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Mehrwertsteuersenkung 2021: Mehrwertsteuer wurde erhöht, außer in der Gastronomie

Mehrwertsteuersenkung endet : Mehrwertsteuer 2021 steigt wieder

Die Mehrwertsteuer verändert sich zum ersten Mal seit über 13 Jahren. Warum? Und was hat die Corona-Pandemie damit zu tun? Lesen Sie hier die wichtigsten Fakten rund um die Mehrwertsteuer.

Was ist eine Mehrwertsteuer?

Die Mehrwertsteuer ist eine Steuer, die in Deutschland auf alle Waren und Dienstleistung erhoben wird, die ein Kunde kauft. Generell werden Waren und Dienstleistungen mit 19 Prozent besteuert, bestimmte Produkte können jedoch auch nur mit sieben Prozent besteuert werden.

Der ermäßigte Steuersatz von sieben Prozent wird auf Produkte des täglichen Bedarfs angesetzt. Also beispielsweise Grundnahrungsmittel wie Brot, Butter, Kartoffeln und Milch. „Luxusgüter“ wie Sojamilch und Süßkartoffeln werden dagegen mit 19 Prozent besteuert.

Dafür werden Lebensmittel wie Trüffel und Wachteleier wiederum mit sieben Prozent besteuert, während auf Windeln und andere Kinderprodukte 19 Prozent aufgeschlagen wird. Auch auf Periodenartikel wie Binden und Tampons galt bis Ende 2019 noch eine Mehrwertsteuer von 19 Prozent – bis sich Frauen und Männer in Petitionen gegen die Besteuerung wehrten.

Bei Dienstleistungen werden Sport- und Kulturangebote oft mit der ermäßigten Mehrwertsteuer versehen. Beispielsweise Tickets für das Fußballspiel, der Kinobesuch oder die Theatervorstellung sind durch den ermäßigten Steuersatz günstiger. Auch auf Bücher und Zeitschriften wird die ermäßigte Mehrwertsteuer von sieben Prozent erhoben.

Die Mehrwertsteuer ist die wichtigste Steuer des Fiskus. Bis zu 25 Prozent der gesamten Steuereinnahmen der Bundesregierung ergeben sich aus dieser Steuer. Nur der Endkäufer eines Produkts bezahlt die Mehrwertsteuer.

Unternehmen entrichten diese Steuer zwar, geben die Kosten jedoch an den Endkäufer weiter. Sie schlagen immer 19 Prozent beziehungsweise sieben Prozent auf den Preis ihres Produkts oder den Preis der Dienstleistung auf.

Die landesweite Mehrwertsteuer ist eine relativ junge Steuer, die 1968 eingeführt und über die Jahre immer wieder angepasst wurde. Der ermäßigte Steuersatz von sieben Prozent gilt seit 1983, der normale Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent gilt seit 2007.

Sind Mehrwertsteuer und Umsatzsteuer das Gleiche?

Umsatzsteuer und Mehrwertsteuer werden oft synonym verwendet. Dabei lautet die korrekte Bezeichnung nach dem Steuergesetz Umsatzsteuer. Der Begriff Mehrwertsteuer wird eher umgangssprachlich verwendet. Auf Rechnungen wird die Umsatzsteuer häufig als Mwst. (Mehrwertsteuer) ausgewiesen, wobei USt. (Umsatzsteuer) eigentlich richtig wäre.

Der Begriff Mehrwertsteuer leitete sich von der Art der Besteuerung ab: Die Umsatzsteuer wird nach dem Prinzip des Mehrwerts berechnet. Darunter zählt auch die Vorsteuer. Das Mehrwertsteuerprinzip besagt, dass die Umsatzsteuer nur auf den Mehrwert beim Verkauf eines Produkts berechnet wird.

Das ist der Unterschied zwischen Mehrwertsteuer und Umsatzsteuer:

Die Umsatzsteuer wird auf Basis des Nettopreises berechnet und ergibt den Bruttopreis.

Nettopreis + Umsatzsteuer = Bruttopreis

Als Mehrwertsteuer wird umgangssprachlich die Differenz aus Umsatzsteuer und Vorsteuer bezeichnet. Kauft ein Lebensmittelhändler beispielsweise Süßkartoffeln im Wert von 100 Euro bei einem Bauer ein, schlägt der Bauer beim Verkauf 19 Euro Umsatzsteuer auf sein Produkt auf.

