Immer an der Lahn lang

Der Lahnwanderweg trägt seit diesem Jahr das Siegel als Qualitätswanderweg. Von Diez bis Lahnstein geht es in vier Etappen über 65 Kilometer zur Mündung in den Rhein.

Diez Der erste Abschnitt ist ideal zum Warmlaufen. Von Diez nach Balduinstein sind es kaum mehr als sieben Kilometer. Balduinstein besitzt ein paar hübsche Häuser am Lahnufer, sie verleihen dem 650- Seelen-Ort einen Hauch von Glanz. Besonders das Gebäude der alten Postkutschenstation ragt heraus. Heute ist es ein Hotel mit Türmchen und Glockenspiel mit einem umfangreichen Repertoire an Melodien. Direkt gegenüber, an einem gläsernen Pavillon, sitzen im Sommer die Radler und machen Pause.

Sogar aus den USA und Japan reisen Menschen nach Balduinstein. Sie reizt weniger das Lahntal. Sie kommen, um Mutter Meera zu sehen. Eine indische Heilerin, die unterhalb der Burg Schaumburg wohnt. Man sagt, sie spreche kein Wort und entfalte ihre heilenden Kräfte durch Blicke und Berührung. Prominente wie Ringo Starr und Paul McCartney sollen schon bei ihr gewesen sein. Wie auch immer, Charisma hat Balduinstein zweifellos. Ein Ort, an dem man gerne verweilt. Doch man will ja weiter, zu Fuß der Lahn folgen.

Zunächst führt der Weg den Hang hinauf. Ein kurzer Blick zurück auf die Schaumburg, die aus der Ferne noch größer wirkt. Nach dem Aufstieg folgt man auf der Höhe einem frisch gemähten Wiesenpfad. Am Vormittag ist dort einiges los, erst kreuzt ein Reh den Weg, dann hoppelt ein Hase vorbei. Der Lahnwanderweg zieht viele Schleifen durch die mit Buchen- und Eichenwälder bewachsenen Flusshänge von Taunus und Westerwald. Wenigstens sind es mäßige Höhen, maximal 350 Meter. Im Tal fließt der Fluss fast unbewegt dahin.

Der Wanderweg hat wenig Berührung mit dem Fluss, dafür bietet er viele Ausblicke ins Lahntal. Schön ist beispielsweise die Sicht vom Goethepunkt, oberhalb von Obernhof. Ins Auge fallen Rebstöcke — Obernhof und Weinähr sind die einzigen Weinorte der Lahn. Sechs Winzer bauen auf kleiner Fläche vorwiegend Riesling und Spätburgunder an. Vom Goethepunkt aus geht's ziemlich steil nach unten. Auf felsigem Pfad, mal mit Drahtseilen zum Festhalten oder über Eisenstiege. Für weniger Wagemutige gibt es freundlicherweise noch einen leichteren Weg durch den Wald. Wer solche Klettereinlagen mag, sollte unbedingt die Ruppertsklamm vor Lahnstein ansteuern, dort wartet ein fast schon alpines Wandererlebnis.

Durch die sehr gute Bahnanbindung ist es den Wanderern problemlos möglich, Etappen zu überspringen oder den Ort schnell zu wechseln — zum Beispiel, wenn das Wetter nicht mitspielt. Die Route des Lahnwanderwegs ist keine komplette Neuerfindung, sie orientiert sich häufig am alten Lahnhöhenweg. Nun hat man die Strecke teilweise aufgepeppt und an heutige Wanderansprüche angepasst. Mit Seitenwechseln über den Fluss, um schöne Ausblicke miteinander zu verbinden. Oder es wurden Abschnitte weg von der Straße verlegt, statt auf Asphalt laufen Wanderer so häufiger als zuvor auf Pfaden und weichem Rindenmulch.

Allerdings fehlen an der Lahn noch rund 200 Kilometer Wanderstrecke, nämlich von der Flussquelle bei Siegen bis nach Limburg. Die Etappen sollen peu à peu nachgerüstet werden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Lahntal zu Fuß, per Kanu oder Rad erreichen

(RP)