Touristenhotspot: Chinas Honolulu boomt

Touristenhotspot : Chinas Honolulu boomt

Die chinesische Insel Hainan vergleicht sich gern mit Hawaii. Warum eigentlich nicht? Es gibt zwar keine aktiven Vulkane. Aber immerhin liegen die Inseln auf demselben Breitengrad.

Am südlichen Zipfel des Reiches der Mitte zeigt sich die chinesische Natur von ihrer schönsten Seite: saubere, jodhaltige Seeluft, badewannenwarmes Meerwasser, 300 Sonnentage und endlose Strände - China, wie man es kaum kennt. Hainan ist mit 34.000 Quadratkilometern ungefähr so groß wie Taiwan oder Nordrhein-Westfalen und die einzige große Insel Chinas mit ganzjährig subtropischem Klima. Früher verbannte man in Ungnade gefallene Beamte des Kaisers dorthin. Für sie war es das Ende der Welt, wie man es noch immer an einem der Granitfelsen am beliebten Strand von "Tianya Haijao" nahe Sanya lesen kann, den man eher mit Praslin auf den Seychellen als mit China assoziieren würde.

Wenn man auch heute viele Beamte in Sanya, dem inzwischen angesagtesten Touristenhotspot auf Hainan, antrifft, so hat das andere Gründe. "Der obere Mittelstand Chinas verdient ordentlich und entdeckt in zunehmendem Maße die Lust am Reisen", sagt Andreas Kraemer, der als Geschäftsführer im Intercontinental 125 Angestellten Arbeit gibt. 90 bis 95 Prozent seiner Gäste sind Chinesen, die es vornehmlich aus den Ballungszentren in den warmen Süden mit seiner unbelasteten Umwelt, rauschenden Palmen und blühenden Bougainvilleas zieht. Das etwa 800.000 Einwohner zählende Sanya steht dabei auf der Imageliste ganz weit oben. Wer sich hier einen Urlaub leisten kann, hat bereits einige Stufen auf der Karriereleiter erklommen.

In Sanya schossen in den letzten Jahren 56 Hotels internationaler Top-Marken wie Pilze aus dem Boden. Hyatt, Hilton, Intercontinental oder Mandarin Oriental - kaum eine Kette von Rang und Namen, die hier nicht vertreten ist. "Je schicker, neuer und größer die Hotels sind, desto stärker ihre Anziehungskraft", weiß Stephan Stoss, Geschäftsführer des Hilton, aus Erfahrung zu berichten. "Noch vor wenigen Jahren dominierten Besucher aus Korea und Japan die Gästestruktur der Luxushotels und Golfplätze. Dieses Verhältnis hat sich völlig zugunsten chinesischer Gäste gedreht."

"Wir haben ein riesiges Potenzial", zeigt sich auch Sanyas Vizebürgermeister Yue Jin zuversichtlich. "Im Jahr 2015 begrüßten wir 15 Millionen Gäste. 2020 erwarten wir 20 Millionen und in fünf Jahren wird unser neuer Flughafen mit einer Kapazität von 60 Millionen Reisenden fertig sein, so dass wir auch Direktflüge aus Frankfurt und London in den Flugplan aufnehmen können."

Die chinesischen Besucher trifft man tagsüber hauptsächlich in den Shopping-Malls Sanyas oder in den großzügig angelegten Freizeitparks an. Selten zieht es sie an den Strand, denn gebräunte Haut gilt nicht als schick und Schwimmen gehört nicht zu den bevorzugten Freizeitbeschäftigungen. Nur Einzelne werfen sich todesmutig mit einem Schwimmreifen ausgerüstet ins lauwarme Nass.

Das lässt viel Platz für ausländische Besucher. Keiner muss früh aufstehen, um mit seinem Handtuch den Anspruch auf eine Liege am herrlichen Strand zu untermauern. Als "einfach traumhaft" charakterisiert ein Münchner Ehepaar den Strandurlaub in Sanya. "Genau das Richtige, um seine Eindrücke nach einer China-Rundreise zu sortieren und Körper und Seele zu entspannen."

Eine ganze Reihe von Europäern trifft man in der buddhistischen Nanshan-Tempelanlage an, die mit der weltgrössten Guanyin-Statue (ein weiblicher Bodhisattva) aufwartet. Mit 108 Metern überragt sie selbst die Freiheitsstatue in New York. Nicht weit entfernt erinnern heiße Quellen an die vulkanische Vergangenheit der Insel. Geschäftstüchtig hat man den kleinen Pools allerlei chinesische Heilkräuter zugesetzt, die für Arthrose- oder Kreislaufgeschädigte Wunder versprechen.

Im bergigen Inneren der Insel gedeiht ein sattgrüner Tropenwald, durch den sich glasklare Flüsse schlängeln. Dort oben lässt es sich bei moderaten Temperaturen wunderbar wandern oder meditieren, denn auf weiten Strecken trifft man niemanden an. Das sieht im nahen "Betel Nuss Park für Ethnische Minderheiten" schon ganz anders aus. Tausende Touristen werden täglich durch die Anlage geschleust, in der die Angehörigen der Li- oder Miao-Minderheiten eine Statistenrolle spielen. Da sollte man eher ein echtes Dorf besuchen.

Die Redaktion wurde vom Fremdenverkehrsamt Hainan zu der Reise eingeladen.

(RP)
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