Nach der Gesundheitsreform Kassen-Wechsel erschwert

Düsseldorf (RP). Besser verdienende Arbeitnehmer spielen manchmal mit dem Gedanken, sich privat krankenzuversichern. Das können sie zwar auch nach der jüngsten Gesundheitsreform tun. Doch durch die Reform ist der Wechsel von der gesetzlichen (GKV) in die private (PKV) Versicherung erschwert worden.

Bisher reichte es, wenn das regelmäßige Gehalt einschließlich etwaiger Sonderzahlungen die Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAE-Grenze) überschritten hatte - und damit auch im Folgejahr zu rechnen war. Derzeit liegt diese Grenze, die jährlich angepasst wird, bei 47.700 Euro. Künftig muss vor einem Wechsel in die PKV ein Zeitraum von drei Jahren abgewartet werden. Liegt das Einkommen 2007 erstmals oberhalb der JAE-Grenze, so kann ein Arbeitnehmer sich erst im Januar 2010 privat krankenversichern. Dies regelt Paragraph 6 Absatz 4 des Sozialgesetzbuchs (SGB) V.

Aber selbst wenn man diese Hürden geschafft hat - mancher Versicherte bleibt trotzdem lieber in der GKV. "Ich bin gesetzlich krankenversichert. Im Prinzip könnte ich mich zwar auch privat versichern, doch gesetzlich versichert fahre ich besser - das ist günstiger für mich und meine Familie", meint Manfred Bitz (46) aus Niederkassel bei Bonn.

Er ist Techniker und freiwillig in einer Betriebskrankenkasse versichert. Seine Einkünfte liegen schon lange über der JAE-Grenze. Er ist allerdings mit seiner derzeitigen Kasse zufrieden - und die "gesetzliche Lösung" ist für seine Familie vergleichsweise kostengünstig. Seine Versicherungsbeiträge werden auf Basis der Beitragsbemessungsgrenze berechnet.

Diese liegt derzeit bei monatlich bei 3562,50 Euro. Insgesamt muss der 46-Jährige für die Krankenversicherung monatlich 276,09 Euro ausgeben. Dafür ist nicht nur er selbst, sondern - ohne zusätzliche Kosten - auch seine Ehefrau versichert, die lediglich einen versicherungsfreien Minijob ausübt. Das Gleiche galt bis vor kurzem auch für seinen 16-jährigen Sohn. Dieser ist inzwischen als Azubi aber selbst versichert.

Die Stiftung Warentest hat in ihrer Zeitschrift "Finanztest" Ende des vergangenen Jahres untersucht, für wen sich die Abkehr von der gesetzlichen Krankenversicherung rechnet. "Eine private Krankenversicherung lohnt sich finanziell nur für Beamte und für gesunde junge Männer, die keine Familie absichern müssen", so das Fazit der Zeitschrift in ihrer Ausgabe 12/2006.

Der Grund: Die Beiträge der Privaten richten sich - ähnlich wie bei der Kfz-Versicherung - danach, wie groß das Risiko ist, dass ein Schaden einritt. Frauen zahlen deshalb hier mehr: Sie könnten schließlich schwanger werden. Und Ältere müssen ebenfalls mehr auf den Tisch legen. Zudem muss bei den Privaten jedes Familienmitglied extra zahlen, während es in der GKV die beitragsfreie Mitversicherung von Kindern und Ehegatten gibt, die keine oder nur geringfügige eigene Einkünfte haben.