Smart Meter: Was Verbraucher zu den intelligenten Stromzählern wissen müssen

Smart-Meter werden verpflichtend : Was Verbraucher zu den intelligenten Stromzählern wissen müssen

Die intelligenten Stromzähler kommen. Die Umstellung soll die Energiewende voranbringen, Netze intelligenter und das Leben der Kunden einfacher machen. Doch noch ist ihr Nutzen umstritten.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat den Startschuss für den flächendeckenden Einbau intelligenter Stromzähler gegeben. Verbrauchsstarke Haushalte und Unternehmen sollen nun mit den sogenannten Smart Metern ausgestattet werden. Doch Kritiker bezweifeln einen echten Nutzen für Verbraucher.

Was ein Smart Meter kann

Das Messsystem basiert auf einem digitalen Stromzähler, der bei Neubauten und grundlegenden Renovierungen schon Pflicht ist und bis 2032 deutschlandweit seinen analogen Vorgänger mit Drehscheibe ablösen soll. Der Digitalzähler erfasst den Stromverbrauch viertelstündlich und darf laut Bundesnetzagentur höchstens 20 Euro jährlich kosten. "Smart" wird er aber erst durch ein optionales Kommunikationsmodul, das sogenannte Gateway, das Daten an den Netzbetreiber senden kann.

Verbraucher sollen außerdem einen besseren Überblick über ihre Energiekosten und Stromfresser bekommen und beispielsweise vernetzte Haushaltsgeräte starten oder ihr Elektroauto laden können, wenn der Strom am günstigsten ist. Die Ferndiagnose des Zählerstands ermöglicht Anbietern zumindest in der Theorie exakte Abrechnungen und die Anpassung des Netzes an den Strombedarf ihrer Kunden.

Stand der Einbaupflicht

Nach der nötigen Zertifizierung dreier Smart-Meter-Gateways bestätigte das BSI Ende Januar offiziell die "technische Möglichkeit" des Einbaus, der nun für Verbraucher mit einem jährlichen Stromverbrauch über 6000 Kilowattstunden (kWh) verpflichtend ist.

Damit sind nur Firmen und große Haushalte mit etwa fünf bis sechs Personen automatisch vom sogenannten Rollout der Geräte betroffen. Ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt liegt laut Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) mit 3400 kWh jährlich deutlich unter der Schwelle.

Eingebaut werden die Smart Meter für gewöhnlich nicht von den Stromanbietern, sondern von sogenannten Messstellenbetreibern. Diese können den Einbau auch bei Geringverbrauchern anordnen, diese müssen das akzeptieren. Und auch Stromerzeuger, etwa Besitzer von Photovoltaikanlagen mit über sieben Kilowatt Leistung, werden zur Umrüstung verpflichtet.

Das kostet der Umbau

Unabhängig davon kann sich jeder freiwillig für ein Smart Meter entscheiden - die Resonanz ist aber noch gering. Ein Grund könnten die Kosten sein: Für Pflichteinbau und Betrieb bei einem Jahresverbrauch zwischen 6000 und 10.000 kWh dürfen Messstellenbetreiber laut Bundesnetzagentur bis zu 100 Euro jährlich verlangen.

Ordnen Betreiber den Einbau in kleineren Haushalten an, dürfen sie diesen bis zu 60 Euro pro Jahr in Rechnung stellen. Außerdem mussten laut vzbv bislang in jedem vierten Fall Kunden zusätzlich den Umbau ihres Zählerschranks mit "bis zu mehreren tausend Euro" bezahlen.

Bislang kaum variable Tarife

Ob Verbraucher das Geld an anderer Stelle sparen können, "steht aber in den Sternen. Das ist ärgerlich", kritisieren die Verbraucherschützer. Die bisher zugelassenen Smart Meter sind laut vzbv "in ihren Anwendungsfunktionen noch eingeschränkt" und es gebe kaum variable Tarife, "bei denen der Strom etwa nachts günstiger ist" und die den Einsatz von Smart Metern attraktiv machten.

Die Bundesnetzagentur erklärt, die künftig genauere Messung des Verbrauchs mache solche Stromtarife erst vermehrt möglich. Auch der Digitalverband Bitkom betont, die Vielfalt der künftigen Dienste und Funktionen lasse sich "derzeit nur erahnen" und wachse mit der Kundenzahl.

(felt/AFP)