Strompreis erhöht: Wie Sie jetzt den Anbieter wechseln

Stromversorger erhöhen Preise: Beim Strom lohnt die Treue nicht

Mehr als 300 Stromversorger erhöhen ihre Preise, zum Teil drastisch. Betroffen sind oft Verbraucher, die seit Jahren beim selben Anbieter sind. Wer nicht drauf zahlen will, sollte jetzt wechseln. Darauf kommt es an.

In diesen Tagen haben viele Haushalte unschöne Post bekommen. Bis vor einer Woche mussten die Briefe der Stromversorger eingegangen sein, die eine „Preis-Anpassung“ ab dem 1. Januar 2019 vornehmen. „Es wird dabei von einer Anpassung gesprochen, es ist aber de facto eine Erhöhung“, sagt Arik Meyer, Geschäftsführer des Tarifoptimierers „SwitchUp.de“ im Gespräch mit unserer Redaktion. Von diesem „psychologischen Trick“ solle man sich nicht blenden lassen. „Um die Zusatzkosten zu vermeiden, hilft nur ein Wechsel des Versorgers“, sagt Meyer. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Wo wird der Strom teurer? Bundesweit erhöhen 324 Energieversorger ihre Preise zu Beginn des neuen Jahres. Spitzenreiter in NRW sind die Stadtwerke Lünen, die im kommenden Jahr neun Prozent draufschlagen. Auch am Niederrhein sind die Preiserhöhungen zum Teil drastisch. Die Stadtwerke Krefeld etwa nehmen für die Stromlieferung bald 5,7 Prozent mehr als bisher, in Monheim sind es sogar sechs Prozent. „Wir sehen durch die Bank nennenswerte Erhöhungen bei den Stromversorgern, die für rund 50 Euro Mehrkosten im Jahr sorgen werden“, sagt Meyer.

Warum erhöhen Versorger die Preise? Den größten Einfluss haben die Stromerzeuger. Denn von denen kaufen die Versorger den Strom, um ihn in die Wohnungen und Häuser zu bringen. Zuletzt haben viele Stromerzeuger die Preise erhöht. Für Meyer ist das allerdings kein Grund, die Kosten direkt an die Verbraucher weiterzugeben. „Wenn die Energiepreise sinken, wird der Strom für uns auch nicht günstiger“, kritisiert Meyer. Die Versorger argumentierten dann, sie nutzten die höhere Gewinnspanne, um Rücklagen zu bilden und sich langfristig abzusichern.

Wer ist besonders betroffen? Zu viel zahlt vor allem, wer den Strom von seinem lokalen Versorger bekommt. Einen Vertrag in der klassischen Grundversorgung mit vergleichsweise hohen Preisen haben nach aktuellen Zahlen der Bundesnetzagentur immer noch knapp 28 Prozent der Haushalte. Eine Umstellung des Vertrages lohne sich für viele, betonen die Wettbewerbshüter. Das gelte für fast jeden, der seit Jahren beim selben Stromversorger ist. „Treue wird in diesem Markt nicht belohnt, sondern ist meistens einfach nur teuer“, sagt Meyer. Nur zehn Prozent der deutschen Haushalte wechseln jedes Jahr ihren Stromanbieter, 90 Prozent verharren in den alten Tarifen. „Und während neue Kunden beschenkt werden, zahlen treue Kunden drauf“, sagt Meyer.

Was kann man gegen eine Preiserhöhung tun? Kündigen. „Bis zu dem Datum, ab dem der neue Preis gelten soll, haben Verbraucher ein gesetzliches Sonderkündigungsrecht“, sagt Meyer. Wer davon keinen Gebrauch mache, müsse sich im nächsten Jahr auf Mehrkosten einstellen. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um zu wechseln“, sagt Meyer.

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Worauf kommt es beim Stromtarif an? Wichtig sind unter anderem eine monatliche Zahlungsweise und eine Preisgarantie, die für die gesamte Vertragsdauer gilt. Gut für Verbraucher ist auch eine kurze Kündigungsfrist und eine kurze Vertragslaufzeit insgesamt – am besten für den Zeitraum von einem Jahr. Nicht zu empfehlen sind Vorkasse und Pakettarife, bei denen bei geringerem Verbrauch kein Geld zurückerstattet wird. Aufpassen sollten Neukunden bei Bonuszahlungen, zu welchem Zeitpunkt und zu welchen Bedingungen diese gewährt werden.

Wo finde ich den günstigsten Anbieter? Viele Verbraucher schauen auf Vergleichsportalen wie Verivox oder Check24. Die sind eigentlich Versicherungsmakler, da sie nur Tarife auflisten, bei denen sie eine Provision kassieren. Fündig wird dort vor allem, wer sich auskennt und selbst vergleichen und wechseln will. „Die Komplexität schreckt viele ab“, sagt Meyer, der deshalb den Tarifoptimierer „SwitchUp.de“ gegründet hat.

Was ist ein Tarifoptimierer? Ein Dienstleister, der den günstigsten, passenden Stromtarif für seine Kunden heraussucht und diesen abschließt. Der Ablauf: Kunden geben bei der Anmeldung Postleitzahl und Verbrauch an. Optional ist auswählbar, ob besonderer Wert auf Ökostrom, Boni oder eine bestimmte Laufzeit gelegt wird. „Unser Empfehlungsalgorithmus sucht dann den besten Tarif aus“, sagt Meyer. Nach Ende der Vertragslaufzeit (meist ein Jahr) suchen Meyer und sein Team automatisch einen neuen, günstigeren Tarif und schlagen diesen vor. Wer möchte, kann den Wechsel jedes Mal automatisch vollziehen lassen. Das ist aber kein Muss, Kunden können auch im bisherigen Tarif bleiben oder sich wieder selbst um einen Wechsel kümmern. Meyer: „Man muss sich nicht an uns binden.“

Was kostet ein Tarifoptimierer? Nichts. Zumindest bei „SwitchUp.de“. Dort können sich Verbraucher unverbindlich und kostenlos anmelden. „Wir finanzieren uns über eine Provision vom Versorger“, sagt Meyer. Auf den Strompreis für den Kunden habe das keinen Einfluss. Der Preis sei der gleiche wie auf Vergleichsportalen. Im Gegensatz zu denen empfiehlt „SwitchUp.de“ ausdrücklich auch Tarife, bei denen es keine Provision gibt. „Wir stellen uns immer die Frage: ,Wie würde das ein guter Freund für mich machen?‘ Und der würde auch nichts für den Service nehmen oder gute Angebote einfach auslassen“, sagt Meyer.

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