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Das sind die Aufsteiger und Aussteiger des Jahres

Von Jeff Bezos bis Paul Achleitner : Das sind die Aufsteiger und Aussteiger des Jahres

Der eine Manager gerät ins Visier der Justiz, ein anderer bringt seine Idee an die Börse: das Jahr 2021 hat auch in der Wirtschaft Misserfolge und Erfolge gebracht. Wir zeigen, für wen es bergauf ging – und für wen nicht.

  • Aufsteiger

Auf den Spuren Jens Weidmanns

Joachim Nagel (55) galt nicht als Topfavorit auf den Posten des Bundesbank-Präsidenten. Doch am Ende bekam er gegenüber Konkurrent(inn)en wie Isabel Schnabel, Claudia Buch und Jörn Kukies den Vorzug. Der neue Mann hat ein SPD-Parteibuch und jede Menge Erfahrung als Bundesbanker. Was man sich wünschen würde: Dass Nagel wie sein Vorgänger Jens Weidmann immer wieder versucht, den Blick der europäischen Zentralbank (EZB) stärker auf die Preisstabilität zu richten. Ob das die Regierung will, ist indes eine andere Frage. Die wünscht sich angeblich mehr Flexibilität und einen andere Kommunikation mit der EZB als unter Weidmann.

Geschickter Seitenwechsler

Frank Appel hat den Übergang schlau in die Wege geleitet. Anderthalb Jahre, bevor der 60-Jährige den Chefposten bei der Post abgibt, hat er sich schon den Aufsichtsratsvorsitz der Telekom gesichert. Dort fängt er zwar schon im Frühjahr an, aber zeitweilige Doppelbelastungen hat der frühere Berater schon oft weggesteckt. Für Appel hat die Rochade zwei Vorteile: Er hat mehr Zeit für Aktivitäten jenseits des Jobs, nachdem er die Post 15 Jahre lang leitete. Gleichzeitig bleibt er als Aufsichtsratschef des größten Telefonkonzerns Europas auf der Einladungsliste für spannende Veranstaltungen wie dem Weltwirtschaftsforum in Davos, an dem er seit Jahren teilnimmt.

Finanzmanagerin des Jahres

Melanie Kreis kann mit Zahlen exzellent umgehen, mit Menschen auch – kein Wunder, dass sie im November die Auszeichnung als Finanzvorstand des Jahres erhielt. Die Physikerin hat als Finanzvorständin der Deutschen Post die Schulden niedrig gehalten und die weitere Expansion ermöglicht. Quartalszahlen präsentiert sie oft ohne Vorstandschef, ungewöhnlich für einen Großkonzern. Mancher hätte die 50-Jährige gerne als Vorstandsvorsitzende gesehen, wenn Frank Appel 2023  aufhört, doch Kreis bleibt Finanzchefin. Intern hat die in Bonn aufgewachsene Mutter von zwei Töchtern gesagt, das entspräche eher ihrer Lebensplanung.

Die Gegenspielerin des VW-Chefs

Daniela Cavallo (46) wirkte zunächst wie der Gegenentwurf zum langjährigen VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh, der sich oft polternd und selbstbewusst als eine Art Co-Vorstandschef inszenierte. Insofern wurde mit Spannung erwartet, wie die 46-Jährige auftreten würde, nachdem sie Osterloh an der Spitze des Gesamtbetriebsrats von Europas größtem Autobauer im Mai ablöste. Die Antwort folgte recht zügig, denn VW-Chef Herbert Diess gelang es, sich in kürzester Zeit auch die Osterloh-Nachfolgerin zur Gegnerin zu machen, indem er laut über Entlassungen spekulierte. Cavallo wurde laut – und Diess konnte seinen Rauswurf gerade noch abwenden.

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Börsendebüt für den Hörspielwürfel

Patric Faßbender (48) hat sich über die zerkratzten CDs im Kinderzimmer geärgert – und sich dann eine Lösung überlegt: die Toniebox. Der Lautsprecher-Würfel, auf den man Hörspiel-Figuren stellen kann, wurde ein riesiger Erfolg. Gemeinsam mit Mitgründer Marcus Stahl hat Faßbender das Düsseldorfer Unternehmen Boxine aufgebaut und 2021 per Spac an die Börse gebracht. Dabei wird zunächst eine Firmenhülle (“Spac“) an die Börse gebracht, die dann eine andere Firma aufkauft und ihr zu einem Marktdebüt im Schnelldurchgang verhilft. An der Börse ist die Tonies SE, wie das Unternehmen jetzt heißt, inzwischen 1,2 Milliarden Euro wert.

