Serie Vorsorge (11/11) Bloß nicht 123456!

Serie | Düsseldorf · Immer häufiger muss man im Internet Nutzerkonten erstellen und sich mit einem Kennwort registrieren. Um nicht den Überblick zu verlieren, verwenden viele Passwörter dafür mehrmals. Das ist gefährlich. Ein Passwort-Manager kann helfen.

 Diese Kombinationen verwenden Nutzer bei Passwörtern angeblich besonders häufig.

Diese Kombinationen verwenden Nutzer bei Passwörtern angeblich besonders häufig.

Foto: Schnettler

123456 kommt als Passwort aus der Mode, „Passwort“ auch. Glaubt man den jährlichen Studien, die der E-Mail-Anbieter Web.de veröffentlicht, nutzen die Deutschen inzwischen häufiger Kombinationen aus Groß- und Kleinbuchstaben sowie Zahlen und Sonderzeichen als Passwörter, wenn sie im Internet unterwegs sind. Seit Jahren gehören 123456 und Co. zu den beliebtesten Passwörtern, aber eben auch zu den unsichersten.

Doch viele Cyber-Kriminelle haben es immer noch leicht, Online-Konten zu knacken und Datendiebstahl zu begehen. Schuld daran ist die Bequemlichkeit vieler Nutzer. Obwohl viele bei mehr als 20 Seiten ein Konto mit Passwort erstellt haben, nutzen laut der Web.de-Studie mehr als 60 Prozent der Befragten bei verschiedenen Angeboten die gleichen Passwörter – wohl auch, um sie nicht zu vergessen. Denn ein Drittel der Befragten setzt laut Web.de auf den „Passwortsafe im Kopf“.

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Dabei gibt es gute Alternativen zum eigenen Gedächtnis. Natürlich lassen sich Passwörter auch auf Zettel notieren oder in einer Liste auf der Festplatte des eigenen Computers ablegen. Komfortabler und sicherer ist jedoch die Nutzung von spezieller Passwort-Manager-Software. Diese erstellt extrem sichere und schwer knackbare Passwörter, während sich Nutzer gleichzeitig nicht mehr zig verschiedene Buchstaben-Zahlen-Sonderzeichen-Kombinationen für diverse Internetseiten und Nutzerkonten merken müssen, sondern nur noch ein sogenanntes Master-Passwort.

Zwar gibt es inzwischen auch in vielen Internetbrowsern und auf Mobilgeräten die Möglichkeit, Passwörter zu speichern. So lassen sich etwa bei Apples iPhone Passwörter einfach hinterlegen. Der Nutzer kann die Gesichtserkennung nutzen, anstatt ein Passwort einzugeben. Nachteil: Sollte die Gesichtserkennung mal nicht funktionieren oder ein Dritter (etwa Hinterbliebene) die Geräte bedienen wollen, werden die Passwörter doch wieder benötigt.

Die Stiftung Warentest, die im vergangenen Jahr Passwort-Manager getestet hat, hat daher auf eine Bewertung dieser Lösung verzichtet. Im Portal Chip.de landet die Browser-Lösung in einem aktuellen Test auf den letzten Plätzen wegen des eingeschränkten Funktionsumfangs.

Sowohl bei Stiftung Warentest (Platz 2) als auch bei Chip (Platz 1) schnitt der Passwort-Manager 1Password von Agile Bits besonders gut ab. Das Programm kostet rund 30 Euro im Jahr. Gelobt wird unter anderem die einfache Bedienung. Zum Testsieger kürte Stiftung Warentest im vergangenen Jahr Keeper von Keeper Security (rund 40 Euro pro Jahr). Chip überzeugte auch noch Lastpass Premium (rund 35 Euro jährlich). Alle Programme lassen sich vorab kostenlos ausprobieren.

Wer sich für einen Passwort-Manager entscheidet, sollte anschließend darauf achten, dass es sich bei dem für den Passwort-Manager gewählten Master-Passwort um eine besonders sichere Variante handelt. Empfehlenswert ist eine Kombination aus mindestens 20 verschiedenen Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen. Wer Angst hat, das Master-Passwort zu vergessen, kann dieses auch auf einem Zettel notieren und an einem sicheren Ort aufbewahren. Wenn möglich, sollte man auch die Option zur Zwei-Faktor-Authentifizierung nutzen, um zusätzliche Sicherheit zu schaffen.

Sinnvoll kann auch sein, einen Vertrauten über dieses Passwort und dessen Aufbewahrungsort aufzuklären, damit Angehörige im Falle des Todes oder bei Unglücksfällen Zugriff auf die Konten haben, um beispielsweise Abonnements zu kündigen oder Profile in sozialen Netzwerken zu deaktivieren. Theoretisch ist dies auch mit einem Erbschein als Angehöriger möglich, doch die Prozesse dabei sind oft äußerst umständlich und langwierig.

Dies war der elfte und letzte Teil unserer Vorsorge-Serie. Alle Texte der Serie sowie weiterführende Links auf:
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