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Heizen: Mit Strom statt mit Gas - wann kann das sinnvoll sein?​

Elektrische Heizungen : Mit Strom statt mit Gas heizen – wann kann das sinnvoll sein?

Heizlüfter und Klimaanlagen funktionieren nicht mit Gas, sondern heizen die Wohnung mit elektrischem Strom recht schnell auf. Doch wie sieht es mit dem Verbrauch und der Klimaschädlichkeit aus?

Beinahe im Wochentakt erreichen Energieverbraucher derzeit Hiobsbotschaften über einen teureren Gastarif, dazu ist die Versorgungssicherheit im Winter weiterhin unklar. Da stellt sich für Gasheizungsnutzer die Frage: Reicht Sparen oder sollte man besser nicht darauf vertrauen, dass genug Gas zur Verfügung stehen wird? Aber lohnen sich vorübergehende Alternativen wie Heizlüfter oder Klimaanlagen, die in heißen Sommern kühlen, aber an kalten Tagen auch heizen können? Wir beantworten, wie effektiv das ist und wie sehr der Anwender damit das Klima belastet.

Welche Klimaanlagen gibt es?

Einerseits gibt es da sogenannte Monoblocks, die für wenige Hundert Euro zu haben sind, und die gesamte Technik in einem mobilen Gerät vereinen. Sie lassen sich flexibel im Raum aufstellen, leiten die Abwärme über einen Schlauch nach draußen und lassen sich einfach über eine Steckdose anschließen. Leistungsschwächere und günstigere Geräte sind für kleine Räume (ab zehn qm) gedacht, stärkere Geräte können auch Wohnungen über 100 qm Größe bedienen. Kombinierte Klimageräte, die nicht nur Kühlen und Entfeuchten, sondern auch Heizen können, sind auch relativ günstig, nämlich ab rund 300 Euro zu haben. Die mobilen Geräte sind aber eher für einzelne Räume gedacht, feste Anlagen sind besser, wenn mehrere Räume bedient werden sollen. Solche Systeme, auch Split-Anlagen genannt, werden an Wänden angebracht und funktionieren mit einem Außengerät, das die Abwärme ins Freie leitet. Sie können einen Raum bedienen und kosten selten unter 600 Euro. Kommen sie mit mehreren Innengeräten können sie leicht den vierstelligen Kostenbereich erreichen. Zu dem reinen Anschaffungspreis kommen noch Installationskosten, die laut des Herstellers Bosch bis zu 2000 Euro betragen können. Bei großen Klimaanlagen lassen sich Fördergelder vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) beantragen.

Heizen die Geräte, kommt ein ähnliches Prinzip wie bei einer Wärmepumpe zum Einsatz. Die umgebende Luft wird abgekühlt und dabei entstehende Wärme in den Raum geleitet. Da feste Klimaanlagen meist in Deckennähe angebracht werden, sollte der Luftauslass nach unten zeigen, oder man sollte direkt Innengeräte zum Aufstellen anschaffen, rät das Portal „net4energy“. Die Installation muss von einem Kälte- und Klimatechniker vorgenommen werden.

Was ist die günstige Variante?

Die einfachste und weitaus günstigste Option, die sich wohl auch jeder Mieter leisten kann, ist der Heizlüfter, der schon für unter 30 Euro im Baumarkt kommt. Sie heizen schnell auf, verbrauchen aber viel Strom. Lediglich um einen kleineren Raum zeitweise zu wärmen sind sie geeignet, doch dauerhafter Betrieb in mehreren Räumen führt zu enormen Stromkosten. Effektiv Gas sparen lässt sich mit Ihnen nicht.

Wie ist der Stromverbrauch der Klimagerät?