Managerin für die Kohle der Zukunft

Sopna Sury (47) gehört zu den wenigen Frauen, die es in der Energiewirtschaft nach ganz oben geschafft haben. Seit Februar ist die Managerin mit indischen Wurzeln bei der RWE-Kraftwerkstochter Generation im Vorstand für Wasserstoff zuständig. Das Gas soll zur Kohle des Erneuerbare-Energien-Zeitalters werden und Stahl wie Chemie beim klimafreundlichen Umbau helfen. Sury, deren Vater in den 50er Jahren nach Deutschland kam, wuchs in Neuss auf und startete ihre Karriere bei der Beratungsfirma McKinsey. 2011 kam sie zu Eon, über Uniper dann zu RWE. Nun will Sury mit dafür sorgen, dass das Ruhrgebiet zum Gewinner der Wasserstoffwende wird.

  • Aussteiger

Zwei CEO-Posten sind einer zu viel

Jack Dorsey startete 2006 den Kurznachrichtendienst Twitter mit den Worten: „Just setting up my twttr“, zog sich zeitweise zurück, kam als Vorstandschef wieder und verkündete im November den endgültigen Ausstieg. Logischerweise teilte er dies per Tweet mit. Dorseys Hauptverdienst war, dass Twitter den damaligen US-Präsidenten Donald Trump von der Plattform ausschloss, nachdem dieser den gewalttätigen Sturm auf das US-Capitol am 6. Januar angefeuert hatte. Arbeitslos ist der 45-jährige Dorsey nicht: Er leitet weiter das milliardenschwere, von ihm ebenfalls gegründete Payment-Unternehmen Block.

Geplatzte Träume bei Curevac

Franz-Werner Haas (52) übernahm im August 2020 das Ruder bei Curevac.Da war die Hoffnung groß, dass die Firma, deren Gründer die mRNA-Technologie mit entwickelt hatten, beim Corona-Impfstoff vorn mit spielt. Ein Jahr später war die Hoffnung verflogen: Klinische Studien ergaben nur eine Wirksamkeit von 48 Prozent, viel weniger als bei  Biontech und Moderna. Zunächst versuchte Haas, die Lage schön zu reden, doch im Herbst zog Curevac die Reißleine und den Impfstoff-Kandidaten zurück. Nun versucht man sich an einem Vakzin der neuen Generation. Haas selbst kann sich trotz des Flops halten.

Der Architekt des Monsanto-Deals

Liam Condon (53) war einer der Macher des Monsanto-Deals. Der Bayer-Vorstand für Agrochemie verlässt den Leverkusener Konzern zum Jahresende, „um Karrieremöglichkeiten außerhalb von Bayer zu verfolgen“, wie es hieß. Condon war für die Monsanto-Integration zuständig. Wäre das Kalkül aufgegangen und der Deal ein Erfolg geworden, wäre der Ire ein Kandidat für den Chefposten gewesen. Doch bis heute belasten die Glyphosat-Klagen den Konzern. Nachfolger von Condon, der im Konzern beliebt war, wird Rodrigo Santos, dessen Büro in St. Louis ist. Condon wird nicht in Rente gehen. Man darf gespannt sein.

Der ungeliebte Chefkontrolleur

Paul Achleitner (65) schien  als Aufsichtsratschef der Deutschen Bank zunächst unantastbar. Doch mit steigender Problemfülle im größten deutschen Bankhaus wuchsen auch die Zweifel an der Arbeit des obersten Aufsehers. Sie geipfelten in dem Vorwurf, Achleitner habe die Suche nach einem neuen Vorstandschef dilettantisch betrieben. Irgendwann hatten angeblich auch die Großaktionäre aus Katar genug vom Chefkontrolleurund begaben sich selbst auf die Suche nach einem Nachfolger. An die Stelle des noch amtierenden Aufsichtsratschefs rückt 2022 der Niederländer Alexander Wynaendts.

Mr. Amazon tritt ab

Jeff Bezos (57) ist nicht mehr der reichste Mann der Welt – und nicht mehr Amazon-Chef. Ein Absteiger ist er deswegen aber natürlich nicht, wohl eher ein Aussteiger. Denn mit einem Vermögen von mehr als 200 Milliarden Dollar muss sich Bezos um seine Rente keine Gedanken machen – und auch ohne den Chefposten beim größten Online-Händler der Welt dürfte ihm nicht langweilig werden. Immerhin betreibt er mit Blue Origin auch noch ein Raumfahrt-Unternehmen. Bei Amazon ist nun Andy Jassy verantwortlich, als Vorsitzender des Verwaltungsrats zieht Bezos aber im Hintergrund die Fäden.

Der Abgasskandal erreicht Continental

Wolfgang Schäfer (62) hat mehr als zehn Jahre lang die Finanzen beim Autozulieferer Continental geregelt – bevor er völlig überraschend im November gefeuert wurde. Inzwischen ist klar, wieso: Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen Schäfer und andere ehemalige Manager des Konzerns. Die Vorwürfe haben es in sich: Beihilfe zum Betrug, Untreue und vorsätzliche Verletzung der Aufsichtspflichten. Es geht, natürlich, um den Abgas-Skandal, der die Automobilbranche seit Jahren beschäftigt. Eigentlich hatte Schäfer noch einen Vertrag bis 2024. Stattdessen hat seinen Job nun Katja Dürrfeld übernommen.