Kloster Maulbronn lockt mit Faustmythos und Mittelalter-Ausstellungen

900 Jahre alte Zisterzienseranlage : Kloster Maulbronn lockt mit Faustmythos und Mittelalter-Ausstellungen

Das Kloster Maulbronn kann mit 900 Jahren Geschichte aufwarten. Mittelalter-Fans und historisch interessierte Touristen kommen aufgrund mehrerer Ausstellungen innerhalb der Mauern voll auf ihre Kosten.

Die Klosteranlage in Maulbronn ist eine eigene kleine Stadt. Im 12. Jahrhundert siedelten sich die Zisterziensermönche im Nordschwarzwald an und prägten von Maulbronn aus ganz Europa. Die ehemalige Zisterzienserabtei gilt als eine der größten und als besterhaltene mittelalterliche Klosteranlage nördlich der Alpen und zieht jährlich tausende Besucher an. Vor 25 Jahren zeichnete die Unesco die frühere Abtei als Weltkulturerbe aus.

Vom Klosterhof hat der Besucher einen Rundumblick auf unterschiedliche Gebäude und Stile, denn die Klosteranlage vereint romanische und gotische Elemente. Klosterkirche und Klausur wurden zunächst im romanischen Stil gebaut. Davon zeugen heute noch die eisenbeschlagenen Türen zur Kirche. Ein Jahrhundert später kamen der Kreuzgang und das Brunnenhaus sowie die Kirchenvorhalle im frühneugotischen Stil mit Spitzbögen und unterschiedlich hohen Säulen dazu. Später wurde der Kernbereich des Klosters im gotischen Stil modernisiert und erweitert.

Das Kloster entwickelte sich zu einem vielfältigen Komplex und umfasste im 15. und 16. Jahrhundert etwa ein Krankenhaus, eine Klosterschule und Verwaltungsgebäude. Eine wichtige Rolle spielte für die Mönche das Wasser vom angrenzenden See und dem Fluss. Der Legende nach ließen die Mönche ein Maultier über den Ort der Klostergründung entscheiden. Das Tier stoppte an der Wasserquelle in Maulbronn und warf dort den Klosterschatz ab.

Das Wasser ermöglichte den Zisterziensern, Landwirtschaft in größerem Stil zu betreiben. Die Mönche waren Selbstversorger und nutzten die Kraft des Wassers, um Wasserräder oder Schmiedehammer zu betätigen. Zudem sollen sie Hilfsmittel wie den "Mönch" erfunden haben, ein Gerät, das den Sauerstoffgehalt in Gewässern erhöht.

Eine Ausstellung informiert Besucher über die wechselhafte Geschichte der Mönche, die das Kloster im Zuge der Reformation verlassen mussten. Politisch und wirtschaftlich spielte die Anlage aufgrund der strategisch günstigen Position weiter eine Rolle. Das Männerkloster wurde in eine evangelische Klosterschule umgewandelt, die etwa der Astronom Johannes Kepler oder die Schriftsteller Hermann Hesse und Friedrich Novalis besuchten.

Eine weitere Ausstellung informiert über Maulbronn als Ort der Literatur: Die Mönche schrieben selbst, kopierten und übersetzten Bücher und stellten eine eigene Bibliothek zusammen. Nachhaltig prägten dann die Romantiker im 19. Jahrhundert die Wahrnehmung des Ortes. Sie verklärten das Mittelalter mit seinen Sagen und Mythen zum Ideal. So soll etwa auch Doktor Faustus im Kloster gewirkt haben.

Anlässlich des Jubiläums ist ausnahmsweise der Faustturm für Besucher geöffnet. In diesem mittelalterlichen Verteidigungsturm soll sich der Legende nach Fausts alchemistisches Labor befunden haben - auch wenn das historisch nicht möglich ist, wie der Maulbronner Stadtarchivar Martin Ehlers erklärt. Der Turm sei 1504 zerstört und erst im 17. Jahrhundert wieder aufgebaut worden. Der historische Faust, sofern es ihn denn gab, lebte aber genau in der Zwischenzeit.

Dennoch hält sich das Bild von Faust in Maulbronn hartnäckig, unterstützt von Literatur und Kunst: Geisterspuck in Form einer Katze, ein Mönch, der Faust im Alchemieturm einschließt oder Fausts Suche nach dem Stein der Weisen: Die Romantiker tradierten diese Erzählungen mit Bezug auf Maulbronn in Kunst, Musik und Literatur - mit Auswirkungen bis heute.

"Der Mittelalter-Hype und ein verklärtes Bild der Zeit halten vom 19. Jahrhundert bis heute an", sagt Ehlers. In Maulbronn mit der historischen Anlage, "verwunschenen Gärten und Türmen" hätten die Romantiker dafür die ideale Kulisse gefunden.

Heute sind in der ehemaligen Klosteranlage vor allem Verwaltungsgebäude der Stadt untergebracht, Polizei und Rathaus, aber auch Restaurants und ein evangelisches Gymnasium. Besucher können die historischen Gebäude besichtigen und sich über Bautechniken, das Leben der Mönche im Mittelalter und die Bedeutung des Ortes für die Literatur informieren.

(felt/kna)
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