Was es kostet: So teuer ist der Friedhof

Was es kostet: So teuer ist der Friedhof

Düsseldorf (RP). Grabgebühren, Trauerhalle, Ausheben und Schließen des Grabes - für Bürger sind die Kostenrechnungen häufig ein Buch mit sieben Siegeln. Und der Gebührendschungel wird sich kaum lichten.

Bei den Friedhofsgebühren drehen Städte und Gemeinden immer kräftiger an der Gebührenschraube. In einzelnen Fällen beklagen Verbraucherverbände sogar eine Verdoppelung sowohl für Erd- als auch für Urnengräber. Die Gründe: Den Friedhofsverwaltern gehen die Kunden und damit die Einnahmen aus. Immer mehr Angehörige verzichten frühzeitig auf ihre langjährigen Nutzungsrechte. Die freien und frei werdenden Flächen müssen gepflegt werden. Auch immer mehr Platz sparende Urnenbestattungen bringen die bisherigen Planungen der Kommunen ins Wanken.

Doch statt die Friedhofsgrößen dem schwindenden Bedarf anzupassen und Flächenüberhänge abzubauen, "legen die meisten Kommjunen ihre höheren Kosten auf immer weniger Nutzer um", wie die Verbraucherinitiative Aeternitas in Königswinter beoebachtet. Damit nicht genug. Viele Gemeinden subventionierten mit den Friedhofsgebühren auch die Pflege von Parks und Stadtgärten, vermuten Experten und verweisen auf zahlreiche Verfahren, in denen Gerichte Friedhofssatzungen für rechtswidrig erklärt hätten.

Friedhöfe in Großstädten teurer

Dem Bürger bleiben die Kostenrechnungen der bundesweit 32.000 Friedhöfe ohnehin ein Rätsel. Während etwa für Grabnutzung und Bestattung in einem Erdreihengrab im sauerländischen Arnsberg 3539 Euro an Gebühren zu zahlen sind, kostet die letzte Ruhe im niederrheinischen Heinsberg 425 Euro. Für ein Urnenreihengrab sind in Aachen 2453, in der nahen Gemeinde Titz gerade mal 174 Euro fällig. Das hat der Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr in einem landesweiten Vergleich ermittelt. Nahe der holländischen Grenze ist eine Bestattung in der Regel wesentlich billiger als rund um Düsseldorf.

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Größter Posten sind traditionell die Grabgebühren, bei deren Berechnung die Kommunen Größe und Nutzungsdauer der Ruhestätte, meist zwischen 20 und 30 Jahren, fest vorgeben. Mehr und mehr Friedhofsverwaltungen langen aber auch beim Ausheben und Schließen des Grabes, bei der Nutzung von Trauerhalle und Krematorium wie bei Bestattungsgenehmigungen kräftig hin. Mal verteuert das die Beerdigungskosten um einige hundert Euro, immer häufiger jedoch verdoppeln sich damit die Gebühren. In Städten wie Krefeld, Kaarst und Grevenbroich droht gar die Verdreifachung. Trickreich begegnen Verwaltungen auch dem zunehmenden Trend zur anonymen Urnenbestattung. Sie erheben dafür Gebühren in gleicher oder ähnlicher Höhe wie für die Beisetzung in einem Erdreihengrab. In Bocholt wie in Wesel ist die anonyme Ruhestätte sogar schon teurer als ein Urnengrab nach Wahl.

Der Gebührendschungel wird sich auch künftig kaum lichten. Obwohl der Bund der Steuerzahler zunehmende Ungerechtigkeiten und generell um 15 bis 20 Prozent überhöhte Friedhofsgebühren beklagt, diskutieren Kommunen in der Region die weitere, oft drastische Anhebung ihrer Abgaben. Beispielsweise ist das in Düsseldorf und Erkelenz der Fall.

Den Bürgern bleibt kaum eine Wahl, als das hinzunehmen. Zwar muss niemand die Angehörigen an deren letzten Wohnort beerdigen lassen, aber viele Kommunen verweigern die Beisetzung Auswärtiger. Lichtblick: Der Steuerzahlerbund will in besonders drastischen Fällen von Gebührenerhöhungen Musterklagen einreichen.

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