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Energie sparen: Reisen statt Heizen - das ist der neue Reisetrend

Hohe Energiekosten in Deutschland : Reisen statt Heizen – der neue Trend

Gas und Strom werden immer teurer, damit lohnt sich ein längerer Aufenthalt im Süden mehr als früher auch im Winter. Tui und Co. haben Angebote geschnürt, es geht los mit 25 Euro am Tag in Tunesien. Zielgruppe sind Senioren, aber auch Leute mit viel Homeoffice.

Wann wird eine Dienstleistung zum Trend? Wenn sie beim Discounter vermarket wird. So sieht es auch mit dem Reisetrend aus, dass für den Winter immer mehr Urlaubsreisen für längere Zeit angeboten werden, auch um den steigenden Gaskosten zu entgehen: Lidl offeriert neuerdings 22 Tage an der türkischen Riviera für 600 Euro all-inclusive, einschließlich  Anreise mit Unterbringung im Fünf-Sterne-Hotel. Selbst der Zugtransfer zum Flughafen und eine Wäschereinigung sind im Preis der „Longstay“-Reise enthalten. Dazu als Extra Rückenmassage sowie eine Gesichtsbehandlung.

„Zeitweises Überwintern im Süden wird dieses Jahr beliebt bei bestimmten Zielgruppen“, sagt Marija Linnhoff, Vorsitzende des Verbandes unabhängiger, selbständiger Reisebüros, „die Kunden kriegen einen Teil der Kosten doch herein, indem sie die Heizung hier runterfahren.“

Die Veranstalter bestätigen die Entwicklung: „Wir sehen einen positiven Trend bei Langzeitbuchungen in den kalten Monaten“, sagt eine Sprecherin von Öger Tours. „Reisen statt Heizen, zum Energiesparen in die Sonne Afrikas“, proklamiert FTI. „Wir glauben zwar nicht, dass Menschen nur zum Energiesparen in den Urlaub fahren“, sagt ein Manager von Tui, „aber wenn die Menschen einen großen Teil der Reisekosten durch die niedrigere Gasrechnung zu Hause wieder reinkriegen, erhöht das bei manchen Bürgern die Motivation zum Kofferpacken.“

Dabei hat der Konzern erstens Senioren im Visier, zweitens Freiberufler oder auch einige Angestellte, die ihren Job auch digital aus dem Hotel oder aus dem Ferienclub erledigen können. Hinzu kommen immer wieder Familien oder Singles, etwa wenn jemand aktuell keiner aktiven Berufstätigkeit zum Beispiel in der Elternzeit nachgeht.

So können Sie beim Heizen sparen

Udo Sieverding, Energieexperte bei der NRW-Verbraucherberatung, erklärt die Rechnung: „Bürger mit eigener Heizungsanlage können rund zwei Drittel der Heizkosten einsparen, wenn sie die Heizkörper während der Abwesenheit deutlich herunterfahren“, sagt der Experte. Mieter, deren Wohnung zentral geheizt werden, haben dagegen eine niedrigere Ersparnis, weil ein Teil der Heizkosten nach den bewohnten Quadratmetern berechnet wird. „Dann lohnt sich das Herunterdrehen der eigenen Heizung weniger.“

In Euro ausgedrückt, kann dies bedeuten, dass der Nutzer einer eigenen Heizung schnell 200 bis 400 Euro im Monat sparen kann, wenn er oder sie die Heizung stark herunterdreht. „Die Einzelheiten hängen vom Vertrag und der bewohnten Wohnung ab“, sagt Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der NRW-Verbraucherberatung.

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Dabei müsse auch gesehen werden, dass die monatlichen Umlagen aktuell nicht nur massiv stiegen, sondern dass der reale Verbrauch ja nur im Winter stattfinde: „Gas, das jetzt gespart wird, kann so die dauerhafte Umlage senken und mindert das Risiko einer Nachzahlung“, so Sieverding.

Tatsache ist, dass Reisende in den Wintermonaten in eine Reihe von  Regionen sehr günstig reisen können. Die Kanaren und Madeira sind zwar zwischen Weihnachten und Sylvester und rund um Ostern relativ teuer, aber nach Spanien inklusive Mallorca, Tunesien, Griechenland, die Türkei oder auch Ägypten schnüren die Veranstalter viele Pakete, um Langzeiturlauber zwischen vier Wochen und drei Monaten anzulocken.

