Die Ostsee ist zum Ganzjahres-Ziel geworden

Tourismus in Deutschland : Die Ostsee im Aufwind

Viele neue Hotels, die als Zielgruppe junge Urlauber haben, locken an die östliche Seite von Schleswig-Holstein. Damit wird das Land immer mehr zu einem Ganzjahres-Ziel. Gesundheit und Wellness bestimmen immer mehr das Angebot.

Verstaubter Ostseeurlaub für die Generation unserer Großeltern – das ist passé. Ostsee nur im Sommer? Ebenso. „Es gibt keine Nebensaison mehr,” sagen Touristik-Experten in Schleswig-Holstein. Und: Beach-Lounge, Lama-Wanderung, Ice on Scharbeutz oder Open-Air-Festivals laden übers ganze Jahr alle Generationen ein und lassen die Badeorte jünger klingen.

Denn es sind vor allem immer mehr junge Menschen, die an die Ostsee reisen. Ein paar Tage Resturlaub, ein verlängertes Wochenende, Wellness mit drei Freundinnen, einfach mal Lust auf andere Luft: All das sind Motivationen, ein Quartier an der Ostsee zu buchen. Und das eben nicht nur zwischen Mai und August, sondern auch noch im November oder Januar.

Denn genau die frische Luft in den kühlen Monaten ist es, die viele zum Durchatmen nutzen wollen. Der letzte tolle Sommer war auch schon Grund dafür, dass in ganz Schleswig-Holstein die Übernachtungszahlen gestiegen sind. Die Nebensaison, die keine mehr ist, lässt die Touristiker weiter jubeln. Höchste Zeit für eine Stippvisite an der schleswig-holsteinischen Ostsee.

Timmendorf ist eigentlich ein Badeort, den man aus Urlauben schon seit Jahrzehnten mit der Familie kennt. Aber jetzt, ganz plötzlich, verjüngt sich das Publikum. Mit ein Grund, warum viele Jüngere den Ort für sich entdecken, ist mal wieder die Zugkraft eines Promis. Til Schweiger hat ihn bekannter gemacht mit seinem hippen und coolen Hotel, das er unter seiner Marke „Barefoot“ mit Partnern betreibt.

Drinnen erwartet die Gäste eine Farbkombination in Erdtönen, beige, braun, hellblau, alles sanft gehalten, Stoffe sind aus Naturmaterialien, Möbel stehen für schlichtes Design. Genauso könnte das Haus auch am Strand in Kalifornien stehen. Es steht aber am Timmendorfer Strand, in zweiter Reihe, hinter dem ortsbild-prägenden Maritim. Ab und zu übernachtet auch Til Schweiger dort. Letztens sogar mit einer ganzen Filmcrew inklusive Nick Nolte auf Zimmer 410. „Honig im Kopf“ wurde noch einmal auf Englisch gedreht. Ins Hotel kommen aber auch Gruppen mit Junggesellinnen-Abschieden, die bei der Buchung ganz kess nach dem Herrn Schweiger fragen und ob der auch teilnehmen könnte. Kann er aber nie. Die Buchungen laufen so gut, dass die Hotelbetreiber schon ein zweites Gebäude mit Apartements auf dem Grundstück gegenüber planen.

Die jüngere Generation wird in Timmendorf außerdem mit vielen lockeren Veranstaltungen angesprochen: Im Januar findet der Winter-Strand-Klub statt und präsentiert sich wie sonst im Sommer als eine Beach Lounge Strandbar. Silvester wird ebenfalls am Strand gefeiert, und bei der Musikreihe Stars am Strand legen angesagte DJs auf.

Eine jüngere Zielgruppe spricht ebenfalls das Konzept der a-ja-Resorts an. Nach Warnemünde und Glücksburg wurde jetzt auch ein Design-Hotel für „low Budget” in Travemünde eröffnet. Das Haus gehört zum Konzern der Deutschen Seereederei, die auch die Arosa-Hotels betreiben. Beide Marken tun sich offenbar nicht weh: Direkt gegenüber des neuen a-ja-Resorts mit direktem Blick auf die Ostsee hat sich das Arosa Travemünde schon vor Jahren etabliert. Gesundheit und Wellness stünden bei den Gästen hoch im Kurs, sagt Julia Haupt, Chefin im a-ja.Resort, dessen Zimmerpreis bei 79 Euro pro Übernachtung startet.

Solche Summen werden ein paar Kilometer weiter nördlich gar nicht erst diskutiert. In der neuen Luxus-Anlage Weissenhaus Grand Village Resort werden auch schon mal mehr als 1000 Euro für eine Suite aufgerufen. Anfangspreis: 390 Euro. Aber: Die Nachfrage ist groß, es gibt sogar ausgebuchte Zeiten. Zielgruppe sind hier die gut betuchten Hamburger, die für einen Kurztrip an die See fahren und einfach den „lässigen Luxus”, so Geschäftsführer Frank Nagel, genießen wollen. Eigentümer des Areals ist Jan Henric Buettner, Mit-Begründer des Online-Dienstes AOL.

Er steht für eine Generation von Privat-Investoren, die ganze Gebiete an der Ostsee entwickeln. Zum Beispiel der Däne Sven Hollesen mit seiner Firma Planet-Haus. Er hat in die Priwallbebauung in Travemünde investiert sowie in die Marina in Wendtorf. Oder Jens Sroka, der in Heiligenhafen das Beach Motel eröffnet hat. Dort gibt es eine Skaterrampe und einen Surf-Verleih. Oder das Ratinger Bauunternehmen Adams, das in Dierhagen das Hotel Dünenmeer gebaut hat.

Auch Scharbeutz entwickelt sich immer „szeniger“. Mit Glühwein und Eisbahn inklusive Meerblick lockt es im Winter, ein schickes modernes Hotel ist dort mit dem „Bayside“ entstanden.

Es sind vor allem die vielen neuen Hotels, die die Tourismus-Zahlen an der schleswig-holsteinischen Ostsee nach oben schießen lassen. Aber: Auch Hotels mit Vergangenheit sind immer noch am Start. Der „Alte Meierhof“ in Glücksburg mit seinen fünf Sternen ist ein solches Beispiel. Nach 20 Jahren wird jetzt umfassend modernisiert, aber die Lage an der beschaulichen Flensburger Förde inklusive dem Wellness-Angebot ist nach wie vor gefragt. Und das bei allen Generationen aus Deutschland und Dänemark, wie die Geschäftsführer Uta Krause-Junk und Zwei-Sterne-Koch Dirk Luther bestätigen. Die Stadt Glücksburg wiederum, eine der nördlichsten Städte Deutschlands, lädt ganz kess traditionell zum „Anbaden“ am Neujahrstag, aber auch zu vielen anderen Veranstaltungen wie dem Apfelfest und natürlich zur Besichtigung seines Schlosses. Und zum Radfahren quer durch die Lande. Denn dass ist immer noch eine der liebsten Freizeitbeschäftigungen der Deutschland-Urlauber.

Schon mal mit einem Lama gewandert? Die Ostsee macht’s möglich. Foto: RP/www.luebecker-bucht-ostsee.de.

Dass der Trend eindeutig zum Urlaub im eigenen Land geht, sagt auch Thomas Lenz aus dem Arosa in Travemünde. „Das Urlauber-Verhalten hat sich in den vergangenen Jahren komplett gedreht.“ Urlaub „vor der Haustür“ sei beliebter geworden, und hier hätten sich Ost- und Nordsee vor allem mit den zahlreichen neuen Hotels auch für junge Gäste stark entwickelt.

Mehr von RP ONLINE