Sexismus in Après-Ski-Hits Der Berg singt

Kaltenbach · Je weniger Schnee in den Alpen liegt, desto mehr Zeit bleibt den Urlaubern für Après-Ski. Dazu gehören: Bier, Marillenschnaps und sinnentleerte, sexistische Musik. Das ist offenbar ein unabänderliches Tiroler Naturgesetz.

Das Objekt der Begierde ist meistens eine Frau, mit Betonung auf Objekt: eine Après-Ski-Szene (Symbolbild).

Das Objekt der Begierde ist meistens eine Frau, mit Betonung auf Objekt: eine Après-Ski-Szene (Symbolbild).

Foto: Martino Lombezzi/contrasto/laif

Der Abend ist eingebrochen über Kaltenbach, dabei ist noch Nachmittag. Am Fuße der Talabfahrt, ein weißes Band in den grünen Bergen, hocken drei Kinder unter dem Tresen der Essstation. Sie essen, die Skisachen noch an, Leberkäse im Brötchen mit süßem Senf. Es schmeckt in etwa, das lässt sich nach eingehender selbstständiger Prüfung behaupten, wie von einer gut sortierten Tankstelle. Aber das macht nichts; außer den Kindern sind die meisten Konsumenten der Leberkässemmel nicht nüchtern.

Die Essstation ist die clevere Ausgliederung der Postalm, der größten Après-Ski-Hütte im Tal des Hochzillertals, dem „Place to be der Alpen“, wie man dort selbst findet. Mit der Postalm teilt sich die Essstation Inhaber und Musikgeschmack. Und so wird man beim Fast Food mit den Hits aus der Hütte berieselt. Die drei Kinder unter dem Tresen - die Semmeln sind verputzt -, wippen, tanzen und singen mit.

Über sein Mikrofon informiert der diensthabende DJ aus den Bergen die Angehörigen eines Hamburger Sportvereins, sich bitte zum Bus zu bewegen, letzte Abfahrt. Und er leitet über zum nächsten Song, nein, Hit! Er heißt: „Layla“.