Ausflug in die Provence: Auf römischen Spuren durch Nîmes

Ausflug in die Provence : Auf römischen Spuren durch Nîmes

Die Provence-Stadt hat viel zu bieten – eine römische Arena, eine weltberühmte Brücke und jede Menge südfranzösischen Charme.

Wenn man von Norden aus mit dem Auto anreist, kommt etwa 20 Kilometer vor Nîmes die weltberühmte Brücke Pont du Gard, Teil eines einst 50 Kilometer langen Aquäduktes, einer römischen Wasserleitung. Erbaut etwa um das Jahr 50 n. Chr., versorgte sie die aufstrebende Stadt Nemausus (lat. für Nimes) mit fließendem Wasser aus den Bergen – und das über 500 Jahre lang. Mit drei Etagen, einer Höhe von 50 Metern und einer Länge von 360 Metern ragt das Bauwerk, das zum Unesco Weltkulturerbe gehört, wie ein steinerner Riese über den Fluss Gardon.

Nicht nur wegen der gewaltigen Ausmaße fühlt man sich als heutiger Besucher ganz klein – auch die gewaltige architektonische und handwerkliche Leistung der damaligen Bauleute verdient höchsten Respekt. Ganz zu schweigen davon, dass es bis auf einige wenige noch komplett die jahrtausendealten Original-Steine sind. Besucher können sogar bis auf die oberste Ebene der Brücke, die eigentliche Wasserleitung, im Rahmen einer Führung vordringen. Das gesamte Aquädukt ist leider nicht mehr erhalten, aber Teile davon sind im Umland des Pont du Gard heute noch zu sehen und auf Wanderpfaden zu erkunden.

Wunderschön und sehr naturbelassen angelegt ist die Landschaft rund um das Denkmal, ausgezeichnet mit dem Gütesiegel „Grand Site de France“ vom französischen Umweltministerium. Wir haben für unseren Besuch einen Hochsommertag erwischt und tauchen direkt nach dem modern gestalteten Eingangs- und Museumsbereich ein in ein südfranzösisches Konzert aus zirpenden Zikaden, vom Wind raschelnden Bäumen und dem gemächlichen Plätschern des Wassers im Fluss. Tatsächlich ist sogar das Baden erlaubt, was eifrig getan wird, ebenso sieht man viele Kanu-Fahrer, die die Brücke unterqueren und ein schönes Bild vor dem knallblauen Sommerhimmel abgeben.

Wer noch tiefer in die römische Geschichte von Nîmes und Umgebung eintauchen möchte, findet im Museum dazu reichlich Material sowie eine spannende Filmvorführung. Besonders schön für Kinder ist der Mitmach-Bereich „Ludo“ gestaltet, in dem sie bei Experimenten und Animationen selbst zu Archäologen oder Baumeistern werden können und erfahren, wie Kinder in der Römerzeit lebten (www.pontdugard.fr/de, Eintritt 9,50 Euro, Kinder unter 18 Jahren frei).

Jetzt geht es aber weiter – zur römischen Arena in der Innenstadt von Nîmes, der besterhaltenen römischen Arena der Welt, wie ein Informationsprospekt erklärt. Wieder einmal stehen wir beeindruckt vor den steinernen Zeugen der römischen Baukunst und lassen uns dann von einem sehr informativ und lebendig erzählten Audio-Guide durch die Gänge, über die Treppen und Sitzränge des Bauwerks leiten und in vergangene Zeiten mit blutigen Gladiatorenspektakeln versetzen. Um alles in Ruhe anhören und entdecken zu können, sollte man schon ein bis zwei Stunden einplanen, allein schon, um einmal ganz oben auf einer steinernen Bank Platz zu nehmen und die Arena auf sich wirken zu lassen – oder umgedreht einen Blick über die Dächer der Stadt zu werfen.

Im Sommer ist das Rund Schauplatz des Festivals von Nîmes mit zahlreichen Konzerten, und auch mehrtägige Veranstaltungen mit römischen Schaukämpfen und Wagenrennen finden regelmäßig statt. (www.arenes-nimes.com, Eintritt zehn Euro, Kinder 7-17 Jahre acht Euro, günstiges Kombiticket mit weiteren Sehenswürdigkeiten Tour Magne und Maison Carrée s.u. 13 Euro, Kinder 11 Euro, Familie zwei Erw. plus zwei Kinder 40 Euro).

Gleich gegenüber der Arena bildet das supermoderne Gebäude des 2018 neu eröffneten „Musée de la Romanité“ einen reizvollem architektonischen Kontrast. Dort kann man seine Kenntnisse zur römischen Geschichte von Nîmes vertiefen. Drinnen geht es mit spannenden Kontrasten gleich weiter, denn die historischen Ausstellungsstücke wie Mosaike, Inschriften, Gebäudefragmente, Schmuck, Münzen, Lampen etc. werden innovativ und hochinteressant mit modernen Mitteln wie Multimediastationen und geschickten Installationen buchstäblich ins rechte Licht gesetzt. Auch hier genügend Zeit einplanen, um alles würdigen zu können. Für Kinder besonders schön angelegt und gestaltet ist eine kleine Schnitzeljagd mit Aufgaben (auf Englisch erhältlich). (www.museedelaromanite.fr, Eintritt acht Euro, Kinder 7-17 Jahre drei Euro).

Die charmanten Gassen und Straßen der übersichtlichen Innenstadt mit ihren kleinen Geschäften, Cafés und Restaurants lassen sich gut zu Fuß erkunden. Zur Mittagszeit genießt man zum Beispiel ein Tagesgericht, ein „Plat du jour“ aus der südfranzösischen Küche, was etwas günstiger ist als ein aufwendigeres Diner am Abend. Oder man versorgt sich gleich in der Markthalle mit Köstlichkeiten der Region.

Frisch gestärkt nehmen wir dann noch zwei Bauwerke auf unseren Besichtigungsplan, die man in Nîmes nicht verpassen sollte: Der Tour Magne liegt auf einer Anhöhe im Park „Jardins de la Fontaine“ und war einst Teil der Stadtmauer. Heute genießt man von oben eine ausgedehnte Fernsicht über die Stadt und ihre Umgebung.

Die berühmte Pont du Gard liegt nur 20 Kilometer von Nîmes entfernt. Foto: imago images

Auf dem Rückweg durch den kleinen Park, der seinen Namen einer bekannten Quelle verdankt, an der sich ca. 600 v. Chr. die ersten Bewohner von Nîmes niederließen, führt der Weg auch an den Überresten des römischen Diana-Tempels vorbei zurück in die malerische Innenstadt – zum Maison Carrée, dem weltweit einzigen vollständig erhaltenen Tempel aus der Antike, der in seinem langen Leben auch schon Stall, Wohnung und sogar Kirche war. Heute beherbergt er ein Kino, in dem ein spannender Kurzfilm die Geschichte der Entstehung Nîmes von den keltischen Wurzeln bis zu einer glanzvollen römischen Stadt erzählt – die es heute noch blendend versteht, ihre zahlreichen Besucher zu begeistern.

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