1. Leben
  2. Ratgeber

Weihnachtsbaum: Sorten, Tradition, Klimawandel - alles rund um den Tannenbaum

Faszination Christbaum : Das sollten Sie über den beliebten Weihnachtsbaum wissen

Ob Plastikbaum, Nordmanntanne, Kiefer oder Blaufichte: Ohne Weihnachtsbaum wäre das Fest der Liebe für einen Großteil der christlichen Bevölkerung unvorstellbar. Alles rund um den Tannenbaum.

Doch wie kam es zu der Tradition des beleuchteten Nadelbaums an Weihnachten? Woher stammt diese Sitte? Wir gehen der Tradition nach und fördern erstaunliche Fakten zutage.

Geschichte & Ursprung: Wo kommt die Tradition des Weihnachtsbaums her?

Den einen Tag, an dem der Weihnachtsbaum zum Symbol weihnachtlicher Traditionen werden sollte, gibt es nicht. Wir wissen aber zumindest, dass die Ausstattung von Häusern, Wohnungen und Vorhöfen mit Tannenästen auf heidnische Bräuche zurückgeht. Grüne Nadelbaumzweige galten als gesundheitsfördernd, halfen gegen böse Geister und waren ein Zeichen von Fruchtbarkeit. Schon die Römer, aber auch die Germanen legten immergrüne Zweige daher in ihren Wohnhäusern aus. Julfest oder Wintersonnwende waren Feste, an denen die Abkömmlinge eines Baums ausgelegt wurden.

Wahrscheinlich ist der Brauch durch die christlichen Herrscher umgestaltet worden. Denn die katholische Kirche wollte keine wie auch immer gearteten immergrünen heidnischen Zauberzweige in den Häusern der Gläubigen sehen. Die Päpste der ersten Jahrhunderte nach Christus untersagten daher die Verwendung von Lorbeerzweigen und ähnlichem aus der Römerzeit bekannten Waldschmuck. Die Bevölkerung hielt sich allerdings nur mäßig an diese Verbote, zumal Grün für sie die Farbe der Hoffnung darstellte.

Und Hoffnung brauchten die Menschen in Zeiten andauernder Kriege, Hungersnöte und Seuchen mehr als alles andere. Wann aus den grünen Zweigen ganze Bäume wurden, die mit Kerzen und anderem Schmuck ausgestattet wurden, kann man nicht mit Sicherheit sagen. Noch weniger ist der Tag bekannt, an dem der erste Christbaum für Verzückung bei Kindern und Erwachsenen sorgte. Einige prägende Ereignisse liefern allerdings Hinweise darauf, wann der Weihnachtsbaum langsam zur Tradition wurde.

Im Jahr 1419 wurde von der Freiburger Bäckerzunft ein Baum mit allerlei Verzierungen und Naschwerk gestiftet. Ob dieser als ein "echter" Weihnachtsbaum wie wir ihn heute kennen, verstanden wurde, ist allerdings nicht belegt. Ende des 15., Anfang des 16. Jahrhunderts sind mehrere Anschaffungen von Tannen für Gemeinden belegt, die zum Jahreswechsel aufgestellt wurden, der seinerzeit noch mit dem Weihnachtsfest zusammenfiel.

Dass dies durchaus allgemeinen Anklang fand, sich aber negativ auf den Baumbestand auszuwirken schien, belegt ein Salzburger Verbot "betreff des Abhackens des Weihnachtsgrün" von 1525. Dass Martin Luther den Weihnachtsbaum erfunden haben soll, ist hingegen ein Gerücht. Weil Maler Carl-August Schwerdgeburth den berühmten Reformator im 19. Jahrhundert auf einem Bild im Kreise seiner Familie darstellte, die sich am Weihnachtsabend um einen geschmückten Tannenbaum schart, sind viele Menschen auf die Idee gekommen, Luther den Brauch mit dem Baum zuzuschreiben. Das ist allerdings mittlerweile widerlegt worden. Dennoch ist im Jahr 1527 ein "weiennacht baum" in einer Urkunde der Herrscher von Mainz erwähnt worden. Für 1539 ist die Aufstellung eines Weihnachtsbaums im Straßburger Münster erwähnt. Dorothea Sibylle von Schlesien schmückte ihren Weihnachtsbaum bereits nachweislich mit Kerzen.

