Schattenfinanzindex Das sind die größten Steueroasen der Welt

Düsseldorf · Weniger Steuern zahlen - das wünschen sich viele. Einige setzen diesen Traum durch, indem sie ihr Geld im Ausland anlegen. Die weltweit größten Steueroasen hat das internationale Netzwerk „Tax Justice Network“ ausfindig gemacht.

Die USA gehen bei der Auswertung als größte Steueroase weltweit hervor.

Die USA gehen bei der Auswertung als größte Steueroase weltweit hervor.

Foto: Pixabay

Steuerflucht ist ein beliebtes Mittel von Vermögenden und Unternehmen, um höhere Gewinne einzuheimsen. Dabei ist das Einzahlen von Steuern und Sozialabgaben Teil des Prinzips eines jeden Sozialstaats. Und sollte gerade von jenen unterstützt werden, die ohnehin über hohe Geldsummen verfügen. Doch Steuerflucht verstärkt nicht nur das Gefälle zwischen Arm und Reich, es schwächt auch den Zusammenhalt innerhalb eines Landes, fördert Korruption und Geldwäsche, kann die Demokratie gefährden und internationale Beziehungen stören.

Das unabhängige, internationale Netzwerk „Tax Justice Network“ (TJN) beschäftigt sich mit der globalen Steuerpolitik und Finanzregulierung und arbeitet alle zwei Jahre einen Report zum Schattenfinanzindex aus. Der jüngste Bericht stammt aus dem Jahr 2022 und darin wurden 141 Länder und Rechtssubjekte untersucht. Im Fokus der Analyse stehen die Möglichkeiten zur Geheimhaltung und Verschleierung von finanziellen Aktivitäten innerhalb dieser Gebiete.

So funktioniert der Index

Der Schattenfinanzindex arbeitet mit drei wichtigen Werten. Zum einen mit dem „Secrecy Score“, der das Ausmaß anzeigt, mit dem die Gesetze eines Landes Finanzgeheimnisse zulassen. Dieser bewegt sich auf einer Skala zwischen Null und 100. Darüber hinaus wird der „Global Scale Weight“-Wert gemessen, der den prozentualen Anteil an Finanzdienstleistungen eines Landes für nicht-einheimische Bürger auf dem Weltmarkt misst.

Als letzter wird der „Financial Secrecy Index“ (FSI) ermittelt, der die beiden ersten Punkte, also den „Secrecy Score“ mit dem „Global Scale Weight“-Wert in einen Zusammenhang setzt. Die Länder werden dann nach ihrem FSI-Wert eingestuft und so werden die größten weltweiten Anbieter von Finanzgeheimnissen ermittelt. Allerdings bedeutet das nicht, dass ein Land mit mehr Einfluss auf weltweite Finanzströme automatisch schleierhaften Finanzgesetzen folgt oder andersrum. Hierbei ist die Summe aus beiden für den FSI-Wert entscheidend. Unter den 141 untersuchten Ländern bewegt sich dieser Wert zwischen 1.951 und 5. Auch interessant ist der prozentuale Anteil der Finanzgeheimnisse, die ein Land weltweit stellt. Dieser rangiert von 5,74 Prozent bis glatten Null Prozent.

Das sind die zehn größten Steuerparadiese der Welt:

  1. Vereinigte Staaten – FSI-Wert: 1.951; kalkulierter Anteil am weltweiten Schatten-Finanzgeschäft: 5,74 Prozent
  2. Schweiz – FSI-Wert: 1.167; kalkulierter Anteil am weltweiten Schatten-Finanzgeschäft: 3,43 Prozent
  3. Singapur – FSI-Wert: 1.167; kalkulierter Anteil am weltweiten Schatten-Finanzgeschäft: 3,43 Prozent
  4. Hong Kong – FSI-Wert: 927; kalkulierter Anteil am weltweiten Schatten-Finanzgeschäft: 2,73 Prozent
  5. Luxembourg – FSI-Wert: 804; kalkulierter Anteil am weltweiten Schatten-Finanzgeschäft: 2,36 Prozent
  6. Japan – FSI-Wert: 765; kalkulierter Anteil am weltweiten Schatten-Finanzgeschäft: 2.25 Prozent
  7. Deutschland – FSI-Wert: 681; kalkulierter Anteil am weltweiten Schatten-Finanzgeschäft: 2,00 Prozent
  8. Vereinigte Arabische Emirate – FSI-Wert: 648; kalkulierter Anteil am weltweiten Schatten-Finanzgeschäft: 1,91 Prozent
  9. Britische Jungferninseln – FSI-Wert: 621; kalkulierter Anteil am weltweiten Schatten-Finanzgeschäft: 1,83 Prozent
  10. Guernsey – FSI-Wert: 610; kalkulierter Anteil am weltweiten Schatten-Finanzgeschäft: 1,80 Prozent

Deutschland landet bei dem Ranking auf dem siebten Platz und entpuppt sich erneut als bedeutender globaler Schattenfinanzplatz. Bereits 2018 hatte Deutschland bei dem Ranking den siebten Platz belegt, 2020 ordnete sich Deutschland auf Platz 14 ein. Die USA hatten in den Vorjahren immer den zweiten Platz belegt und rücken nun zum ersten Mal an die unrühmliche Spitze. Im Report 2020 hatten die Kaimaninseln noch den ersten Platz belegt.

(hf)