Eiffelturm in Paris wird 125 Jahre alt

Paris feiert: Der Eiffelturm wird 125 Jahre alt

Für die Weltausstellung in Paris 1889 erbaute Gustave Eiffel das heute 324 Meter hohe gusseiserne Bauwerk. Damals war es besonders bei den Einwohnern von Paris umstritten, aber längst ist es das Wahrzeichen der Stadt geworden.

Der Besitzer des Souvenir-Geschäfts gegenüber der RER-Station "Champs de Mars-Tour Eiffel" kennt die Szenerie auswendig: Die Horden japanischer und anderer Touristen, die sich schon am frühen Morgen aus der Metro wälzen, vor seinen Postkartenauslagen um die Kurve biegen und ob des unerwarteten Blicks auf den imposanten Eisenkoloss abrupt stehen bleiben und in spitze "Oh"- und "Ah"-Rufe ausbrechen, während sich die zur Arbeit hetzenden Pariser schimpfend ihren Weg durch die fotografierenden Massen bahnen. Der Eiffelturm, der heute seinen 125. Geburtstag feiert, spaltet die Meinung der Menschen noch immer – wenn auch anders, als damals, bei seiner Erbauung. Gustave Eiffels Entwurf für das gusseiserne Bauwerk war als Schaustück für die Pariser Weltausstellung ausgewählt worden, mit der 1889 die Französische Revolution vor 100 Jahren gefeiert werden sollte.

Ein architektonisch unerhörter Plan mit ebenso revolutionären Ausmaßen: 312 Meter hoch (324 Meter mit der heutigen Antenne) und mehr als 10 000 Tonnen schwer. In einer Rekordzeit von zwei Jahren, zwei Monaten und fünf Tagen wurden die rund 18 000 Metallteile und 2,5 Millionen Nieten zusammenmontiert. 3000 Stahlarbeiter arbeiteten rund um die Uhr. Am 31. März 1889 war es soweit: Um 13.30 Uhr entrollte Gustave Eiffel eine riesenhafte Trikolore auf der Turmspitze und rief: "Die französische Flagge ist die einzige, die eine über 300 Meter lange Fahnenstange hat." 21 Kanonen-Schüsse donnerten in den Himmel. Frankreich hatte soeben das damals höchste Gebäude der Welt eingeweiht.

Doch längst nicht alle waren von dem spektakulären Monument im Herzen der französischen Hauptstadt begeistert. Während der französische Poet und erste Nobelpreisträger für Literatur, Sully Prudhomme, darin ein "großartiges Wagnis" und einen "eisernen Zeugen" für die Unbeirrbarkeit des Menschen sah, schimpfte der Dichter und Dramatiker François Coppée über ein "unnützes Symbol der Stärke".

Der Schriftsteller Guy de Maupassant ärgerte sich über ein "riesiges anmutloses Skelett", das man "von überall sieht". Wieder andere verglichen den Turm mit einem "düsteren Fabrikschlot" und einer "tragischen Straßenlaterne".

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Eigentlich sollte das Bauwerk nach der Weltausstellung wieder abgerissen werden. Doch Eiffel gelang es, dessen wissenschaftlich-strategische Bedeutung etwa als ideale Wetterstation und Sendemast in den Vordergrund zu stellen und den Turm schließlich zu retten. Mit der Erfindung der Funkübertragung wurde im Jahre 1903 dort ein militärischer Radiosender eingerichtet, im Ersten Weltkrieg fingen die Pariser dort deutsche Funksprüche ab.

Und allmählich gewöhnten sich auch die Pariser an ihre architektonisch gewagte Neuheit. Seitdem haben fast 250 Millionen Besucher den Eiffelturm erklommen. Die "Dame de fer" (Eiserne Dame) gehört nicht nur zu den begehrtesten Touristenattraktionen der Welt, sondern ist heute unbestrittenes Wahrzeichen der Stadt. Ob man die 1665 Stufen zu Fuß erklimmt oder den Fahrstuhl bis nach oben benutzt, ob man die Aussicht auf Paris vom Sterne-Restaurant "Jules Verne" aus genießt oder von der neu gestalteten Esplanade im ersten Stock – es gibt viele Möglichkeiten, den Turm zu erkunden und zu genießen.

Und wer nicht stundenlang in der Schlange stehen will, um ein Ticket zu ergattern, dem bleibt noch immer die Möglichkeit, ihn von unten zu bestaunen – vor allem nachts, wenn ihn seine rund 20 000 Glühbirnen in eine funkelnde Wunderkerze verwandeln.

Der eingefleischte Pariser sieht ihn ohnehin am liebsten aus der Ferne. Allenfalls wird er einmal im Leben einen aus dem Ausland angereisten Freund hinaufbegleiten, ansonsten ignoriert er sein Wahrzeichen geflissentlich – anders als die knapp sieben Millionen Touristen im Jahr, die angesichts seines Anblicks regelmäßig in andächtiges Staunen verfallen. Der Souvenir-Verkäufer am Eck kennt die Szenerie.

(RP)