Diese 19 Euro macht der Lebensmittelhändler als Vorsteuer beim Finanzamt geltend. Beim Verkauf an den Endkunden schlägt der Händler einen Mehrwert auf die Süßkartoffeln auf.

100 Euro Süßkartoffeln + 25 Euro Mehrwert beziehungsweise Gewinn + 19 Prozent Mehrwertsteuer = 148,75 Euro

Berechnet wurden 23,75 Euro Mehrwertsteuer. Tatsächlich bezahlt der Händler jedoch nur 4,75 Euro Umsatzsteuer, da er 19 Euro als Vorsteuer beim Finanzamt geltend machen kann. Diese 4,75 Euro sind 19 Prozent des Gewinns, den er beim Verkauf des Produkts aufgeschlagen hat. Für den Endkunden spielt das keine Rolle. Dieser trägt immer die gesamte Umsatzsteuer.

Wer muss die Mehrwertsteuer zahlen?

Die gesamte Steuerlast der Mehrwertsteuer wird von Herstellern und Verkäufern immer auf den Endkunden „abgewälzt“. Zwischenhändler bezahlen nur eine Umsatzsteuer auf die von ihnen erhobene Gewinnspanne. Die von den Herstellern erhobene Umsatzsteuer machen Sie als sogenannte Vorsteuer beim Finanzamt geltend.

Kauft ein Unternehmen eine Ware beispielsweise für 1000 Euro netto ein und verkauft sie für 1500 Euro netto, berechnet sich ihre Umsatzsteuer lediglich auf der Basis des Gewinns von 500 Euro. In diesem Fall 95 Euro bei einem Umsatzsteuersatz von 19 Prozent.

In der Praxis wäre die Rechnung jedoch etwas komplizierter, da auch der Hersteller 19 Prozent auf den Zwischenhändler abwälzt, diese jedoch vom Zwischenhändler beim Finanzamt als Vorsteuer zurückgeholt wird. Der Endkunde bezahlt für die Ware inklusive Mehrwertsteuer 1785 Euro.

Wie hoch ist die Mehrwertsteuer?

Seit dem 1. Januar 2007 liegt der normale Satz für die Mehrwertsteuer bei 19 Prozent. Der ermäßigte Satz von sieben Prozent gilt bereits seit dem 1. Juli 1983. Aufgrund der Corona-Pandemie 2020 wurde diese Steuer erstmals gesenkt, um Endverbraucher finanziell zu entlasten.

Vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 2020 galt ein ermäßigter Steuersatz von 16 beziehungsweise fünf Prozent. Diese Mehrwertsteuersenkung wurde jedoch von Anfang auf einen Zeitraum von nur einem halben Jahr befristet.

Was ist die Mehrwertsteuersenkung?

Die Mehrwertsteuersenkung war im Zuge der Corona-Pandemie 2020 eine eingeführte Steuersenkung der Mehrwertsteuer, die den Endkunden mit niedrigeren Preisen finanziell entlasten sollte. Die Mehrwertsteuer wurde ab dem ersten Juli befristet bis zum 31. Dezember 2020 auf 16 Prozent und fünf Prozent gesenkt.

Anfang Juni beschloss der Koalitionsausschuss neben der gesenkten Mehrwertsteuer noch weitere Konjunkturpakete. Die Senkung der Mehrwertsteuer für den befristeten Zeitraum von sechs Monaten kostete den Staat geschätzte 20 Milliarden Euro in Steuereinnahmen.

Warum wird die Mehrwertsteuersenkung eingeführt?

Die Mehrwertsteuersenkung war im Juli 2020 eine der Maßnahmen zur Förderung der deutschen Wirtschaft. Die Senkung sollte niedrigere Preise für Waren und Dienstleistungen zur Folge haben und damit den Konsum der von der Corona-Krise geplagten Bevölkerung im Land anregen.

Befristet auf einen Zeitraum von sechs Monaten – vom ersten Juli bis zum 31. Dezember 2020 – wurde die Mehrwertsteuer von 19 und sieben Prozent auf 16 und fünf Prozent gesenkt. Von dieser Senkung profitierten vor allem Privatleute, sofern Verkäufer die Preissenkung von knapp drei und zwei Prozent an ihre Kunden weitergaben.

Aber auch Unternehmen sollten durch den gesteigerten Konsum profitieren und insgesamt größere Umsätze verzeichnen können. Inmitten der Corona-Krise, in der viele Unternehmen kurz vor der Insolvenz standen, wurde ein gesteigerter Umsatz dringend benötigt.

