Wattenmeer Nationalpark an der Nordsee - alles was Sie wissen müssen

Ausflug ans Wattenmeer : In der Nordsee ist Watt los

Eine Wildnis am Meeresufer erwarten die wenigsten ausgerechnet in Deutschland. Doch das Wattenmeer an der Nordseeküste bietet sie, im Watt, aber auch an Land mit Stränden und Salzwüsten, alles geschützt als Nationalpark.

Hier erfahren Sie alles, was Sie zum Wattenmeer wissen müssen. Außerdem verrät uns Godber Kraa, der im Dünensaum in St. Peter-Ording lebt, im Interview was den Küstenstreifen an der Nordsee so besonders macht.

Wattenmeer: Das sind die Besonderheiten

Das Wattenmeer an der Nordsee ist ein weltweit einmaliges Ökosystem und gehört seit 2014 vollständig zum UNESCO-Weltnaturerbe.

Das Wattenmeer zählt sicherlich zu den bekanntesten Lebensräumen Deutschlands. Denn es bietet ein Naturschauspiel, das viele Menschen fasziniert, die ihren Urlaub an der Nordseeküste verbringen: Das Wattenmeer fällt zweimal täglich bei Ebbe trocken und wird anschließend wieder vom Meerwasser überflutet. Der Einfluss der Gezeiten formt die gesamte Landschaft am Meer. Die bei Ebbe trocken fallenden Flächen an der Nordseeküste werden als Wattflächen bezeichnet.

Das Wattenmeer erstreckt sich rund 500 Kilometer entlang der niederländischen, deutschen und dänischen Nordseeküste. Mit rund 11.500 Quadratkilometern zählt das Naturschutzgebiet an der Nordsee zu den größten Feuchtgebieten der Welt.

Wo befindet sich das Wattenmeer - an der Nord- oder Ostsee?

Wer bisher geglaubt hat, dass Wattenmeer existiere nur in Deutschland, der hat sich geirrt. Denn Wattenmeere findet man in vielen Teilen der Welt in den gemäßigten Zonen. In den tropischen Zonen sind derartige Küstengebiete zumeist mit Mangroven - die auch als Gezeitenwälder bezeichnet werden - überwachsen.

In Deutschland finden Sie das Wattenmeer an der Nordseeküste. Für viele Deutsche sind die Inseln am Wattenmeer - Borkum, Juist, Langeoog, Baltrum, Norderney, Spiekeroog, Wangerooge oder Sylt - beliebte Reiseziele für den Nordsee-Urlaub. Die Inseln punkten mit langen Sandstränden, schönen Dünen und einer spannenden Flora und Fauna.

Was ist der Unterschied zwischen Nordsee und Ostsee?

Echte Nord- und Ostseefans sind treue Seelen. Die einen lassen sich gerne an der rauen Nordsee den Wind um die Ohren pusten, die anderen schätzen vielmehr die ruhige Ostsee. Doch was sind eigentlich die größten Unterschiede der beiden Meere?

Der Nordsee-Urlaub ist Abenteuer. Stammgäste lieben das Grummeln der Brandung, lange Strände und den Geruch von Salzwasser und Schlick. Die Ostsee hingegen ist eher der ruhige Geselle. Gezeitenlos, so dass hier immer entspannt gebadet werden kann. Darüber hinaus punktet sie gerade bei Familien mit harmlosen Wellen, weiten Sandstränden und beständigerem und milderem Wetter.

Ein weiterer Unterschied ist der Salzgehalt der beiden Meere. Die Nordsee hat im Vergleich zur Ostsee einen weitaus höheren Salzgehalt. Der Salzgehalt der Ostsee setzt sich aus dem einströmenden Salzwasser der Nordsee und dem Süßwasser der Flüsse und des Regenwassers zusammen. Er liegt zwischen 0,3 und 1,8 Prozent. Zum Vergleich: Die Nordsee hat einen Salzgehalt von 3,5 Prozent.

Wie viele Ostfriesische Inseln gibt es?

Die Ostfriesischen Inseln sind eine Gruppe deutscher Nordseeinseln. Zu den Ostfriesischen Inseln zählen die Inseln Borkum, Juist, Langeoog, Baltrum, Norderney, Spiekeroog und die Insel Wangerooge. Die sieben Inseln liegen aufgereiht vor der niedersächsischen Festlandküste, entlang der Ostfriesischen Halbinsel.

Die Ostfriesischen Inseln verfügen zur Seeseite hin über Sandstrände. Im Inneren bestehen sie aus Dünenbildungen verschiedenen Alters, während sie zur Festland zugewandten Seite hin in Salzwiesen zum Watt übergehen.

Neben den Ostfriesischen Inseln gibt es natürlich auch noch die Nordfriesischen Inseln. Die Nordfriesischen Inseln liegen vor der Westküste Schleswig-Holsteins im nordfriesischen Wattenmeer. Zum Teil werden auch die dänischen Wattenmeerinseln zu den Nordfriesischen Inseln gerechnet. Diese liegen vor der Westküste Jütlands und gehören zur dänischen Region Süddänemark. Unter anderem zählen die deutschen Inseln Sylt, Föhr, Amrum und Pellworm zu den Nordfriesischen Inseln.

Welche Tiere leben im Wattenmeer?

