LinkedIn, Instagram und Co. So regeln Sie Ihr digitales Erbe

Service | Düsseldorf · Verstorbene hinterlassen nicht nur Geld, Möbel oder Schmuck, sondern auch Nutzerkonten in den sozialen Medien, Online-Banking-Zugänge und viele weitere Daten im Internet. Was man dazu wissen muss.

Bei Facebook lassen sich die Nutzerkonten Verstorbener in einen sogenannten Gedenkzustand versetzen.

Bei Facebook lassen sich die Nutzerkonten Verstorbener in einen sogenannten Gedenkzustand versetzen.

Foto: dpa-tmn/Sebastian Willnow

Wenn man bei X nach Dirk Bach oder Frank Schirrmacher sucht, findet man ihre Accounts sofort. Komiker Bach grinst auf seinem Profilfoto seitlich in die Kamera, Schirrmachers Lächeln ist eher zurückhaltend. Der ehemalige Mitherausgeber der FAZ trägt ein Sakko und Hemd, gibt sich auf seinem Profil seriös. Er hat noch immer rund 30.000 Follower, darunter Anne Will und „Die Zeit“, bei Bach sind es rund 8000. Auffällig ist bloß: Beide haben schon seit vielen Jahren keinen Beitrag mehr gepostet. Schirrmachers letzter Tweet stammt vom 11. Juni 2014, Bachs vom 2. Juli 2009.

Das liegt daran, dass beide Männer bereits tot sind. Dirk Bach starb 2012 wahrscheinlich an Herzversagen in seinem Hotelzimmer, Schirrmacher erlag 2014 einem Herzinfarkt. Doch auf X leben sie einfach weiter. Da über ihren Tod viel berichtet wurde, irritiert das wahrscheinlich die wenigsten. Für Angehörige kann es aber sehr aufwühlend sein, wenn sie ihre geliebten verstorbenen Menschen auf den sozialen Medien wiederfinden, als wäre nichts geschehen. Nicht nur deshalb ist es sinnvoll, rechtzeitig den digitalen Nachlass zu regeln.

Nachlassverwalter festlegen Am besten überlegt man sich frühzeitig, wer den digitalen Nachlass nach dem eigenen Tod verwalten soll. Im Idealfall ist das eine langjährige Vertrauensperson, bei der man davon ausgeht, dass sie einem auch über die kommenden Jahre gewogen bleibt. Es kann ein Erbe sein, muss aber nicht. Von kommerziellen Anbietern rät Christine Steffen, Juristin der Verbraucherzentrale NRW, allerdings ab – man wisse ja nicht, ob die nach dem eigenen Tod überhaupt noch existierten. Außerdem könnten die Daten an unbefugte Dritte gelangen. Sinnvoll sei ein Unternehmen als Nachlassverwalter nur, wenn der Verstorbene keine Angaben zu seinem digitalen Erbe gemacht habe. Dann könne es helfen, alle vorhandenen Accounts zu recherchieren.

Vollmacht ausstellen Wenn man einen Nachlassverwalter bestimmt hat, stellt man ihm oder ihr eine Vollmacht aus. Darin kann man auch verfügen, dass der- oder diejenige schon zu Lebzeiten handeln darf, falls man selbst nicht mehr in der Lage dazu sein sollte. Außerdem dürfen Unterschrift, Datum und der Hinweis „Über den Tod hinaus“ nicht fehlen – sonst ist sie posthum nicht mehr gültig. Mustervorlagen gibt es auf der Internetseite der Verbraucherzentrale. Am besten macht man eine Kopie und heftet sie ab. Endgültig muss all das aber nicht sein: „Es ist möglich, die Vollmacht zu widerrufen und eine andere Person auszuwählen. Das muss schriftlich geschehen“, sagt Juristin Steffen. Bestenfalls lässt man sich die alte Vollmacht von der ehemals festgelegten Person aushändigen – so kann es nicht zu Missverständnissen kommen.

Liste anlegen Um eine Übersicht über alle Streaming-Accounts, Online-Banking-Zugänge und Social-Media-Konten zu erhalten, sollte man eine Liste mit allen Passwörtern führen und regelmäßig aktualisieren. Darauf sollte man auch notieren, was mit den Konten passieren soll – Soll der Nachlassverwalter diese löschen? Oder sollen die Zugangsdaten an Erben weitergegeben werden? Anlegen kann man das Ganze analog mit Zettel und Stift, aber auch digital – zum Beispiel mit einem Passwort-Manager. Stiftung Warentest hat vor einem Jahr 16 getestet und empfiehlt 1Password (38 Euro pro Jahr) und Dashlane (53 Euro pro Jahr). Bitwarden schnitt ebenfalls gut ab und ist mit neun Euro deutlich günstiger. Allerdings stellte Stiftung Warentest hier Mängel in der Datenschutzerklärung fest.

Sicheren Ort finden Die Liste kann man gut in einem Tresor oder Bankschließfach verstauen – auch, wenn sie auf einem USB-Stick abgespeichert ist. Allerdings gibt es einen Haken: „Eine solche Übersicht kann noch so gut versteckt sein – wenn sie am Ende nicht aktuell ist, bringt sie keinem etwas“, sagt Steffen. Das heißt, man muss sie regelmäßig herausholen, um deaktivierte Accounts zu streichen und neue hinzuzufügen. Je weiter das Schließfach also entfernt ist, desto aufwendiger. Und ganz wichtig: Teilen Sie den Ort sowie die Zugangsdaten zum USB-Stick unbedingt dem Nachlassverwalter mit.

Accounts prüfen Bei manchen Diensten wie Google oder Facebook kann man schon jetzt festlegen, was nach dem Tod mit dem Nutzerkonto geschehen soll. In den Einstellungen gibt es die Möglichkeit, Personen als Nachlasskontakte zu bestimmen. Facebook versetzt Profile auf Wunsch sogar in einen Gedenkstatus, genauso wie Instagram oder LinkedIn. Alternativ können Familienangehörige nach dem Tod veranlassen, das Profil löschen zu lassen. Bei Instagram müssen sie dafür eine Geburtsurkunde, die Todesfallbescheinigung sowie einen rechtlichen Nachweis vorlegen, dass sie die rechtskräftigen Vertreter der Erben sind. Auf dem Kurznachrichtendienst X füllt man einen Antrag aus, um das Konto der verstorbenen Person deaktivieren zu lassen. Zusätzlich muss man eine Pass- oder ID-Kopie und die Todesfallbescheinigung online einreichen. Und bei Tiktok kann bislang eigentlich nur der Nutzer oder die Nutzerin selbst das Profil löschen. Mit den Zugangsdaten ist das aber auch für den Nachlassverwalter kein Problem.

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