#Urbanana: Nordrhein-Westfalen wirbt als fiktive Bananenrepublik

#Urbanana: Nordrhein-Westfalen wirbt als fiktive Bananenrepublik

Willkommen in der "Bananenrepublik": Bei der Internationalen Tourismusmesse ITB in Berlin will NRW Städtereisende dazu einladen, den urbanen Dschungel des Landes abseits ausgetretener Pfade zu erkunden. Das Konzept ist nicht unumstritten.

Städtedschungel statt Wanderwege, brutaler Sichtbeton statt Fachwerkidylle: Unter dem Schlagwort #Urbanana geht Nordrhein-Westfalen bei der bevorstehenden Internationalen Tourismusbörse ITB in Berlin (7. bis 11.3.) ungewöhnliche Wege. Im Zentrum der Kampagne, die auch bei dem parallel stattfindenden "Berlin Travel Festival" präsentiert wird, steht NRW als "fiktive Bananenrepublik". Die Macher haben sich dabei von der bananenförmigen Silhouette der Städte zwischen dem Rheinland und dem Ruhrgebiet inspirieren lassen.

Bei der Kampagne gehe es bewusst nicht nur um die schönen Ecken und Leuchtturmprojekte des Landes. "Auch etwas hässlich zu finden, hat einen Reiz", sagte Jan-Paul Laarmann, Produktmanager bei Tourismus NRW. Es gehe darum, um die Ecke zu gucken. Bausünden der Vergangenheit wie etwa die Betonklötze im Zentrum von Marl seien etwa unter Architekturliebhabern als Reiseziel gefragt. Es existiere eine internationale Szene, die großes Interesse habe an der geometrischen Klarheit von Sichtbeton und an "brutalisierter Architektur".

Auch Bauwerke wie die 1968 eingeweihte Wallfahrtskirche des Architekten Gottfried Böhm in Velberter Ortsteil Neviges sorgten immer wieder für Diskussionen. "Das ist ein Ort, wo man sich sehr stark darüber streiten kann, ob das hässlich ist", sagte Laarmann. Interesse wecken wolle man auch für ungewöhnliche Veranstaltungen etwa im Dortmunder Nordviertel, wo es darum gehe, spannende und internationale Geschichten zu erzählen.

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Das Projekt sei im Rahmen des gesamten Messeauftritts von Nordrhein-Westfalen derzeit noch ungewöhnlich. Mit der bereits Ende 2016 gestarteten Initiative versuche man, individuelle Entdecker unter den Städtereisenden anzusprechen. "Es geht nicht um das schöne Leben des Fischers von Malta, sondern um das Leben in einem Schmelztiegel", sagte Laarmann.

Die Kampagne ist jedoch nicht unumstritten. "Grau in Grau, das waren wir früher mal", sagte der erste Bürgermeister der Stadt Essen, Rudolf Jelinek. Der Kommunalpolitiker aus dem Ruhrgebiet hält nicht viel von der provokativen Kampagne. Er setzt darauf, den Wandel der ehemaligen Montanregion mit Kohle und Stahl in eine der grünsten Großstädte Deutschlands bei der Städtewerbung voranzustellen. Der Imagewandel sei bereits in vollem Gange, sagte Jelinek.

"Es wird heute immer schwerer, die Aufmerksamkeit von Verbrauchern zu bekommen", erklärte der Marketingexperte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU. Das Projekt von Tourismus NRW sei auf jeden Fall eine "freche Kampagne". Wenn es den Initiatoren darum gehe, Freigeister und Pioniere anzusprechen, könne das Konzept auch funktionieren. Die breite Masse wolle jedoch vermutlich lieber weiter den Kölner Dom oder andere bekannte Attraktionen des Landes besuchen. Nur mit der Formulierung "Bananenrepublik" tue er sich "etwas schwer", sagte der Marketingexperte.

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(lnw)