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Finanzierungsnot der letzten Ruhestätte: Bestattungen zum Discountpreis

Finanzierungsnot der letzten Ruhestätte : Bestattungen zum Discountpreis

Allerheiligen, Totensonntag, Volkstrauertag. Der kalendarische Trauermonat November wirft auch ein Schlaglicht auf die Bestattungskultur in Deutschland. Der gesellschaftliche Wandel macht vor den Friedhofstoren nicht halt. Die traditionelle Erdbestattung mit Totenfeier, Holzsarg und Grabstein ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Bestattungen zu Discountpreisen erobern den Markt. Die letzte Ruhestätte für einen Verstorbenen ist in vielen Fällen für die Angehörigen ein Finanzierungsproblem. Doch bei Billigangeboten ist Vorsicht angebracht.

Im Todesfall wird nicht auf die Mark geschaut, hieß es früher. Das dezent agierende Bestattungsgewerbe florierte prächtig. Doch die Zeiten haben sich geändert. In der Branche tobt der Wettbewerb. Im Internet überbieten sich überregional tätige Billiganbieter mit marktschreierischen Angeboten:

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Manche einer mag die Nase rümpfen über derart laute Reklame, die Tatsachen sprechen für sich. 2011 ist die Anzahl der so genannten Billig-Bestatter von 420 auf 520 gestiegen. Damit konzentriert sich jedes achte der etwas 4000 Bestattungsunternehmen in Deutschland auf das wachsende Marksegment von Bestattungen mit Gesamtkosten unter 1200 Euro.

Experten schätzen, dass dieses Jahr ca. 220.000 der erwarteten 869.000 Bestattungen auf die Billiganbieter entfallen. Fabian Schaaf, Geschäftsführer des Internet-Portals www.bestattungen.de, nennt die Gründe: "Die Nachfrage wird von wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen getrieben. Viele Angehörige können sich keine teure Bestattung leisten. Und oftmals legen die Angehörigen auch nicht mehr so viel Wert darauf. Insbesondere in Großstädten sind Bestattungen aufgrund der geringeren familiären Bindung nicht mehr so relevant wie früher."

Überteuerte Zusatzkosten

Jeder weiß aus Erfahrung, dass es bei "ab"-Preisen auf genaues Hinsehen ankommt. Das gilt natürlich auch für die Billigangebote von Bestattungsunternehmen. Sie bevorzugen für ihre Auftritte das Internet und sind überwiegend nur online oder über eine Telefonnummer, die rund um die Uhr besetzt ist, zu erreichen. Es kann passieren, dabei in einem Multi-Call-Center zu landen, das einen Bauchladen von Firmen betreut. Bei den beworbenen Billigangeboten handelt es sich in der Regel um ein Basispaket, das im Kern nicht mehr als eine Grundversorgung des Verstorbenen und eine anonyme Bestattung ohne Trauerfeier beinhaltet. Die Grabstätte kann sich auch im Ausland befinden. Gebühren aller Art sind im Basispreis nicht enthalten. Zusatzwünsche werden oft zu überteuerten Preisen berechnet. Der emotionale Ausnahmezustand der Hinterbliebenen wird gezielt ausgenutzt. Unter dem Strich steht dann plötzlich das Doppelte oder Dreifache dessen, was der Lockpreis versprochen hat.

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Informieren und vorsorgen

Um nicht auf unseriöse Anbieter hereinzufallen, raten Verbraucherschützer dazu, bei der Planung einer Bestattung die Anbieter vorher zu überprüfen. Es ist absolut empfehlenswert, sich bei einem absehbaren Todesfall in der Familie bereits im Vorfeld umfassend zu informieren und schriftliche Angebote von mehreren Bestattern einzuholen und miteinander zu vergleichen. Immer häufiger ist die Praxis, dass Menschen für ihren eigenen Todesfall persönlich vorsorgen und das auch im Familienkreis kundtun. Um finanzielle Aufwendungen von den Angehörigen fernzuhalten, schließen sie rechtzeitig eine Sterbeversicherung ab oder einen Bestattungsvorvertrag mit entsprechender Vorauszahlung. Gewählt wird auch die Form der testamentarischen Verfügung mit Hinterlegung eines ausreichenden Geldbetrages bei einem Notar. Der Verstorbene selbst legt zu Lebzeiten Form und Inhalt seiner Bestattung fest. Für die Angehörigen bedeutet das in jedem Fall eine große Erleichterung, nicht nur in finanzieller Hinsicht.

Do it yourself-Trend

Wie sehr der Umgang mit dem Tod im Wandel begriffen ist, lässt sich auch erkennen an einem aktuellen Trend: Nach einer Umfrage des Portals www.bestattungen.de können sich 78 Prozent der Befragten vorstellen, bei der Bestattung eines Angehörigen selbst Aufgaben zu übernehmen. Hinterbliebene wollen immer öfter mithelfen, eine Bestattung persönlicher zu gestalten. Grundsätzlich können Angehörige in Absprache und mit Unterstützung des Bestattungsinstituts bei fast allen Aufgaben mithelfen. Bevorzugte Gebiete sind dabei musikalische Gestaltung und Dekoration der Trauerfeier und die Trauerrede. Durch diese Eigeninitiative lassen sich nicht nur nennenswerte Beträge bei den Beisetzungskosten sparen. Sie kann auch wichtig sein bei der Trauerbewältigung. Betroffene, die sich bei der Beerdigung eines Angehörigen trotz anfänglicher Scheu persönlich eingebracht haben, äußern sich anschließend froh und dankbar über ihre Initiative.

(chk)