagenverkehr über den Brenner eingedämmt werden könnte.

Auch Stau bleibt Dauerthema zwischen den Nachbarn: Die deutschen Grenzkontrollen bei Kiefersfelden schaffen teils kilometerlange Schlangen auf österreichischer Seite. Die Tiroler Blockabfertigung von Lastwagen wiederum belastet den Verkehr auf bayerischer Seite.

(felt/dpa)
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