Schreiben genau prüfen: Vorsicht: Inkasso-Büros brauchen Zulassung

Schreiben genau prüfen : Vorsicht: Inkasso-Büros brauchen Zulassung

Berlin/Hamburg (rpo). Wer seine Rechnungen nicht bezahlt, läuft Gefahr irgendwann einmal ein Schreiben von einem Inkasso-Büro zu erhalten. In solch einem Fall sollten Verbraucher einen kühlen Kopf bewahren und zunächst die Seriosität des Büros prüfen. Denn Inkasso-Büros benötigen eine spezielle Zulassung.

Inkasso-Unternehmen benötigen für ihre Arbeit eine Zulassung vom Präsidenten des zuständigen Land- oder Amtsgerichts, erläutert Peter Lischke, Geldexperte der Verbraucherzentrale Berlin. Ob ein Unternehmen diese Zulassung besitzt, gehe aus dem Briefkopf oder -fuß hervor. "Ist die Inkasso-Firma nicht zugelassen, kann man das Schreiben schon mal beiseite legen", sagt Lischke.

Aus dem Anschreiben sollte außerdem hervorgehen, welche Adresse und welche Gesellschaftsform das Unternehmen hat sowie wer der Geschäftsführer ist, erklärt Marion Kremer, Pressesprecherin des Bundesverbands Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) in Hamburg. Wenn Zweifel an der Seriosität bestehen, sei es ratsam, sich beim zuständigen Amts- oder Landgericht nach der Firma zu erkundigen.

Kremer zufolge muss die Mahnung detailliert darüber informieren, welche fällige Summe eigentlich eingefordert wird. Es reiche nicht, zum Beispiel einfach die Zahlung von 500 Euro zu verlangen. Es müsse sich dem Angeschriebenen erschließen, um welche offene Rechnung es sich handelt, damit sich prüfen lässt, ob die Forderung überhaupt berechtigt ist. "Ist das nicht klar, sollte man Aufklärung verlangen", empfiehlt Lischke.

Für das Einfordern ausstehender Rechnungsbeträge verlangen die Inkasso-Firmen zusätzlich Geld von den säumigen Zahlern. Wie hoch die Inkasso-Gebühr ausfällt, ist Ermessenssache. Allerdings muss die Gebühr in einem vernünftigen Verhältnis zum Streitwert liegen. Bei einer offenen Rechnung von 50 Euro kann es durchaus gerechtfertigt sein, 20 Euro Gebühren zu verlangen, sagt Lischke. "Es gibt bei uns keine Gebührentabellen wie bei Rechtsanwälten", erklärt Marion Kremer. Die Mitglieder des Verbandes haben sich jedoch verpflichtet, nicht mehr als das 1,5-fache vergleichbarer Rechtsanwaltsgebühren zu verlangen.

Nur unseriöse Inkasso-Büros arbeiten mit Drohungen. Dann heißt es beispielsweise: "Wenn Sie nicht innerhalb einer Woche zahlen, erscheinen wir persönlich bei Ihnen". "Man sollte sich da nicht unter Druck setzen lassen", rät Marion Kremer. Den Verweis darauf, dass sich das Inkasso-Büro rechtliche Schritte vorbehält, sehe sie jedoch nicht als Drohung: "Das ist ganz normal."

Wer sich dennoch von einer Inkasso-Firma ungerecht behandelt fühlt, kann sich an die Verbraucherzentralen oder unter der Telefonnummer 040/280 82 60 an den BDIU wenden.

(gms)