"Freikost" in Bonn: Einkaufen mit der Butterbrotdose

"Freikost" in Bonn: Einkaufen mit der Butterbrotdose

Im Bonner Geschäft "Freikost" gibt es Lebensmittel ohne Verpackung. Die Kunden können dort regionale Produkte in mitgebrachte Gläser und Dosen abfüllen. Sie sollen so bewusster einkaufen und weniger Verpackungsmüll produzieren.

Wer hier einkaufen geht, sollte ein paar Einweckgläser dabei haben. Im Bonner Geschäft "Freikost", das heute offiziell eröffnet wird, gibt es kaum Plastik-Verpackungen. Lebensmittel wie Müsli, Getreide, Nudeln oder Gewürze gibt es in großen Spendern - die Kunden können sich die Ware in eigene Gefäße abzapfen.

Die Behälter werden vor und nach dem Befüllen gewogen. "Verpackte Nahrungsmittel werden immer beworben - das beeinflusst die Menschen. Bei uns können sie viel bewusster einkaufen, sich von der Qualität der Ware überzeugen", sagt Hilke Deinet, Inhaberin von "Freikost" im Stadtteil Duisdorf. Zudem wolle man dadurch auch unnötigen Müll vermeiden. Beim sogenannten Precycling soll Verpackungsmüll reduziert und auf umweltfreundliche Varianten umgestellt werden.

Die Idee zu dem Geschäft hatte die Bonnerin bereits vor knapp neun Jahren. Da studierte Deinet im australischen Melbourne, wo es damals bereits verpackungsfreie Supermärkte gab. In einer Art Selbstexperiment versuchte die Geografin in den vergangenen Jahren, auch in Deutschland möglichst verpackungsfrei einzukaufen: "Ich bin aber oft gescheitert." Gemeinsam mit ihrem Mann Tim entwickelte sie deshalb "Freikost". Angeboten werden "hochwertige, ökologisch und fair produzierte Lebensmittel".

Das Konzept, das an den altbewährten "Tante-Emma-Laden" erinnert, hat sich schon in anderen Ländern durchgesetzt: Neben Australien gibt es zum Beispiel in den USA, England oder Frankreich ähnliche Angebote.

  • Fotos : So funktioniert ein Supermarkt ohne Verpackungen

Auch in Berlin und Kiel gibt es verpackungsfreie Supermärkte - weitere sind in der Planung. In der Bundeshauptstadt existieren beispielsweise die Start-Ups "Unverpackt einkaufen" oder "Original unverpackt". Letztere haben ihren Laden noch nicht eröffnet. Die Gründerinnen finanzieren derzeit ihr Projekt online durch sogenanntes Crowdfunding, also durch verschiedene Kapitalgeber aus dem Internet. Nach eigenen Angaben hatten sie ihr Ziel von 45 000 Euro schnell erreicht, ihre erste Filiale soll im Sommer in Berlin öffnen.

In der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel gibt es seit knapp drei Monaten das Geschäft "Unverpackt - lose, nachhaltig, gut". Mit dem Laden möchte die Inhaberin Marie Delaperrière, eine Französin aus der Nähe von Toulouse, "Sinnvolles für Mensch und Erde bewirken". Sie möchte mit dem Geschäft einen Beitrag zur Müllreduzierung und gegen die Lebensmittelverschwendung leisten, schreibt Delaperrière auf ihrer Internetseite. Die Kunden bekämen die Möglichkeit, nur die Menge zu kaufen, die sie auch tatsächlich benötigen.

Im Bonner Bioladen "Freikost" ist jedoch nicht alles verpackungsfrei - ganz ohne gehe es bei manchen Produkten doch nicht, sagt Hilke Deinet. "Das ist unser Kompromiss: Wir versuchen aber das, was geht, verpackungsfrei anzubieten." Wer ohne Gefäß komme, könne gegen Aufpreis Papiertüten erwerben. Milchprodukte wie Joghurt oder Quark sind bereits in Mehrweg-Gläser abgefüllt - mit Pfand. "Wir beziehen sie von einem Kuhhof ganz in der Nähe von Bonn. Dadurch fallen auch keine weiten Transportwege an."

Auch Fleisch gibt es nicht unverpackt - es ist in Plastik eingeschweißt. "Das funktioniert nicht anders, da es sich bei Fleisch um ein sehr empfindliches Produkt handelt", sagt die Laden-Chefin. In ihrem Geschäft hat sie eine Frischetheke, wo die Kunden Wurst, Käse und auch Anti-Pasti kaufen können. Für den Aufschnitt stehe ebenfalls Verpackungspapier zur Verfügung. "Natürlich können die Kunden aber auch ihre eigene Box mitbringen", sagt Deinet.

(csc)
Mehr von RP ONLINE