Und natürlich sollte auch die Bundesregierung von einer größeren Kauflaune der Bevölkerung profitieren. Zwar sanken die Steuereinnahmen, doch durch höhere Umsätze sollten staatliche Hilfen zur Rettung von Unternehmen weniger dringend benötigt werden.

Ab wann gilt die Mehrwertsteuersenkung?

Die Mehrwertsteuersenkung trat am ersten Juli 2020 in Kraft und galt bis zum 31. Dezember 2020. Ab dem ersten Januar 2021 gilt wieder der normale Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent beziehungsweise der ermäßigte Steuersatz von sieben Prozent auf alle Waren und Dienstleistungen.

Für wen gilt die Mehrwertsteuersenkung?

Die Mehrwertsteuersenkung gilt auf alle Waren und Dienstleistungen. Unternehmen sind jedoch nicht verpflichtet, die niedrigere Umsatzsteuer an ihre Kunden weiterzugeben. Händler können selbst entscheiden, ob und wie sie die gesenkte Umsatzsteuer an die Kunden weitergeben. Für den Einzelhandel entstehen oft Herausforderungen.

Alle Preisetiketten neu zu drucken würde neben höheren Kosten auch sehr viel Arbeit verursachen. Für kleine Betriebe war dies nicht immer möglich. Da die Preissenkung keine Pflicht war, konnten die Einzelhändler ihre Preise auch beibehalten und damit eine höhere Gewinnspanne erzielen.

Dieses Vorgehen könnte jedoch Kritik der Kundschaft zur Folge haben. Viele Kunden achteten direkt nach dem Inkrafttreten der niedrigeren Mehrwertsteuer, welche Händler den Steuervorteil an die Kunden weitergaben und welche durch gleichbleibende Preise einen höheren Gewinn erzielen wollten.

Eine Anpassung der Preise für jedes einzelne Produkt war für viele Händler gar nicht möglich oder hatte unrunde Preise zur Folge. Oft rechtfertigte der große Aufwand die Anpassung einzelner Preise nicht. Gerade bei günstigen Produkten bewegte sich die Ersparnis lediglich im Centbereich. Eine einfachere Lösung war ein genereller Rabatt auf den Gesamteinkaufsbetrag von zwei bis drei Prozent an der Kasse.

Einige Händler behielten dagegen die Preise für viele Produkte bei und gewährten dafür Sonderrabatte für spezielle Produkte. Tatsächlich lag die Mehrwertsteuersenkung real nicht bei drei Prozent beziehungsweise zwei Prozent für den ermäßigten Mehrwertsteuersatz, sondern bei 2,5 Prozent und 1,9 Prozent.

Wie rechnet man die neue Mehrwertsteuer heraus?

Die Mehrwertsteuersenkung ergab im Jahr 2020 keinen Preisnachlass von runden drei beziehungsweise zwei Prozent auf ein Produkt oder eine Dienstleistung. Denn die neue Mehrwertsteuer wurde nicht vom Nettopreis abgezogen, sondern von dem Bruttopreis, der die Mehrwertsteuer von 19 Prozent enthielt.

Das ergibt einen Preisnachlass von 2,5 beziehungsweise 1,9 Prozent auf den vorher gültigen Bruttopreis.

So rechnen Sie die neue Mehrwertsteuer heraus:

Die neue Mehrwertsteuer wird auf Basis des Nettopreises berechnet. Ein Produkt, das am 30. Juni 2020 noch 119 Euro kostete, kostet am 1. Juli 2020 nur noch 116 Euro. Das macht eine Preisersparnis von drei Euro – eine Preisersparnis von rund 2,5 Prozent.

Drei Prozent von 119 Euro wären 3,57 Euro. Die Preissenkung wird jedoch auf dem Nettopreis (ohne Mehrwertsteuer) von 100 Euro berechnet. Das sind dann nur drei Euro. Bei einem ermäßigten Steuersatz von fünf Prozent wären es zwei Euro.

Um die neue Mehrwertsteuer aus dem Produktpreis herauszurechnen müssen Sie also zunächst den Nettopreis berechnen. Teilen Sie dafür den Bruttopreis durch den Faktor 1,19 oder teilen Sie den Bruttopreis durch 119 und multiplizieren Sie das Ergebnis mit 100.