Ab dem 18. Jahrhundert setzte sich der geschmückte Weihnachtsbaum als Zeichen des Weihnachtsfestes immer mehr durch. Goethe beschreibt in seinem Briefroman "Die Leiden des jungen Werther" einen "aufgeputzten Baum mit Wachslichtern, Zuckerwerk und Äpfeln". Der frühe Christbaum stellte eine Parallele zum biblischen Baum der Erkenntnis her. Zunächst hängen Äpfel an den Zweigen, um die verbotene Frucht im Paradies zu symbolisieren. Lametta und Girlanden stehen stellvertretend für die Schlange. Die Kerzen hingegen bedeuten, dass Besuch willkommen ist, diese Symbolik kennt man auch aus der Adventszeit.

Im 19. Jahrhundert importierten deutsche Einwanderer den aufgeputzten Baum in die USA, wo er nun ebenfalls an Weihnachten nicht mehr wegzudenken ist. Es waren auch die Amerikaner, nämlich die General Electric Company, die im Jahre 1901 die erste elektrische Lichterkette für den Weihnachtsbaum auf den Markt brachten. Start war in Harrison, New Jersey. Von dort aus verbreiteten sich die künstlichen Kerzen rasend schnell um den Globus. Heute ist die Leuchtkette mit elektrischem Licht nicht mehr vom Weihnachtsfest zu trennen. Für den Weihnachtsbaum als solchen gilt das allerdings erst seit der Mitte des 20. Jahrhunderts. Zuvor hatten die Kirchenoberen immer auf die Krippe als Symbol für das Weihnachtsfest, das ja an Jesu Geburt , erinnere, hingewiesen. Doch irgendwann konnte man sich dem beliebten Brauchtum gegenüber nicht mehr verschließen. 1982 ließ Papst Johannes Paul II. einen großen Tannenbaum auf dem Petersplatz aufstellen und schmücken. Seitdem gilt die einstmals eher deutsche Tradition weltweit als christliches Brauchtum zu Weihnachten.

Welche Tannen eignen sich als Weihnachtsbäume?

Natürlich sind die Geschmäcker verschieden. Aber einige Tannenbäume haben sich als Favoriten durchgesetzt, während andere eher ein Schattendasein führen.

  • Nordmanntanne

In Deutschland sind vor allem Nordmanntannen beliebte Weihnachtsbäume. Ihre Buschigkeit und Dichte macht die Bäume ebenso attraktiv wie ihre Stabilität und kraftvolle Farbgebung. Bei guter Bewässerung hält die Tanne viele Tage, ohne zu nadeln und trägt auch schweren Christbaumschmuck, ohne darunter zu wanken.

  • Edeltanne

Die Edeltanne mit ihren dicken, aber weichen Nadeln lässt sich gerne streicheln, denn ihre Nadeln stechen nicht, weshalb man sie auch besonders gut transportieren kann. Sie ist sehr widerstandsfähig und überlebt auch bei Zimmertemperaturen extrem lange.

  • Fichte

Fichten, die zu Weihnachtsbäumen umfunktioniert werden, sollten erst kurz bevor sie aufgestellt werden, geschlagen worden sein. Sie sind dafür günstig in der Anschaffung, verlieren ihre Nadeln aber auch schnell wieder.

  • Rotfichte

Sie gehört zu den in Deutschland am häufigsten vorkommenden Baumarten. Mit ihren kurzen Ästen, an denen sich spitze, stechende Nadeln befinden, ist sie nicht gerade beliebt, bei denen, die sie aufstellen müssen. Zudem wird es schwierig, sie zu schmücken, da die Äste sich nicht wirklich dafür eignen. Dafür ist die Rotfichte günstig in der Anschaffung.

  • Blaufichte

Der edelste Tannenbaum unter den Fichten ist die Blaufichte. Ihre bläulich schimmernden und stechenden Nadeln, sind für ihren Namen verantwortlich. Im Vergleich zu anderen Fichten ist sie zwar etwas teurer, überzeugt aber auch mit dickeren Ästen. Dennoch ist auch ihre Haltbarkeit auf zwei bis drei Wochen begrenzt.

