Wirrwarr durchsteigen Was Kassen-Wahltarife bringen

Düsseldorf (RP). Seit dem 1. April locken die Krankenkassen mit einem Wirrwarr von Selbstbehalt- und Kostenerstattungs-Tarifen. Wer sparen will, sollte aber den Beitrag nicht aus den Augen verlieren.

Wer gesund ist, zahlt weniger an seine Krankenkasse. Das ist seit dem 1. April möglich. Seitdem versuchen die Krankenkassen, vor allem ihre gut verdienenden Mitglieder mit Wahltarifen an sich zu binden. Was ist für wen geeignet?

Für Gesunde: Wer sportlich ist, gesund lebt und daher kaum zum Arzt geht, sollte sich den Selbstbehalt-Tarif ansehen. Dabei verpflichtet sich der Versicherte, einen Teil der Behandlungskosten selbst zu tragen. Im Gegenzug zahlt die Kasse ihm eine Prämie. Meist gilt: Je höher das Einkommen, desto höher die Prämie. Wer brutto etwa über 42.000 Euro im Jahr verdient, erhält von der AOK Rheinland 540 Euro, falls er (außer zur Vorsorge) nicht zum Arzt geht. Muss der Versicherte dann doch zum Arzt und etwas verordnet bekommen, gibt's keine Prämie, und er muss 120 Euro der Behandlungskosten selbst tragen. Wer weniger als 12.000 Euro im Jahr verdient, bekommt nur eine Prämie von 40 Euro, riskiert aber auch nur 80 Euro selbst zu tragen.

Das Risiko ist also überschaubar, genau wie bei der Barmer. Dort können alle Versicherten, die sich verpflichten, die ersten 150 Euro ihrer Kosten selbst zu zahlen, 100 Euro im Jahr erhalten. Für freiwillig Versicherte gibt es höhere Selbstbehalte und Prämien. Bei der Techniker Kasse gibt es bis zu 600 Euro pro Jahr zurück. Allerdings verpflichtet sich der Versicherte dann, bis zu 960 Euro selbst zu tragen.

Für Chronisch Kranke: Wer an Diabetes, Brustkrebs, koronaren Herzkrankheiten oder bestimmten Atemwegserkrankungen wie Asthma leidet, ist bei den Chroniker-Programmen (Disease Management Programmen, DMP) gut aufgehoben. Damit sind regelmäßige Besuche bei bestimmten Ärzten verbunden. Zur Belohnung zahlen die Kassen den Versicherten auch hier eine Prämie. Bei der Techniker Kasse etwa gibt es 100 Euro pro Jahr.

Für Gutverdiener: Wer als Kassenpatient etwa in den Genuss der Privatpatienten-Privilegien kommen will, kann den Kostenerstattungs-Tarif wählen. Der Versicherte lässt sich dabei nicht auf Chipkarte behandeln, sondern erhält wie ein Privatpatient eine Rechnung vom Arzt.

Vorteil: Weil der Arzt einen erhöhten Satz abrechnen darf, behandelt er den Kassen- möglicherweise so zuvorkommend wie einen Privatpatienten. Nachteil: Die Kasse, die den Ärzten erhöhte Sätze zahlt, wird dafür einen Zusatzbeitrag vom Patienten verlangen. Dieser Tarif lohnt sich also nur für (gut verdienende) Patienten, die bereit sind, für eine bevorzugte Behandlung mehr Geld zu bezahlen.

Für Homöopathie-Fans: Seit 2004 übernehmen Kassen keine homöopathischen oder anthroposophischen Arzneien mehr. Wer nun den Zusatztarif "Alternative Arznei" wählt, bekommt sie wieder bezahlt. Dafür verlangen die Kassen aber auch deutlich höhere Beiträge. Ein solcher Tarif kostet etwa bei der AOK Rheinland 20,40 Euro im Monat für unter 40-Jährige und 130 Euro für über 65-Jährige. Der Tarif lohnt sich also nicht für Menschen, die mal ein Fläschchen Meditonsin kaufen, sondern nur für Groß-Verbraucher alternativer Medizin.

Für Menschen mit Zeit: Wer genug Zeit hat, bei allen Erkrankungen erst zum Hausarzt zu gehen, auch wenn gleich klar ist, dass dieser ihn an den Facharzt überweist, kann Hausarzt-Tarife wählen. Bei der Barmer etwa lassen sich so bis zu 30 Euro Praxisgebühr im Jahr sparen. Dennoch sollten sich Versicherte nicht blenden lassen: Denn wer einen Wahltarif nimmt, bindet sich für drei Jahre an seine Kasse. "Selbst wenn die Kasse den Beitrag in der Zeit mehrfach erhöht, bleibt das Mitglied gefangen und darf nicht wechseln", sagt Thomas Isenberg, der Experte der Verbraucherzentralen. Isenbergs Rat: "Nichts überstürzt abschließen, in Ruhe vergleichen."

Und was nützt ein toller Wahltarif, wenn die Kasse an sich teuer ist? Über 14 Prozent verlangen die DAK, die Barmer, die AOK Rheinland, aber auch die BKK für Heilberufe. Unter 14 Prozent nehmen die AOK Westfalen-Lippe, die Techniker Kasse und manche Betriebskrankenkasse. Da 95 Prozent der Kassenleistungen gleich sind, kann man durch einen Wechsel durchaus Geld sparen. (Große Unterschiede gibt es bei der Dichte der Filialnetze.) Übrigens: Auch Kranke können wechseln. Die gesetzlichen Kassen sind verpflichtet, jeden ohne Gesundheitsprüfung aufzunehmen.