Die neue Saison startet: Phantasialand kämpft um Erweiterung

Die neue Saison startet: Phantasialand kämpft um Erweiterung

Ende kommender Woche starten die Freizeitparks mit neuen Attraktionen in die neue Saison. Das Phantasialand plant längst weiter. Doch das Land NRW ziert sich beim Verkauf eines Waldstücks.

Im "Ling Bao" riecht es noch nach frischer Farbe. Die Natursteinböden sind frisch versiegelt, über die Gänge plätschert bereits wieder chinesische Zither-Musik. Zwei Wochen Auszeit hat das Phantasialand seinem Hotel gegönnt, um den elf Jahre alten Vier-Sterne-Standard auf Hochglanz zu polieren. Die neuste Attraktion, die hier 165 Zimmer und 10 Suiten füllen soll, ist schon seit dem Winter fertig: "Chiapas", eine neue Wildwasserbahn im neuen Mexiko-Themenbereich; sechs Minuten Fahrt über verschiedene Ebenen, drei rasante Abfahrten, am 1. April geht es los.

Fast alle deutschen Freizeitparks haben zum Saisonstart aufgerüstet. Im Europa-Park in Rust bei Freiburg gibt es eine neue Themenwelt und einen zehn Meter hohen Freefall-Tower, der Heide-Park in Soltau nimmt eine 40 Meter hohe Flügel-achterbahn zum "Flug der Dämonen" in Betrieb, im Holiday Park bei Speyer soll die neue Achterbahn "Sky Scream" bis zu 100 Stundenkilometer erreichen. Lediglich der Movie Park Bottrop bekommt seine neue Attraktion "The Lost Temple" nicht mehr im Frühjahr fertig.

Das alles kostet ein Vermögen. Und obwohl ein Freizeitpark-Besuch alles andere als ein billiges Vergnügen ist (die Eintrittspreise schwanken zwischen 35 und 45 Euro pro Person), müssen die Parks sich etwas einfallen lassen, wenn der Betrieb sich künftig noch lohnen soll. In der Zielgruppe der Tagestouristen sind kaum noch Steigerungen möglich: Viele Betriebe haben sich weitgehend witterungsunabhängig gemacht und inzwischen zehn Monate oder länger im Jahr geöffnet.

Für Phantasialand-Direktor Ralf-Richard Kenter liegt die Lösung auf der Hand: "Wir entwickeln uns vom Tagesausflugs- zum Kurzreiseziel". Von derzeit rund 1200 Betten mit rund 200 000 Übernachtungen soll die Kapazität um 2000 bis 3000 Betten und dann 500 000 Übernachtungen steigen. Zu den heute 1350 Arbeitsplätze (davon 500 unbefristete) kämen nach Kenters Rechnung rund 830 weitere hinzu. Die Erstinvestitionen lägen für die Eigentümer-Familie Löffelhardt bei rund 100 Millionen Euro.

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Und eigentlich könnte es losgehen. Dazu bräuchte das Phantasialand 14 Hektar Wald, die derzeit noch unter Naturschutz stehen. Der Regionalplan ist bereits — unter Anhörung zahlreicher Einwendungen — seit einem Jahr rechtskräftig geändert. In einer jahrelangen Diskussion sind viele Kompromisse gefunden worden. Das Phantasialand hat für die Zukunft einen Erweiterungsverzicht erklärt, der Eingriff wird ökologisch und forstlich vollständig ausgeglichen.

Eigentümer des Waldes ist das Land NRW. Und das ziert sich, den Wald zu verkaufen und das Naturschutzgebiet nebst Teich in ein "Aquapark Ressort" verwandeln zu lassen. "Für uns wäre ausreichend, wenn das Land erklärt, dass es die Fläche zur Verfügung stellt. Ob zum Kauf, zum Tausch oder zur Erbpacht, könnte man später klären", sagt Kenter. Gegenüber der Bezirksregierung hat die Staatskanzlei ein "Moderationsverfahren" angeregt, doch da die Regionalplanänderung bereits rechtskräftig ist und im anstehenden Bebauungsplanverfahren alle Beteiligungsschritte vorgeschrieben sind, gibt es eigentlich nicht viel zu moderieren.

Länger als ein Jahrzehnt dauert die Diskussion um die Erweiterung inzwischen, doch langsam wird die Zeit knapp. Bis zum Ende des Jahres müsse man eine Entscheidung haben, sagt Kenter. Bis es soweit ist, könnte noch viel Wasser die neue "Chiapas"-Bahn hinunter fließen.

(RP)