  • Kiefer

Weniger gut geeignet sind Kiefern, denn aufgrund ihres langen und buschigen Nadelbewuchses sind sie schwieriger zu schmücken als vergleichbare Nadelbäume.

  • Colorado-Tanne

Edel, selten, teuer - diese Eigenschaften passen zu dieser Tanne, deren Nadeln schön silbern schimmern und die einen charakteristischen Zitrusduft verströmt.

Woran erkenne ich, ob der Weihnachtsbaum beim Kauf frisch ist?

Ob der Weihnachtsbaum frisch ist oder schon seit Tagen in einer Ecke vor sich hin welkt, erkennt man an einigen klaren Zeichen. So sollte die Schnittstelle hell sein. Auch heraustropfendes Harz ist ein gutes Zeichen. Zudem sollten die Nadeln glänzen und einen kräftigen Farbton besitzen. Sollte der Tannenbaum hingegen schon bei der ersten Berührung vor "Schreck" viele Nadeln abwerfen, ist eher Vorsicht geboten.

Wie bleibt der Weihnachtsbaum lange frisch?

Geschlagene Tannenbäume mögen es gern kühl und schattig. Daher sollte man den frisch erworbenen Christbaum auch nicht umgehend ins beheizte Wohnzimmer stellen, wenn es noch ein paar Tage bis zum Heiligen Abend sind. Keller, Balkon, Garage oder ein schattiger, aber frostfreier Platz im Garten bieten sich zur kurzen Zwischenlagerung an. Auch sollte man unbedingt darauf achten, den Stamm des Baumes entweder in eine Topf mit feuchter Erde oder in ein mit Wasser gefülltes Behältnis zu stellen.

Was symbolisiert der Weihnachtsbaum?

Ursprünglich symbolisierte der Christbaum den Baum der Erkenntnis und wies auf die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies hin. Deshalb hängte man auch rote Früchte als Christschmuck an den Tannenbaum, der den Baum der Erkenntnis aus der Bibel darstellen sollte. Um ihn mit Christi Geburt und der Erlösung der Menschen durch seinen Tod am Kreuz in Verbindung zu bringen, wurde der Weihnachtsbaum in früheren Zeiten manchmal mit Dornenkronen oder Essigschwämmen versehen, um auf Jesu Leiden hinzuweisen. Allerdings symbolisiert er auch die Ankunft Jesu, denn die grünen Zweige stehen für neues Leben. Die Kerzen am Baum bedeuten einerseits Hoffnung auf den Sieg des Lichts über die Finsternis sowie die willkommene Ankunft des Erlösers. Rein praktisch wurde der Tannenbaum zum Christbaum, weil man auf einen Baum zurückgreifen musste, der am 24. Dezember noch grün ist. Die Nadelhölzer aus den europäischen Wäldern eigneten sich auch aufgrund ihres großen Bestandes dazu besser als so manch verwandtes Gewächs.

Aus welchen Ländern kommen die meisten Weihnachtsbäume?

Rund 30 Millionen Weihnachtsbäume stehen jedes Jahr in deutschen Wohnzimmern. Das bedeutet, dass man ganzjährig für Nachschub sorgen muss. Der größte Teil der hiesigen Weihnachtsbäume wird auf speziell dafür angelegten Flächen im Wald angepflanzt. Die meisten in Deutschland verkauften Weihnachtsbäume sind Nadelhölzer aus dem Sauerland, Niedersachsen oder Schleswig-Holstein. Aber auch unser nördlicher Nachbar Dänemark liefert Jahr für Jahr mehr als zwei Millionen Tannenbäume nach Deutschland. Weitere Länder, die für den Nachschub des beliebten Christbaums sorgen, sind Polen, Niederlande, Slowakei, Ungarn, Kroatien, Großbritannien, Tschechien, Belgien, Schweiz oder Ukraine Verglichen mit Dänemark liefern diese Länder allerdings verschwindend wenige Tannenbäume nach Deutschland und kommen zusammen nicht einmal auf 150.000 Exemplare

Wo stehen die größten Weihnachtsbäume auf öffentlichen Plätzen?

