Touren für Bequeme : Eifel - Radeln auf alten Bahnstrecken

Auch in der bergigen Eifel gibt es schöne Radwege für fitte Genussradler, Familien mit Kindern und die nicht ganz so Sportlichen. So etwa auf stillgelegten Bahntrassen.

Sie kennt viele Höhen und Tiefen — die Eifel, die sich zwischen Rhein und Belgien, der Mosel und der Linie Aachen-Bonn erstreckt. Hier gibt es Höhenzüge und über 600 Meter hohe Berge, zahlreiche Bäche und Flüsse wie Our, Sauer, Kyll, Ahr, Brohl und Rur haben ihre Täler tief eingeschnitten. Doch die Eifel kann auch anders. Sie wartet gerade in Flusstälern und über stillgelegte Bahntrassen mit Routen auf, auf denen es sich sehr gemütlich radeln lässt. Für kleine Kinder ist das ebenso geeignet wir für Senioren und untrainierte Menschen.

Auf die Richtung kommt es an, zum Beispiel beim Kylltal-Radweg: Folgt man seinen gut 130 Kilometern von der Mosel bis nach Kronenburg, muss man 400 Höhenmeter überwinden. Andersherum rollt man meist bergab. Der asphaltierte Weg begleitet die Kyll und die stellenweise parallel verlaufende Bahntrasse ins Moseltal. Nur wenn er aus verkehrstechnischen oder Naturschutzgründen diese kurz verlassen muss, gibt es kurze Steigungen.

Das idyllische Flüsschen schlängelt sich durch sanfte, sonnendurchflutete Auwiesen und schattigen Wald, springt schäumend über niedrige Naturwehre und durchquert hübsche Eifeldörfer wie Mürlenbach mit der Bertrada-Burg aus dem 13. Jahrhundert, einem von mehreren mutmaßlichen Geburtsorten Karls des Großen.

Jawohl, auch die Kultur muss beim Radeln an der Kyll nicht zu kurz kommen. Die spätgotische Kirche St. Thomas von 1222 mit ihren barocken Klosterbauten etwa ist ein Augenschmaus. Genau wie das ehemalige Zisterzienserinnenkloster. Es wurde um 1185 zu Ehren des 1170 ermordeten Erzbischofs von Canterbury, Thomas Becket, gegründet und ist damit das älteste Deutschlands. Heute beherbergt das Kloster ein bischöfliches Priesterhaus und eine Bildungsstätte.

Bei Kyllburg lohnt ein Abstecher von einem Kilometer zum Schloss Malberg. Die ursprüngliche Burg aus dem Jahr 1008 wurde im 17. Jahrhundert von dem Architekten Matteo Alberti aus Venedig zu einem Schloss im Stil des venezianischen Barock ausgebaut. In der Schlosskapelle sind zehn barocke Skulpturen des Bildhauers Adam Ferdinand Tietz zu bewundern, Darstellungen der Jahreszeiten und der Jagd. Heute darf sich das Schloss "Denkmal von besonderer nationaler kultureller Bedeutung" nennen.

Pause am Mineralbrunnen

Aus den zahlreichen Heilquellen und Mineralbrunnen am Kylltalweg können Radler ihren Durst stillen. Das geht natürlich auch im Biergarten oder Restaurant der "Kleinen Villa am Turm" in Birresdorf. Der viereckige rote Turm beherbergte früher einen Mineralwasserbrunnen, die große, mit Schieferschindeln bedeckte Kugel auf seinem Dach symbolisiert die Wasserkraft. Heute lagern Weinflaschen unter dem runden Buntglasfenster mit dem Schriftzug "Phönix-Quelle Birresdorf" im ehemaligen Quellraum.

Im Turm darüber, wo einst der Brunnenmeister wohnte, sind fünf hübsche Hotelzimmer entstanden. In der "Kleinen Villa", die der Kölner Unternehmer Fischer 1910 baute, um dort seine Wochenenden zu verbringen, genießen heute die Restaurantgäste ihr Mahl. 2005 hat der Koch Hans-Hermann Grewe die Immobilie erworben und ein Jahr lang mit viel Liebe zum historischen Detail umgebaut.

Neben vielen einladenden Einkehrmöglichkeiten ist am Kylltalradweg besonders praktisch, dass zwischen Jünkerath und der Mosel 21 Bahnhöfe liegen. Wer keine Lust oder Kraft mehr hat, steigt einfach in den Zug und fährt zum Auto, Quartier oder Ziel. Das empfiehlt sich auch für die einzige schweißtreibende Passhöhe vor Erdorf: Statt die 150 Höhenmeter mit einer Steigung bis zu acht Prozent strampelnd oder schiebend zu erklimmen, fährt man mit dem nächsten Zug in sieben Minuten durch den Tunnel.

Praktische Rad-Buslinien

Dort, wo es keine Zugverbindungen gibt, sind vielerorts in der Eifel Rad-Buslinien eingerichtet, die von April bis November mehrmals täglich oder nur an Wochenenden und Feiertagen einen großen Fahrradanhänger mitführen. Vom Bus abholen lassen kann man sich an dem neuen Eifel-Ardennen-Radweg. 21 von 29 Kilometern dieses Weges verlaufen über die stillgelegte Bahntrasse der Strecke von Prüm bis ins belgische St. Vith — Knotenpunkt eines richtigen Bahntrassen-Radwegenetzes. Das Schöne daran: Viele dieser komfortablen Radwanderwege überbrücken große Distanzen fernab vom Verkehr durch Wald, Wiesen und Felder, und die bahntypischen Steigungen von wenigen Prozent lassen sich bequem meistern.

Der Eifel-Ardennen-Radweg verbindet drei beschauliche Bachtäler. Von Prüm aus geht es entlang des gleichnamigen Flusses bis Pronsfeld. In Bleialf durchquert der Radweg in einem 400 Meter langen Tunnel den Berg zum sehr naturbelassenen Ihrenbachtal. Nur im Winter muss der 500 Meter hohe Berg erklommen werden, denn von November bis März gehört der Tunnel den Fledermäusen, die dort ihren Winterschlaf halten — unbehelligt von Radlern.

Info

Auskünfte Eifel Tourismus, Tel. 0 65 51 - 96 56 0, www.eifel.info, Rheinlandpfalz-Tourismus, www.radwanderland.info

Unterkunft Hotel/Restaurant mit Biergarten "Kleine Villa" in Birresdorf, DZ ab 60 Euro, Tel. 0 65 94 - 92 11 480. www.kleine-villa-am-turm.de

Lektüre "Mit dem Fahrrad über alte Bahntrassen in der Eifel", Bachem-Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-7616-2372-5, 14,95 Euro "Radatlas Südeifel", bikeline, Esterbauer Verlag, 2009, ISBN 978-3-85000-269-1, 12,90 Euro

Busfahrt Preisbeispiel St. Vith - Prüm Erwachsener/Kind plus Rad 7/4 Euro

Hier geht es zur Bilderstrecke: Radeln in der Eifel

(RP)