Ob mobiles Kompaktgerät oder feste Split-Geräte, beide Varianten sind Stromfresser, bei bis zu 3000 Watt Heizleistung kein Wunder. Das Heizungsunternehmen „Thermondo“ rechnet beispielhaft mit 90 Euro monatlichen Betriebskosten beim Heizen mit einem Klimagerät, also nur für einen Raum. Bei den aktuell steigenden Stromkosten ist ein höherer Wert wahrscheinlich. „Mobile Geräte sind zu ineffizient. Wenn mit der Klimaanlage klimatisiert und geheizt werden soll, dann mit einem festen Splitgerät“, rät Thomas Zwingmann von der Verbraucherzentrale Köln. Besser sei es aber nur punktuell einen speziellen Raum zu heizen, anstelle von mehreren Räumen im Haus, denn dafür seien Klimageräte keine Alternative zu herkömmlichen Heizungen. „Luft ist ein schlechter Wärmeüberträger im Vergleich zu Wasser“, begründet Zwingmann.

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Kann man Gas und Kosten sparen, wenn man mit Strom heizt?

„Das ist nicht zielführend, denn Strom ist immer noch teurer als Gas“, sagt Zwingmann. Wie sich die Gaspreise im Winter allerdings noch entwickeln, weiß niemand. Um für kurzfristigen Ersatz zu sorgen oder auf eine Notsituation zu reagieren, falls kein Gas mehr fließt, könne man hingegen schon einen bestimmten Raum temperieren. Radiatoren oder noch besser Strahlungsheizplatten, die nicht die Luft erwärmen, sondern Objekte mit Strahlungswärme aufheizen sind effizientere Ersatzlösungen als etwa Heizlüfter. Räume dauerhaft behaglich warm halten, können sie aber auch nur schwer. Als Übergangslösung zum Heizen sei auch die fest eingebaute Klimaanlage denkbar, hier werde es aber „knapp einen Handwerker zu finden, der sie noch anbringt“, vermutet Zwingmann. Das derzeit vorherrschende politische Ziel, Gas zu sparen sowie die teils bessere Energieeffizienz von strombetriebenen Heizgeräten gegenüber Gasheizungen sprechen wiederum für Klimageräte.

Wie klimaschädlich sind Klimageräte?

Das kommt darauf an, wo der Strom herkommt. „Wenn er aus dem Mix kommt, ist die Klimaanlage schlechter als die Gasheizung, wenn es Strom aus erneuerbaren Quellen ist, besser“, sagt Thomas Zwingmann. Während eine kWh Gas rund 200 Gramm CO2 verursacht, liegt eine kWh Netzstrom etwa beim doppelten Ausstoß. Dabei sollte aber der SCOP (seasonal coefficient of performance) beachtet werden, ein Wert, der angibt, wie hoch die erzeugte Wärmeleistung im Verhältnis zum verbrauchten Strom steht. Eine mäßig effiziente Klimaanlage kommt hier auf einen SCOP über 4, das bedeutet 1 kWh Strom wird in 4 kWh Wärmeleistung übertragen. Ein klassischer Gaskessel würde bei einer vergleichbaren Indexzahl einen deutlich schlechteren Wert (um die 1) erreichen. Das wiegt den höheren CO2-Ausstoß bei gleicher Energiezufuhr auf, denn die Wärmeleistung ist beim Heizen mit Strom im Vergleich besser. Und langfristig wird die CO2-Intensität beim Strom durch den Ausbau der erneuerbaren Energien noch weiter sinken, sagt das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme.

Kommt es zu einer Überlastung des Stromnetzes?

Warnungen vor einer Überlastung des Stromnetzes wurden zuletzt laut. Der Städte- und Gemeindebund sprach von drohenden, flächendeckenden Stromausfällen, wenn aufgrund der Gaskrise massiv elektrische Heizlüfter ans Netz gehen. Experten halten das deutsche Stromnetz allerdings für gut gewappnet. Mit einer Netzüberlastung, etwa der Düsseldorfer Netze, rechneten auch die Stadtwerke Düsseldorf bis zuletzt nicht. Klar sei aber, dass der dauerhafte Einsatz von Elektroheizungen, Heizlüftern und Klimaanlagen nicht zu empfehlen sei.