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England: Hier wächst der giftigste Garten der Welt

Alnwick Garden in England : Das ist der giftigste Garten der Welt

Eine Sammlung der giftigsten Pflanzen der Welt wächst in einer herrlichen Gartenanlage im Norden Englands. Auf den ersten Blick wirken viele der Pflanzen harmlos. Betreten dürfen Besucher den "Poison Garden" aber nur in geführten Gruppen. "Zu gefährlich", sagen die Betreiber.

"Diese Pflanzen können töten!", steht auf dem schwarzen Eingangstor, daneben prangt ein Totenkopf. Das Schild soll nicht abschrecken, sondern warnen. Denn wem Einlass gewährt wird durch das sonst verschlossene Tor, der betritt den "Poison Garden" von Alnwick, den wohl gefährlichsten Garten der Welt.

"Ich habe mich immer gewundert, warum sich so viele Gärten dieser Welt auf die heilende Wirkung von Pflanzen konzentrieren", wird Jane Percy, die Gründerin der Gartenanlage, auf der Internetwebseite zitiert. Denn die Herzogin der Grafschaft Northumberland im Nordosten Englands weiß genau, dass das Interesse meist auf anderen Fähigkeiten liegt: "Wie eine Pflanze töten kann, wie lange es dauert, bis man nach dem Verzehr stirbt, und wie schrecklich und schmerzvoll der Tod sein kann."

Genau das erfahren Besucher hinter den Toren auf einer Gartentour der besonderen Art. Es geht vorbei an Beeten mit teilweise auch in Deutschland gefürchteten Pflanzen wie dem Fingerhut, der Tollkirsche und dem geflecktem Schierling. Mythen und Legenden vermischen sich bei der Führung mit Wissenschaft und Geschichte. Die verheerende Wirkung des Safts des Schierlings war schon in der Antike bekannt: Der Philosoph Sokrates soll durch das Trinken des berüchtigten Schierlingsbechers bei vollem Bewusstsein erstickt sein.

Dass viele der Giftpflanzen im eigenen Garten oder im Feld hinter dem Haus wachsen, ist für manchen Besucher eine erschreckende Nachricht. Der Gemeine Goldregen etwa ist mit seiner gelben Blütenpracht ein sehr beliebter Zierstrauch - auch in Europa. Gleichzeitig wurde er 2012 zur Giftpflanze des Jahres gewählt: Bereits nach drei verschluckten Samen beginnen meist erste Vergiftungserscheinungen, die sich durch Übelkeit, mitunter stundenlangem Erbrechen und Brennen in Mund und Rachen zeigen. Stärkere Vergiftung führt zu Halluzinationszuständen, Bewusstlosigkeit und Krämpfen. Wird eine erhebliche Menge aufgenommen, kann es zum Tod durch Atemlähmung kommen.

Die Giftabteilung ist in den Gärten von Alnwick allerdings nur ein Bereich von vielen. Erbaut sind die verschiedenen Themengärten um eine gewaltige Kaskade: Jede Sekunde werden hier 350 Liter Wasser in die Luft befördert. Hoch hinauf in die Lüfte geht es auch zum Baumhaus: Das Restaurant in den Baumwipfeln bietet eine faszinierende Aussicht über die gesamte Anlage. Im symmetrisch angelegten "Ornamental Garden" wachsen 16 000 Pflanzenarten, im Rosengarten blüht eine Sammlung von 3000 Rosenarten. Neben diesen Zahlen wirken die 100 verschiedenen Pflanzen des Poison Gardens fast unbedeutend.

Fotos des "Alnwick Gardens" und einiger Giftpflanzen mit Beschreibung ihrer Wirkung finden Sie in unserer Bilderstrecke.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der gefährlichste Garten der Welt