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Ramadan: Regeln, Bräuche, Bedeutung - Infos zum muslimischen Fastenmonat

Muslimischer Fastenmonat : Das müssen Sie über den Ramadan wissen

Der Ramadan ist der Fastenmonat der weltweit etwa 1,9 Milliarden Muslime. Es handelt sich um den neunten Monat des islamischen Kalenders. An seinem Ende steht traditionell ein dreitägiges Fest des Fastenbrechens, das den zweithöchsten islamischen Feiertag nach dem Opferfest markiert.

Vom 23. April bis zum 24. Mai feiern die Muslime im Jahr 2020 den Fastenmonat Ramadan. Da die Muslime nach einem reinen Mondkalender leben, schiebt sich der Ramadan pro Jahr um etwa zehn bis elf Tage nach vorne, sodass die Fastenzeit im Laufe der Zeit alle Jahreszeiten streift. Daher kann man ihn zwar weder Sommer noch Winter zuordnen, doch die Menschen, die fasten, sind sich der verbindenden Besinnlichkeit und seelischen Einkehr zu jeder Jahreszeit bewusst.

Was bedeutet Ramadan?

Ramadan bedeutet übersetzt "der heiße Monat". Damit ist nicht die hohe Außentemperatur gemeint, die ja in vielen islamischen Ländern durchaus vorherrscht, sondern die Hitze, die im Inneren entsteht, wenn man Hunger und Durst hat. Eine weitere Interpretation deutet den Begriff als Ausbrennen der Sünde.

Die innere Einkehr und die Konzentration auf Gott im Ramadan stellen einige der Grundpfeiler des Glaubens dar, neben den folgenden Säulen: Pilgerfahrt nach Mekka, Almosen an die Armen geben (Zakat), das Bezeugen der Einheit Gottes und der Prophetenschaft Mohammeds und das täglich fünfmalige Gebet.

Im Ramadan werden die religiösen Pflichten der Muslime sichtbar. Der Überlieferung zufolge ist in diesem Monat der Koran aus dem Himmel herabgesandt worden. Im Ramadan sollen die muslimischen Gläubigen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang fasten und sich auch anderer irdischer Freuden wie Geschlechtsverkehr oder Rauchen enthalten. Auch moralisch-ethische Aspekte sind zu beachten. So soll man während des Ramadan beispielsweise nicht lügen oder fluchen, sondern das Herz und den geist möglichst rein und frei von Sünde halten.

Wie ist der Ramadan entstanden?

Laut der Überlieferung wurde der Koran von Allah selbst seinem Propheten Mohamed im Jahre 610 im Ramadan übergeben. So steht es in Al-Qadr, der 97. Sure des Koran: "Wahrlich, Wir haben ihn (den Qur'an) herabgesandt in der Nacht von Al-Qadr. Und was lehrt dich wissen, was die Nacht von Al-Qadr ist? Die Nacht von Al-Qadr ist besser als tausend Monate. In ihr steigen die Engel und Gabriel herab mit der Erlaubnis ihres Herrn zu jeglichem Geheiß.Frieden ist sie bis zum Anbruch der Morgenröte."

Da man das genaue Datum nicht kennt, wurde der gesamte Monat zum Fastenmonat erhoben. Das fasten selbst geht nicht auf arabisch-muslimische Traditionen zurück. Auch Juden und Christen fasteten bereits. Erst im zweiten Jahr der "Hidschra", also der Auswanderung Mohammeds aus Mekka (623-624) etablierte sich eine muslimische Tradition des Fastens.