Im Wattenmeer ist "watt" los! Für mehr als zehn Millionen Zugvögel im Jahr ist das Wattenmeer ein unverzichtbarer Trittstein auf dem Weg zu den arktischen Brutgebieten oder den westafrikanischen Überwinterungsgebieten. Möglich wird dies durch den enormen Nahrungsreichtum in den Wattflächen der Nordsee. Denn die Tierwelt des Wattenmeeres besteht überwiegend aus im Boden lebenden Tieren wie Wattwürmern, Muscheln und Schnecken. Diese müssen sich durch Kalkschalen oder Verhaltensanpassungen vor hungrigen Vögeln und Fischen schützen.

Neben den wirbellosen Kleintieren leben auch eine ganze Reihe von Fischarten sowie Seehunde, Kegelrobben und seltener Schweinswale im Wattenmeer.

Weltnaturerbe: Nationalpark Wattenmeer

Seit 2009 darf sich das Wattenmeer über den Titel "UNESCO-Weltnaturerbe" freuen. Aber was bedeutet diese Auszeichnung eigentlich?

Mehr als 10.000 Tier- und Pflanzenarten, rund zehn Millionen durchziehende Zugvögel pro Jahr, die größte zusammenhängende Schlick- und Sandwattfläche weltweit – das Wattenmeer ist ein Ort voller Extreme und von besonderer Bedeutung für die weltweite Biodiversität und genau deswegen hat sich das Meer den Titel "UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer" verdient. Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen haben ihre Wattenmeeranteile als Nationalparks und Biosphärenreservate ausgewiesen.

Fast das gesamte Wattenmeer steht unter Naturschutz. Der deutsche Teil ist – außer den großen, als Schifffahrtsrouten wichtigen Flussmündungen sowie die Wattgebiete des Landes Bremen – als Nationalpark geschützt.

Interview mit Godber Kraa: "Wir wollen das Wattenmeer und die Natur schützen"

Herr Kraas, Sie leben direkt am Dünensaum in St. Peter-Ording, näher am Watt geht es kaum. Was sollten Besucher des Wattenmeers auf keinen Fall verpassen?

Godber Kraa Einmal ist auf jeden Fall das Multimar Wattforum in Tönning ein absolutes Muss. Hier geht es in einer interaktiven Ausstellung um das Thema Natur. Alles, was es zum und aus dem Wattenmeer gibt und sich damit beschäftigt, ist hier zu sehen. Das Haus mit den unterschiedlichen Aquarien ist sehr kinderfreundlich aufgebaut. Aber auch das Nationalpark-Haus in St. Peter. Hier gibt es neben den Ausstellungen zwei Watt- und Vorland-Führungen pro Woche, angeboten von der Schutzstation Wattenmeer.

Sie können dabei unter anderem durch die Salzwiesen mit ihrer besonderen Pflanzenwelt spazieren. Die Salzwiesen waren 2017 auch der Schwerpunkt unseres Themenjahres, 2018 wird dann das Jahr der Muscheln und Schnecken. Einen Ausflug zum Naturzentrum Katinger Watt und den Vogelbeobachtungstouren sollten die Gäste auch einplanen oder zu einer Fangfahrt durch die Eidermündung von Tönning aus.

Was verbirgt sich denn hinter einer Fangfahrt?

Godber Kraa Die Adler-Reederei veranstaltet sogenannte Fangfahrten. Die Fahrt führt durchs Eidersperrwerk, unterwegs wird gefischt, die Netze werden dann auf dem Schiff auf einer Fläche ausgeleert. Die Tiere werden im Einzelnen gezeigt und erklärt, anschließend kommen sie zurück ins Wasser.

Der eigentliche Nationalpark endet ja kurz vor dem Deich. Dann an Land kommen Sie mit der Kooperation der Nationalpark-Partner ins Spiel. Was bedeutet es, Nationalpark-Partner zu sein?

Godber Kraa Wir wollen das Wattenmeer und die Natur schützen. Mit diesem Grundgedanken der Naturnähe haben wir aus unseren Ferienwohnungen, die wir seit 1986 betreiben, Bio-Apartments entwickelt. Seit 2013 sind wir nun in der Kooperation der Nationalpark-Partner dabei. Dafür muss man für Kriterien wie Wasser- oder Energieverbrauch oder auch die Müllmengen Vorgaben erfüllen und dies belegen, um ein Prüfsiegel zu erhalten.

Was bedeutet diese Kooperation für die Besucher des Nationalparks?

Godber Kraa Wir wollen den Gästen die Besonderheit unserer Natur nahebringen. Alle Partner verstehen sich als Multiplikatoren. Wir informieren mit Schautafeln und anderem Infomaterial. Die Kunden wissen, dass wir die Kriterien erfüllen und uns entsprechend verhalten, aber wir nehmen ihnen nicht den Komfort. Die Wünsche der Gäste werden erfüllt, wir kommunizieren mit ihnen über Homepage und drei Facebook- Seiten. Wir arbeiten die Vorgaben der Verfahren aus, aber immer unter Beachtung der Wünsche der Kunden. Sie müssen wissen, dass sie alles nutzen können.

Sie sind von der Institution des Nationalparks vollständig überzeugt?

Godber Kraa Am Anfang war ich selbst ein Gegner, es gab hier viele Vorbehalte. Doch die Bevölkerung wurde eingebunden, alles, was traditionell ist, wurde erhalten. Es ist eine gute Regelung gefunden worden, alle Aspekte werden beachtet und abgewogen. Die Stimmung hat sich geändert, inzwischen ist auch die Gemeinde St. Peter Nationalpark-Partner. Auch wenn er uns keine direkten Vorteile gebracht hat, ist er für uns ein Gewinn.

Das Interview führte Wolfram Marx

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Nordsee aus der Vogelperspektive

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