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Rente mit 63: Mehr Rente durch Einmalzahlung - dadurch Steuern sparen

Rente mit 63 : Mehr Rente durch Einmalzahlung

Viele Menschen wollen schon mit 63 Jahren aus dem Arbeitsleben aussteigen. Aber die Abschläge sind hoch. Der Ausweg: Mit Einmalzahlungen kann man die Rente erhöhen und zugleich Steuern sparen.

Welches Thema interessiert Berufstätige rund um den 60. Geburtstag besonders? Sie fragen sich, ob es sinnvoll ist, früher in den Ruhestand zu gehen. „Eine vorgezogene Rente ist für viele attraktiv, aber die Details müssen genau geklärt werden“, sagt Petra Anton von der Evolog Rentenberatung.

Eine Option ist, ohne Abschläge mit 63 Jahren in Rente zu gehen, sofern der Bürger 45 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt hat. Diese Möglichkeit wurde 2014 eingeführt, sie ist besonders beliebt bei früheren Facharbeitern und Facharbeiterinnen, aber auf diese Option gehen wir in diesem Beitrag nicht weiter ein.

Die Deutsche Rentenversicherung hat aber auch vor mehr als zehn Jahren die Option eingeführt, bereits mit 63 Jahren auch in Rente gehen zu können, sofern der Beitragszahler wenigstens 35 Versicherungsjahre angesammelt hat. Wichtig: Bei den 35 Jahren zählen ein Dienst bei Bundeswehr oder der Zivildienst mit, zudem Schul- und Studienzeiten bis zu acht Jahren sowie Zeiten für Kindererziehung, längere Krankheiten oder für Pflege.

Aber der Beschäftigte muss bei dieser Möglichkeit für jeden Monat, den er vor dem eigentlich vorgesehenen Rententermin aufhört, einen Abschlag von 0,3 Prozent akzeptieren. Das sind pro Jahr 3,6 Prozent, in drei Jahren 10,8 Prozent. Bis zu 14,4 Prozent Abschlag sind möglich ab dem Jahrgang 1964, wenn die Menschen eigentlich erst mit 67 in den Ruhestand gehen sollen.

Doch weil man im vorgezogenen Ruhestand auch keine Rentenbeiträge mehr zahlt, sind die Einschnitte noch härter. Aktuell verdient ein Durchschnittsverdiener laut Rentenversicherung in Westdeutschland 40.551 Euro. Für den in einem Jahr eingezahlten Beitrag von Arbeitnehmer und Arbeitgeber gibt es eine Zusatzrente von 34,19 Euro. Bei einer um drei Jahre vorgezogenen Rente kommt es zusätzlich zum Abschlag also zu einem Verlust von weiteren 102,57 Euro im Monat.

Aber wenigstens der prozentuale Abschlag kann vom Bürger ausgeglichen werden. Dies geht, indem man die Deutsche Rentenversicherung bittet zu prüfen, ob man voraussichtlich mit dem 63.  Lebensjahr die geforderten 35 Anwartschaftsjahre voll haben wird. Dann erhält man eine „besondere Rentenauskunft“, der zu entnehmen ist, wie viel Nachzahlung sie leisten können.

Wann ist diese Zusatzzahlung sinnvoll?  Je höher die Lebenserwartung liegt, umso besser, weil der Bürger so möglichst lange von der erhöhten Rente profitiert.  Die steuerlichen Folgen müssen durchdacht werden:  Wer mit einem Schulleiter verheiratet ist, für den sind Ausgleichszahlungen möglicherweise weniger lohnend als für den Ehepartner einer Teilzeitkraft. Denn die spätere, höhere Rente muss versteuert werden. Und je höher das Einkommen des Partners ist, umso stärker muss die eigene Rente versteuert werden.

Um die Zusatzeinzahlungen zum Steuersparen zu nutzen, sollten sie über mehrere Jahre verteilt werden: Denn erstens sind die Beiträge nur abzugsfähig, wenn sie gemeinsam mit den Pflichtbeiträgen zur Rentenversicherung den steuerlichen Höchstbetrag von 25.046 Euro (Ledige) oder 50.092 Euro bei Verheirateten nicht überschreiten. Zweitens bringt es mehr Steuerersparnis, wenn über mehrere Jahre lang hinweg jeweils einige Tausend Euro vom zu versteuernden Einkommen abgezogen werden als in wenigen Jahren sehr große Beträge. „Geschicktes Verteilen der Einzahlungen ebnet die Steuerlast ein“, sagt Werner Siepe, Rentenexperte aus Erkrath.

Der Finanzmathematiker hat ein Beispiel ausgerechnet: Wenn eine 1964 geborener Gutverdienerin schon mit 63 statt mit 67 in Rente gehen will, muss sie einen Abschlag von 14,4 Prozent hinnehmen. Statt 2051,40 Euro Monatsrente erhält sie 1756 Euro Rente im Monat. Ist sie privat krankenversichert, kommt noch ein Zuschuss von rund 139 Euro oben drauf. Um doch wieder auf 2051,40 Euro zu kommen, also 295,40 Euro mehr im Monat, müsste sie 76.130 Euro einzahlen.  Um dieses Geld wieder einzuspielen, müsste sie ohne Berücksichtigung von Inflation und von Steuervorteilen 22,3 Jahre leben, also bis zum 85 Lebensjahr. Heute 63-jährige Frauen haben aber eine Lebenserwartung von gut 25 Jahren, so das Statistische Bundesamt.

Siepe hat für die 1964 geborene Frau eine Rentenrendite von 3,7 Prozent ausgerechnet, sofern er eine jährliche Rentensteigerung von zwei Prozent annimmt und die Frau 88 Jahre wird. Nach Steuern könnte die Rendite sogar auf mehr als vier Prozent steigen. Das ist viel gemessen an den Nullrenditen von Sparbüchern.

Dabei müssen die Bürger drei Dinge beachten. Erstens :Einmal eingezahlte Sonderzahlungen gibt es nicht zurück. „Sie erhöhen die Rente, aber es gibt keinerlei angespartes Kapital zur Versorgung der Hinterbliebenen“, erklärt Beraterin Anton.  

Zweitens: Wer einzahlt, ist nicht verpflichtet, wirklich mit 63 in Rente zu gehen. Er oder sie kann auch mit 64 oder 65 gehen und erhält dann einfach eine höhere Rente. „Dann ist die Sonderzahlung nichts anderes als eine stabile Geldanlage mit dem Risiko, dass es sich nicht lohnt, falls ich früh sterbe“ so Frau Anton.

Die Chance ist aber, dass es die höhere Rente möglicherweise sehr lange gibt. Siepe: „Je fitter jemand ist und umso höhere Rücklagen er oder sie hat, umso schlauer sind die Sondereinzahlungen.“