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BSG Kassel B 3 KR 9/05: Trauerreden sind Kunst

BSG Kassel B 3 KR 9/05 : Trauerreden sind Kunst

Kassel (rpo). Wer auf Beerdigungen regelmäßig Trauerreden hält, hat einen Anspruch auf Aufnahme in die Künstlersozialkasse. Das Bundessozialgericht in Kassel hat entschieden, dass Reden bei Beerdigungsfeiern als Kunst anzusehen sind.

Die Richter entschieden, dass Trauerredner ähnlich wie Musiker oder Journalisten als Künstler und Publizisten zu gelten haben. Der 3. Senat gab damit einer Trauerrednerin aus Ludwigsburg Recht, die auf Aufnahme in die Künstlersozialversicherung geklagt hatte. Die Versicherung hatte dagegen die Tätigkeit der Frau mit der eines Pfarrers verglichen.

Zwischen 1998 bis 2004 war die gelernte Lehrerin hauptberuflich als selbstständige Trauerrednerin tätig. Dabei übernahm sie bei Beerdigungen die komplette Bestattungszeremonie. Neben Gesängen und Gedichten hielt sie vor allem auch individuell gestaltete Trauerreden. "Ich war sozusagen die Totenfrau im Kreis", sagte Klägerin Antje Starnick.

Die Künstlersozialversicherung hatte eine Versicherungspflicht jedoch abgelehnt und argumentiert, dass die Tätigkeit eines Trauerredners ähnlich wie die eines Pfarrers sei. Pfarrer gelten nicht als Künstler oder Publizisten.

Der 3. Senat folgte dem jedoch nicht und bestätigte stattdessen die Urteile der beiden Vorinstanzen. Da Trauerreden auf Beerdigungen gehalten werden und in den meisten Fällen öffentliche Veranstaltungen seien, bestehe das Recht auf Aufnahme in die Künstlersozialversicherung. Trauerreden seien auch mit der Tätigkeit eines Publizisten vergleichbar. Es sei zudem unerheblich, dass nur ein begrenzter Personenkreis Adressat der Trauerrede ist.

BSG Kassel - Az.: B 3 KR 9/05