Stiftung Warentest: Bambusbecher enthalten meist schädlichen Kunststoff

Stiftung Warentest : Viele Bambusbecher schlechter als ihr Ruf

Die deutsche Verbraucherorganisation Stiftung Warentest hat zwölf Becher getestet. Fast alle enthalten schädliche Kunststoffe, die mit jedem Schluck in den Körper gelangen können.

In Deutschland werden pro Stunde 320.000 Einweg-Kaffeebecher verbraucht. Der Umwelt zuliebe suchen Verbraucher nach Alternativen. Besonders beliebt sind Becher aus Bambus. Laut Produzenten sind diese ökologisch abbaubar und recyclebar. Doch nun hat die Stiftung Warentest zwölf der vermeintlich kompostierbaren Bambusbecher unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Sie sind alles andere als ökologisch. Bis auf einen enthielten alle getesteten Becher schädliche und teils krebserregende Stoffe. Diese werden freigesetzt, sobald der Becher mit Heißgetränken in Kontakt kommt.

Denn Bambusbecher bestehen eben nicht nur aus Bambus. Für die Produktion wird die Pflanze gemahlen und anschließend als Pulver mit Melaminharz vermischt. Das ist ein stabiler Kunststoff aus Melamin und Formaldehyd, der es möglich macht, den Becher in Form zu drücken. Melamin und Formaldehyd sind für Menschen in hohen Mengen schädlich. Formaldehyd wurde laut Verbraucherzentrale NRW sogar als wahrscheinlich krebserregend eingestuft, Melamin kann zu Schäden an Blase und Nieren führen.

Zwar ist Melaminharz auch in anderen Kunststoff-Produkten wie Besteck oder Geschirr enthalten und in kleinen Mengen ungefährlich. Für Melaminharz gilt aber: Nicht auf über 70 Grad erhitzen. Die hohen Temperaturen von Heißgetränken können dazu führen, dass Melamin und Formaldehyd freigesetzt werden und mit jedem Schluck in den Körper gelangen. Warentest fand bei vier der zwölf getesteten Becher bereits nach drei Befüllungen gefährliche Mengen an Melamin und Formaldehyd im Heißgetränk.

Hersteller verschweigen oft, dass Kunststoff im Becher ist. Die meisten Anbieter kunststoffhaltiger Becher werben sogar damit, dass ihre Behältnisse nur aus Bambus bestünden und somit kompostierbar seien. Solche Becher würden laut Warentest aber selbst in industriellen Kompostieranlagen nicht verrotten. Um die Becher zu recyceln, müsste man sie also verbrennen.

Im Test konnte nur der Chicmic von Bamboo Cup im Hinblick auf Schadstoffe und Kennzeichnung überzeugen. Alle anderen Becher enttäuschten. Die Produkte von Ebos, Pandoo, Morgenheld und ppd täuschen Verbraucher demnach mit der Aussage, nur aus Bambus zu bestehen oder recycelbar zu sein. Die Behälter von Aldi, Ecoffee Cup, Grafik Werkstatt, Ikea und La Vida enthalten laut Warentest zu hohe Schadstoffmengen. Von Rex London und Zuperzozial sollten Verbraucher demnach ebenfalls absehen: Sie geben laut Warentest nicht nur  hohe Mengen an Melamin und Formaldehyd ab, sondern machen auch falsche oder keine Angaben zu Material, Nutzung oder Recycling.

Warentest rät, genau auf das Material zu achten. Es gebe reine Bambusprodukte wie Schüsseln oder Schneidebretter, bei denen die Materialstruktur erkennbar sei und die ökologisch abbaubar seien. Bei Kaffeebechern rät die Verbraucherzentrale  zu Alternativen: „Mehrwegbecher für Coffee to go und andere Heißgetränke unterwegs gibt es auch aus anderen Materialien. Thermobecher, etwa aus Edelstahl, haben zudem den Vorteil, dass sie das Getränk warm halten. Empfehlenswert für den Kontakt mit Lebensmitteln und Heißgetränken sind Edelstahl, Glas und Porzellan, aber auch schadstoffarme Kunststoffe.“

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