Leistungen steigen, Beiträge auch: Mehr Geld für die Pflege

Leistungen steigen, Beiträge auch : Mehr Geld für die Pflege

Düsseldorf (RP). Zum 1. Juli 2008 werden erstmals die Leistungen des jüngsten Zweiges der Sozialversicherung erhöht. Zugleich steigt der Pflegeversicherungsbeitrag um 0,25 Prozentpunkte.

Unveränderte Grundregeln: Leistungen der Pflegeversicherung erhält in der Regel nur, wer vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen mindestens in Pflegestufe 1 eingestuft wurde. Dafür muss der Betroffene mindestens 90 Minuten pro Tag fremde Hilfe benötigen. Mehr als die Hälfte davon muss auf die Grundpflege entfallen. Dazu gehören Körperpflege, Ernährung oder Hilfen beim Aufstehen, Gehen und Stehen. Die anderen 44 Minuten dürfen "hauswirtschaftliche Hilfen" sein.

Mehr Geld: Die meisten Menschen mit anerkanntem Pflegebedarf werden derzeit zu Hause betreut — insgesamt sind es rund 1,4 Millionen. Soweit sie von Angehörigen versorgt werden, erhalten sie ein Pflegegeld. Dieses wird bei jeder Pflegestufe zum 1. Juli um zehn Euro erhöht. In Stufe I gibt es dann 215 Euro pro Monat, in Stufe II 420 Euro und in Stufe III 675 Euro.

Soweit die Betroffenen Leistungen professioneller Pflegedienste in Anspruch nehmen, erhalten sie je Pflegestufe zwischen 36 und 59 Euro mehr. Bei Pflegestufe I erhöht sich der monatliche Satz auf maximal 420 Euro, in Stufe II auf 980 Euro und in Stufe III auf 1470 Euro.

Stufe III im Heim: Rund 700 000 Pflegebedürftige leben in Heimen. Auch 13 Jahre nach Einführung der Pflegeversicherung bleiben die Leistungen für die vollstationäre Pflege im Heim für das Gros der Betroffenen unverändert. Lediglich für Schwerstpflegebedürftige der Stufe III und in Härtefällen steigen die Leistungen auf 1470 Euro bzw. 1688 Euro pro Monat.

Künftige Erhöhungen: Für Pflegegeld und ambulante Dienste sind für 2010 und 2012 Erhöhungen der Sätze vorgesehen. Bei der vollstationären Pflege gilt dies nur für Personen mit Pflegestufe III und für Härtefälle. Für die meisten Heimbewohner, die überwiegend in Stufe I oder II eingruppiert sind, ist bis 2015 keine Änderung der Beträge vorgesehen. Ab 2015 sollen die Pflegeleistungen generell im Drei-Jahres-Rhythmus an die Preisentwicklung angepasst werden.

Automatische Anpassung: Für diejenigen, die bereits Leistungen der Pflegeversicherung erhalten, werden die Leistungen ab Juli automatisch erhöht. Einen (neuen) Antrag müssen sie nicht stellen. Jedoch kann — nach wie vor — jeder die Eingruppierung in eine höhere Pflegestufe beantragen, wenn sich sein Pflegebedarf erhöht. Die Pflegeversicherung deckt allerdings nur Teile der anfallenden Kosten ab. Der Rest muss aus privaten Mitteln oder — bei finanzieller Bedürftigkeit — über das Sozialamt finanziert werden.

(RP)