Nicht immer sind die Baumriesen natürlichen Ursprungs. Auch künstliche Weihnachtsbäume haben seit Jahren Tradition. Doch echte Bäume sind auch in öffentlichen Bereichen immer noch hoch im Kurs. In Frankfurt wird in jedem Jahr vor dem Römer ein gigantischer Baum aufgestellt. Er ist 34 Meter hoch und wiegt an die acht Tonnen. In Rheinfelden-Eichsel ist ein um zweieinhalb Meter höherer Tannenbaum aufgestellt, der von 13.000 Lichtern beleuchtet wird. Ein aus 1700 Fichten zusammengebauter riesiger Weihnachtsbaum steht auf dem Hansaplatz in Dortmund. Auf seiner Spitze thront ein 200 Kilo schwerer Engel.

Allerdings gab es im Laufe der Zeit schon einige historische Exemplare von Christbäumen, die Rekordhöhen erreichten. Der immer noch größte "Baum" der Welt ist der "Albero die natale" in Gubbio/Umbrien. Doch eigentlich ist der 450 Meter hohe Koloss gar kein Baum, sondern eine riesige Lichtinstallation, die sich auf einer Fläche von 1000 Quadratmetern vom Tal bis zum Gipfel des Berges erstreckt und seit 1991 weithin sichtbar auf die Weihnachtszeit einstimmt. Ein weiterer künstlicher Gigant wurde 2011 aus Stahl auf dem Wasser in Rio de Janeiro konstruiert und war 85 Meter hoch.

Sehr viel kleiner, aber ungleich berühmter ist der 25 Meter hohe Christbaum am Rockefeller Center in New York. Er ist der Star in unzähligen Filmen und ein echter Touristenmagnet. Ebenfalls in den USA befindet sich der National Christmas Tree, ein Weihnachtsbaum im Ellipse-Park vor dem Weißen Haus, dessen Beleuchtung traditionell vom US-Präsidenten persönlich eingeschaltet wird. Weitere berühmte große Bäume stehen auf dem Petersplatz in Rom oder auf dem Trafalgar Square in London.

Weihnachtsbaum und Klimawandel: Muss man sich für seinen Weihnachtsbaum schämen?

Nein, schämen muss man sich nicht. Aber auf Nachhaltigkeit darf man beim Weihnachtsbaum-Kauf schon achten. Wie bei fast allen Konsumgütern ist das Thema Klimabelastung ein zweischneidiges Schwert. Da die Weihnachtsbäume zumeist nicht im Wald geschlagen, sondern auf Plantagen gezüchtet werden, müssen zwar die natürlichen Bestände weniger leiden als bei manch anderer Produktgewinnung. Aber die Tannenbaum-Plantagen wirken sich dennoch schädlich auf das Klima aus. "Von den rund 30 Millionen in Deutschland verkauften Weihnachtsbäumen kommen gut 90 Prozent auch aus Deutschland - allerdings meistens aus eigens angelegten Weihnachtsbaumkulturen. Auf den Plantagen wird in der Regel kräftig gespritzt und gedüngt: Insektizide gegen Rüsselkäfer und Läuse, Herbizide gegen konkurrierendes Gewächs und Mineraldünger für einen gleichmäßigen Wuchs und für eine intensive Grün- und Blaufärbung der Nadeln", meldet beispielsweise der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU).

Doch auch der NABU verlangt nicht von den Familien, die sich auf das Weihnachtsfest freuen, dass sie künftig auf Christbäume verzichten müssen, die längst Teil ihres Lebens geworden sind. Denn auch Tannenbäume, die unter Strom- oder Leitungstrassen, also auf sogenannten Sonderflächen, wachsen, können das Weihnachtsfest zu einem stimmungsvollen Ereignis machen. "Die Flächen sind Teil der regionalen Forstbetriebe und bei Interesse kann man einfach beim Förster oder Forstamt nachfragen. Die dort gekauften Weihnachtsbäume sind eine gute Alternative zu stark gespritzten und gedüngten Weihnachtsbaumplantagen. Auch der kurze Transportweg wirkt sich positiv auf die Ökobilanz der Bäume aus und sie können ohne schlechtes Gewissen gekauft werden. Oft gibt es auch Aktionen, bei denen man den Baum selbst aussuchen und absägen kann: ein Naturerlebnis für Groß und Klein", so die Organisation. Das beliebte "Weihnachtsbaumschlagen" wird von diversen Firmen auch als Event angeboten.