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"Drive and Listen"-App: Taxi fahren und Radio hören in Paris, Mumbai, Rio und Co.

App „Drive & Listen“ : Eine Taxifahrt durch Paris, Mumbai, Rio, ... gegen das Fernweh

Einfach die Seele baumeln lassen, im Taxi durch Paris gefahren werden und sich dabei vom Singsang des lokalen Radiosenders berieseln lassen. Eine neue App stillt das Fernweh in Corona-Zeiten - mit nur einem Mausklick.

In Buenos Aires geht die Sonne auf, auf den Straßen der Millionen-Metropole ist noch nicht viel los. Ganz anders in Delhi: Aus der sicheren Distanz des Taxis beobachtet man das geschäftige Treiben auf der Straße und lauscht dabei den Klängen des indischen Radiosenders „Hits of Bollywood“. Wenn einem das dann doch zu anstrengend wird, klickt man sich einfach schnell nach Miami und fährt gemütlich den Ocean Drive entlang, begleitet von den neuesten Baseball-Ergebnissen, die der Moderator im Radio vorliest. So geht Entschleunigung auf Knopfdruck.

Mithilfe der Web-App „Drive & Listen“ kann man auch in Pandemie-Zeiten dem Lockdown-Blues entfliehen und sich auf eine digitale Reise um die Welt begeben. Die Anwendung simuliert Taxifahrten durch aktuell 58 Städte auf der ganzen Welt. Nutzer können einfach eine Stadt ihrer Wahl anklicken und schon fahren sie im Taxi durch die Straßen ihres Wunsch-Ziels. Dabei können sie zwischen mehreren lokalen Radiosendern wählen und Straßengeräusche dazuschalten, sodass auch für die akustische Kulisse gesorgt ist. 

Programmiert hat die App Erkan Şeker, ein Student aus München, der eigenen Angaben zufolge während der Pandemie nicht in seine Heimatstadt Istanbul reisen konnte. In einem Gespräch mit dem Lonely Planet sagt er: „Ich habe es vermisst in der Stadt herumzufahren und daher online Videos aus Istanbul geschaut.“ Warum das Fernweh also nicht auch für andere Reiseziele stillen? Geboren war die Idee für „Drive & Listen“.

 Eine virtuelle Taxifahrt durch Barcelona lässt ein Urlaubsgefühl am heimischen Computer aufkommen.
Eine virtuelle Taxifahrt durch Barcelona lässt ein Urlaubsgefühl am heimischen Computer aufkommen. Foto: Screenshot "Drive & Listen"

Die Videos hat Şeker sich im Internet zusammengesucht und mit den Online-Streams der lokalen Radiosender verknüpft. Es handelt sich also nicht um Livestreams, sondern um bereits existente Videos. So kann es passieren, dass man beispielsweise durch die Straßen Roms von 2013 fährt. Dem Urlaubsgefühl tut das keinen Abbruch, im Gegenteil. Damals trug noch niemand einen Mund-Nasen-Schutz und an eine globale Pandemie war nicht zu denken.

Die digitalen Taxifahrten sind kostenlos. Wer möchte, kann dem Erfinder aber einen digitalen Kaffee spendieren und die App so weiter unterstützen. Bei der Anwendung handelt es sich übrigens nicht um eine klassische App fürs Smartphone, sondern um eine, die nur im normalen Web-Browser funktioniert.

Das Projekt trifft offensichtlich einen Nerv: Mehr als 38.000 Menschen folgen seinem Account auf Instagram und kommentieren begeistert die Fahrten. „Großartig, wie man an Orte der Sehnsucht und schönen Erinnerungen zurückversetzt wird“, schreibt beispielsweise eine Nutzerin. Die schnelle Taxifahrt per Mausklick kommt für viele im Homeoffice, in er Quarantäne oder im Lockdown-Winter wie gerufen. Wem täte es in diesen Zeiten nicht gut, eine Weile durch Havanna zu cruisen, den Fahrern der zahllosen Oldtimer zurückzuwinken und dabei dem Singsang der kubanischen Morningshow zu lauschen? Oder eine vorausfahrende Rikscha in Mumbai zu beobachten? Oder im schweizerischen Lauterbrunnen ganz nah an einer gigantischen Felswand entlangzufahren und fast schon Bergluft zu schnuppern? Und was die virtuelle Stadtrundfahrt sogar noch besser macht als eine reale: Nirgends steht man länger im Stau.