Zumindest bisher verhageln die steigenden Kerosinkosten nicht die Rechnung, von Kerosinaufschlägen ist bei keinem Angebot die Rede.

56 Tage Tunesien im Hotel Iberostar Selection Diar de Andalous inklusive Halbpension bietet beispielsweise der Rewe Ableger DER Touristik im Doppelzimmer ab 1369 Euro inklusive Flug- und Transfer –das sind weniger als 25 Euro am Tag bei Abreise am 21. Januar. Knapp sechs Stunden Sonne gibt es dann meistens, aber wirklich warm ist es nicht: Die maximale Temperatur liegt bei 16 Grad, es kann aber auch nachts nahe dem Gefrierpunkt sein. Doch da ein Golfplatz in der Nähe ist und der Strand zum Spazieren einlädt, gibt es eine Reihe positiver Bewertungen.

Schon deutlich wärmer ist die Taucher- und Baderegion Hurghada in Ägypten, wo es im Februar schon 23 Grad werden. Sieben Stunden Sonnenschein sind die Regel am roten Meer. 56 Tage All-Inklusive bietet DER Touristik ab 2200 Euro im Doppelzimmer an – das sind knapp 40 Euro am Tag. Da das Wasser des Roten Meeres selbst im Januar 22 Grad warm ist, ist von winterlicher Atmosphäre nichts zu merken.

Mallorca, die Türkei, Thailand und natürlich die Kanaren sind weitere Gebiete, die für einen Langzeitaufenthalt gut im Rennen sind, hier tummeln sich die „Snowbirds“, wie Winterflüchtlinge in den USA genannt werden.

18 Tage Cala Ratjada auf Mallorca kosten bei Der Tour mit Halbpension 740 Euro. Laut dem Veranstalter bietet mehr als jedes zweite Hotel auf Mallorca einen Bonus für Langzeiturlauber an, man sollte auf einen Indoor-Pool und Ausflugsmöglichkeiten achten.

 Das Winterwetter im Süden.
Das Winterwetter im Süden. Foto: Grafik: Ferl

Tui bietet 60 Tage in der 4-Sterne-Anlage Blue Orquidea auf Gran Canaria All-Inclusive ab 4900 Euro. Billig ist das nicht, aber bei wohlhabenderen Senioren nicht ganz unbeliebt.

Ebenso viele Tage an der türkischen Riviera kosten bei Tui ab 1500 Euro – das ist am Ende fast genauso günstig wie in Deutschland zu bleiben, Öger Tours bietet sogar acht Wochen ab 1650 Euro in Side.

In Thailand sind vier Wochen Reise mit Frühstück ab 1000 Euro bei Der Tour zu buchen. „Für diesen Winter erwarten wir für Thailand eine hohe Nachfrage“, sagt Vertriebsmanager Sven Schikarsky.

Zum Abschluss wollen wir noch darauf hinweisen, dass Menschen, denen der Klimaschutz sehr wichtig ist, einige Ziele mit gemäßigt-warmen Temperaturen auch per Zug erreichen können: Ab Brüssel fahren TGV-Züge in 5,5 Stunden direkt bis Marseille und damit an die Cote Azur. Ab 120 Euro ist die Karte erhältlich, mit Umsteigen sogar für 80 Euro.

Mit Abfahrt um 6.13 Uhr in  Düsseldorf und Umsteigen in Brüssel und  Lyon ist Barcelona in 13 Stunden erreichbar. Die Strecke kostet 150 Euro, tagsüber sind es häufig 15 Grad bereits im Januar. Günstige kleine Wohnungen über Airbnb sind kein ernsthaftes Problem, laufend fahren Fähren nach Palma de Mallorca.

Worauf müssen Reisende aber bei vielen Zielen achten? „In Gegenden, wo es nachts kühl werden kann wie in Mallorca oder Tunesien sollte es schon eine kleine Heizung im Zimmer geben“, sagt Expertin Linnhoff.