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Wanderurlaub: Im Pfälzerwald schlafen Camper unter freiem Himmel

Pfälzerwald : Im Millionen-Sterne-Hotel

Mitten im Wald im Zelt übernachten? An der Südlichen Weinstraße ist das erlaubt. Beim Wildnis-Trekking im Pfälzerwald marschiert man durch Haine mit Esskastanien, klettert auf Sandsteinfelsen und rastet mit Blick auf mittelalterliche Burgen.

Wenn sich der Vorhang der Nacht langsam über den Wald senkt, setzen sich die Wanderer ans Lagerfeuer. Holzscheite knacken, Funken sprühen, dunkelrot leuchtet die Glut. Alle rücken zusammen, schauen in die züngelnden Flammen. Für eine Auszeit vom Alltag in der Natur zu sein, tut nicht nur dem Körper gut, sondern auch der Seele. Doch die Abenteuerlust hat Grenzen: Das Feuer hält jene wilden Tiere auf Abstand, die im Pfälzerwald eigentlich das Hausrecht haben. So jedenfalls die Theo­rie. Doch ob das auch in der Praxis funktioniert?

Ein spontaner Besuch von Fuchs und Reh wäre zwar ganz nett. Aber eine Rotte hungriger Wildschweine, die uns das Essen klaut? „Bei Begegnungen klatscht laut in die Hände“, heißt es als Tipp im Infoschreiben des Trekkingplatzes, „das schreckt die Tiere in der Regel ab.“ Ihre Rucksäcke mit den Vorräten für die nächsten Tage hängen viele Wanderer also über Nacht in die Bäume – sicher ist sicher.

Die Zelte stehen ein wenig abseits, für den Weg zum Plumpsklo liegt eine Stirnlampe neben dem Schlafsack. In einem Fünf-Sterne-Hotel bräuchte man so etwas natürlich nicht. Das Trekkingcamp liegt dafür mitten in der Natur und hat eine Million Sterne – mindestens! In der stockdunklen Neumondnacht glitzert am Himmel über dem Blätterdach der Bäume ein galaktisch funkelndes Firmament.

Abenteuer und Abgeschiedenheit: Das lässt sich nach einem sehr langen Flug auf anderen Kontinenten erleben, in der Wildnis Afrikas, Amerikas oder Australiens. Aber eben auch zu Hause, gleich um die Ecke. Der Pfälzerwald ist das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands. „Das Wildcampen ist hier nicht erlaubt. Gerade in trockenen Sommern wäre ein Waldbrand fatal“, sagt Peter Breitner, der sich im Winzerdorf Maikammer an der Südlichen Weinstraße bei der Freiwilligen Feuerwehr engagiert. Doch keine Regel ohne Ausnahme. Deshalb hat Peter Breitner noch ein zweites Ehrenamt. Er ist Campbetreuer eines Trekkingplatzes am Fuß der Kalmit, dem mit knapp 675 Metern höchsten Berg im Pfälzerwald. Die große Feuerstelle unter alten Kiefern bietet nicht nur Holzstämme zum Sitzen und einen Traumblick ins hügelige Hinterland, sondern auch ein einfaches Klohäuschen. Einen Mülleimer aber gibt es nicht: Was in den Wald hineingebracht wird, muss auch wieder hinaus.

Wo genau sich der Trekkingplatz befindet? „Das halten wir lieber geheim und bitten Wanderer, die Koordinaten nicht in digitalen Karten zu veröffentlichen“, sagt Peter Breitner. Denn nur jene, die vorher online für gerade mal 15 Euro pro Nacht ihr Plätzchen reserviert haben, dürfen dort von Anfang April bis Ende Oktober übernachten. Nur eine Nacht kann man bleiben – und zieht weiter. Für Abwechslung ist gesorgt, denn inzwischen gibt es 15 Trekkingplätze mit jeweils bis zu vier Lagermöglichkeiten. Alle Trekkingplätze liegen abseits der Dörfer und der üblichen Wanderwege. Wer unterwegs auch Bus und Zug nutzt, kann die Camps bei der Touristeninformation der Südlichen Weinstraße zwar in jeder beliebigen Reihenfolge buchen. Sinnvoller sind aber die Routenvorschläge, ob für den Kurztrip mit den Kindern oder für die anstrengende Zwei-Wochen-Tour.

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Stromanschluss und W-Lan gibt es auf den Trekkingplätzen im Pfälzerwald selbstverständlich nicht. Müde Füße werden an heißen Sommertagen im Bach gekühlt, das Trinkwasser am Brunnen gezapft und zum Übernachtungsplatz getragen. Das inspiriert Wanderer zu nicht ernst gemeinten Kommentaren. Im Gästebuch des Trekkingplatzes beim Forsthaus Heldenstein, das sich auf der Komposttoilette befindet, ist zu lesen: „Konnte weder Pool, noch Spa finden.“

Das stimmt natürlich. Wobei man bei der Tour für diesen Reisemangel mehr als entschädigt wird. Vom Slevogtfelsen, benannt nach einem Landschaftsmaler, gibt es den ersten Blick auf die Reichsburg Trifels. Die zum Teil restaurierte Ruine war im Mittelalter ein bedeutendes Zentrum des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Im zwölften Jahrhundert war dort auch der englische König Richard Löwenherz eingesperrt. Heutige Besucher verlassen die Burg dagegen nur ungern – weil man sich dort auf einen Thron setzen kann, vor allem aber wegen der grandiosen Aussicht auf weitere Burg­ruinen und den Pfälzerwald.