Bundesamt für Verbraucherschutz: Warnung vor Mehrwegbechern aus Bambusfasern und Maismehl

Mehrwegbecher aus Bambus bergen Gefahren : Vorsicht beim Kaffee für unterwegs

Das Bundesamt für Verbraucherschutz warnt vor Geschirr aus Bambusfasern und Maismehl. Sie können gesundheitsschädliche Stoffe freisetzen. Nachgewiesen wurden unter anderem Melamin und überhöhte Formaldehyd-Werte.

Nun also auch Mehrweggeschirr. An Meldungen über Gammelfleisch, Bakterien belastete Wurstwaren oder Rohmilchprodukte haben Verbraucher sich ein Stück weit gewöhnt. Seit Dienstag steht ein bisher unbeachteter Bereich der Lebensmittelbranche im Verdacht der Gesundheitsgefährdung. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gab eine offizielle Warnung vor Mehrwegbechern und Geschirr aus Bambusfasern und Maismehl heraus. Artikel aus diesen Materialien können demnach bei Kontakt mit heißen Speisen oder Flüssigkeiten gesundheitsschädliche Stoffe freisetzen.

Prominente Beispiele aus dem Alltag sind etwa Coffee-to-go-Becher oder Mehrweggeschirr, das zunehmend Plastikutensilien und Einwegware ersetzen soll. Eigentlich Dinge, die in Zeiten eines gesteigerten Umwelt- und Klimabewusststeins sinnvoll und gefragt sind.

Deshalb ist es besonders wichtig genau hinzuschauen: Denn nur solche Produkte, die aus Bambusfasern oder Maismehl hergestellt sind, bergen Gefahren. Sie enthalten unter anderem die Substanzen Melamin und Formaldehyd. Beide sind verbreitete Ausgangsstoffe für die Herstellung von Harzen, die etwa als Klebstoffe und Leime Verwendung finden. Geschirr aus Melamin gilt als leicht und bruchsicher, der ideale Begleiter fürs Camping oder Picknick. Ab einer Temperatur von 70 Grad Celsius – und nur dann – setzt Material aus Melamin-Formaldehydharz seine gesundheitsschädlichen Bestandteile frei.

Bei bundesweiten Untersuchungen wurden nach Angaben des Bundesministeriums 56 Produkte aus Rohstoffen wie Bambusfasern oder Maismehl untersucht, die als nachhaltige Alternative zu Einweg-Artikeln angeboten werden. Das Ergebnis: Bei einem Viertel der Proben wurden die Grenzwerte für Melamin deutlich überschritten. In elf Prozent der untersuchten Artikel wiesen Experten überhöhte Formaldehyd-Werte nach. „Die Verbraucherinnen und Verbraucher denken, sie greifen zu einer umweltfreundlichen Alternative, halten dann aber ein Produkt in Händen, von dem ein gesundheitlichen Risiko ausgehen kann“, erklärte Helmut Tschiersky, Präsident des BVL.

Melamin steht unter Wissenschaftlern in Verdacht, Erkrankungen im Blasen- und Nierenbereich zu verursachen. In Tierversuchen zeigte es eine deutlich toxische Wirkung. Formaldehyd reizt Haut- und Schleimhäute. Das Einatmen begünstigt die Entstehung von Krebs im Nasen-Rachen-Raum. Außerdem gilt Formaldehyd als Allergie-Auslöser. Neben dem Erhitzen müssen Verbraucher darauf achten, dass die Oberfläche der Bambusbecher oder -teller nicht beschädigt wird. Denn dies beschleunigt die Zersetzung des Materials und das Lösen der giftigen Bestandteile. Eine ähnliche Wirkung haben säure- oder fetthaltige Lebensmittel wie Obst oder manche Gemüse. Nutzer des alternativen Mehrweg-Geschirrs aus Bambus sollten also unbedingt vermeiden, ihre Speisen auf solchen Tellern zu erhitzen oder allzu heißen Kaffee in den Coffee-to-go-Becher zu füllen.

Wer sich nun bereits im Glauben etwas Gutes für sich und die Umwelt zu tun mit Bambusgeschirr eingedeckt hat, muss nicht alles wegwerfen: Kalte oder lauwarme Lebensmittel können Verbraucher bedenkenlos vom Bambusteller essen. Beschädigte Ware sollte allerdings entsorgt werden.

Sichere Alternativen zu den Produkten aus Bambus sind etwa Mehrwegbecher aus Edelstahl, Prozellan oder auch Polypropylen. Das Umweltbundesamt empfiehlt Mehrwegbecher mit dem „Blauen Engel“. Das Umweltlabel der Bundesregierung steht seit über 40 Jahren für umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen. Waren mit dem „Blauen Engel“ seien frei von umwelt- und gesundheitsbelastenden Stoffen. Genau Hinschauen beim Coffee-to-go lohnt sich also.