Beispiel:

119 Euro x 1,19 = 100 Euro

oder

119 Euro ÷ 119 x 100 = 100 Euro

So erhalten Sie den Nettopreis. Auf diesen Preis wird die neue Mehrwertsteuer von 16 Prozent oder fünf Prozent berechnet. Also:

100 Euro x 1,16 = 116 Euro

oder

100 Euro ÷ 116 x 100 = 116 Euro

Die Senkung von 3 Euro auf den vorherigen Bruttopreis von 119 Euro entsprechen einer Senkung von 2,52 Prozent. Vom Nettopreis von 100 Euro sind es jedoch die vollen drei Prozent. Die gleiche Rechnung gilt auch bei einem ermäßigten Steuersatz von fünf Prozent.

Welche Mehrwertsteuer wird gesenkt?

Die Mehrwertsteuersenkung galt auf alle Waren, Produkte und Dienstleistungen, die im Zeitraum vom ersten Juli 2020 bis zum 31. Dezember 2020 versandt, geliefert oder abgeschlossen wurden. Der Zeitpunkt der Bestellung oder der Zeitpunkt des Vertragsabschlusses war dagegen nicht entscheidend.

Wurde beispielsweise ein neues Auto vor dem 30. Juni 2020 gekauft, aber erst zwischen dem ersten Juli 2020 und dem Jahresende geliefert, musste der Kaufpreis angepasst und die ermäßigte Mehrwertsteuer auf den Kaufpreis berechnet werden.

Waschmaschinen und weitere Waren, die nach dem 30. Juni 2020 geliefert wurden sowie Handwerksarbeiten, die im Zeitraum der Mehrwertsteuersenkung abgeschlossen wurden, sollten ebenfalls mit dem gesenkten Mehrwertsteuersatz von 16 Prozent besteuert werden. Bei größeren Anschaffungen lohnte es sich durchaus, diese im Zeitraum der Mehrwertsteuersenkung zu tätigen.

Einen Preisnachlass könnten Verbraucher vor allem beim Essen im Restaurant bemerkt haben: Die Regierung beschloss, dass die ermäßigte Mehrwertsteuer auch beim Speisen in Restaurants vor Ort gelten solle. Auf Getränke galt jedoch weiterhin der reguläre Mehrwertsteuersatz. Mit Ausnahmen. Die Regelungen für Gastronomen waren kompliziert.

Was bewirkt die Mehrwertsteuersenkung?

Die Mehrwertsteuersenkung sollte den Konsum in Deutschland durch die Preissenkungen anregen. Nicht alle Unternehmen und Verkäufer konnten oder wollten jedoch eine Preissenkung an den Kunden weitergeben. Bei günstigen Produkten bewegte sich die Anpassung im Centbereich und Stand nicht im Verhältnis zum Aufwand.

Eins zu eins weitergegeben wurde die Mehrwertsteuersenkung in den meisten Fällen nicht. Unternehmen und Einzelhändler hatten durch die Mehrwertsteuersenkung jedoch einen größeren Handelsspielraum bei der Preisgestaltung, konnten Sonderrabatte auf bestimmte Produktgruppen gewähren, während andere Produkte sich im Preis nicht veränderten.

Bereits im Dezember 2020 zeichnete sich jedoch ab: Der bürokratische Aufwand der befristeten Umstellung war groß, ein deutlicher Konsumzuwachs blieb aus. Unternehmer hätten sich eine längerfristige Lösung gewünscht, da die Corona-Krise auch nicht mit dem Jahreswechsel verschwand.

Zwar konnten Unternehmer teilweise einen steigenden Umsatz verzeichnen, doch mit steigenden Coronainfektionen fiel auch wieder die Kauflaune. Auch für die Staatskasse zahlte sich der Verlust von 20 Milliarden Euro zugunsten der Mehrwertsteuersenkung nicht aus. Ein Ende der Krise ist noch nicht abzusehen. Bis sich die Lage durch eine wirksame Impfung entspannt, wird leider noch dauern.

Wie lange gilt die Mehrwertsteuersenkung?

Die Mehrwertsteuersenkung läuft zum 31. Dezember 2020 aus. Verlängert werden soll die Maßnahme zur Ankurblung der Konjunktur nicht. Das betonte der Finanzminister Olaf Scholz immer wieder. Im Januar 2021 werden die Preise wieder steigen. Doch nicht bei allen Händlern.

Supermärkte und Discounter könnten die Preissenkungen noch weiter beibehalten, obwohl die Unternehmen ab dem ersten Januar wieder den normalen Mehrwertsteuersatz an das Finanzamt weitergeben müssen. Der Wettbewerbsdruck ist groß.