In Sure 2, Vers 183-185 finden Gläubige die entsprechenden Anweisungen:

  • Vers 183: "O die ihr glaubt, vorgeschrieben ist euch das Fasten, so wie es denjenigen vor euch vorgeschrieben war, auf dass ihr gottesfürchtig werden möget."
  • Vers 184: "(Vorgeschrieben ist es euch) an bestimmten Tagen. Wer von euch jedoch krank ist oder sich auf einer Reise befindet, der soll eine (gleiche) Anzahl von anderen Tagen (fasten). Und denjenigen, die es zu leisten vermögen, ist als Ersatz die Speisung eines Armen auferlegt. Wer aber freiwillig Gutes tut, für den ist es besser. Und dass ihr fastet, ist besser für euch, wenn ihr (es) nur wisst!"
  • Vers 185: "Der Monat Ramaḍān (ist es), in dem der Qurʾān als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klare Beweise der Rechtleitung und der Unterscheidung. Wer also von euch während dieses Monats anwesend ist, der soll ihn fasten, wer jedoch krank ist oder sich auf einer Reise befindet, (der soll) eine (gleiche) Anzahl von anderen Tagen (fasten). Allah will für euch Erleichterung; Er will für euch nicht Erschwernis, – damit ihr die Anzahl vollendet und Allah als den Größten preist, dafür, dass Er euch rechtgeleitet hat, auf dass ihr dankbar sein möget."

Damit sind die grundlegenden und bis heute gültigen Richtlinien für den Fastenmonat Ramadan bereits in der Heiligen Schrift der Muslime dargelegt worden. Muslime in aller Welt leben danach und feiern im Anschluss an das Fasten ein großes dreitägiges Fest, das für muslimische Familien vergleichbar ist mit dem christlichen Weihnachtsfest. Verwandte, Freunde und Bekannte besuchen sich gegenseitig, wünschen sich Frieden und verteilen Geschenke.

Wer muss im Ramadan nicht fasten?

Natürlich fasten nur gläubige und gesunde Muslime im muslimischen Fastenmonat Ramadan. Angehörige anderer Religionsgruppen trifft das Fastengebot nicht.

Ausgenommen vom Fasten-Ritus sind auch Personen, die gesundheitlichen Schaden zu befürchten hätten, wenn sie sich an die Fastenregeln halten würden. Kranke, Altersschwache, Schwangere, stillende Mütter, Frauen in der Menstruation und ähnliche Personengruppen sind von der Pflicht zu fasten befreit. Sie sollen, sofern sie unter einer chronischen Krankheit leiden, die sich nicht bessert, für jeden versäumten Tag Bedürftige speisen. Menschen, die noch vorübergehend unpässlich sind, können die versäumten Fastentage zu einem anderen Zeitpunkt nachholen.

In welchen Ländern wird Ramadan gefeiert?

In allen muslimischen Ländern wird im Ramadan gefastet. Gefeiert wird allerdings in erster Linie das Ende der Fastenzeit. Mit dem Zuckerfest zelebrieren Muslime das Fastenbrechen bzw. das Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan mit einem dreitägigen Fest, das weltweit unter der Bezeichnung Id al-Fitr (türkisch Ramazan Bayramı) bekannt ist. Zu dieser Gelegenheit besuchen in der Regel jüngere Muslime ihre älteren Verwandten und versammeln sich an reich gedeckten Tafeln, auf denen vor allem süßes Gebäck und andere Leckereien gereicht werden. Daher stammt der Name Zuckerfest.

Auf die Frage, ob Ramadan in allen muslimischen Ländern identisch begangen wird, antwortet Suphian Al-Sayad vom Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD): "In der Regel ja, aber regional gibt es Unterschiede, weil der Monatsbeginn nach unterschiedlichen Kriterien erfasst wird. Mal geschieht dies durch die Sichtung des Mondes, mal durch Sichtung und Berechnung und mal nur auf Grundlage der Berechnung - wie bei uns. Seit 2008 begehen in Deutschland alle großen islamischen Gemeinschaften den Ramadan und das Ramadanfest zum selben Zeitpunkt", sagt er.

Hierbei folgten die im Koordinationsrat der Muslime in Deutschland KRM vertretenen Religionsgemeinschaften der von der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) bereits im Jahre 1978 erarbeiteten Grundlage, dass der neue Monat nach der Geburt des Neumonds mit der berechneten möglichen frühesten Sichtung an jedem Ort der Welt beginnt. Die unterschiedlichen wissenschaftlichen Berechnungsmethoden der Gemeinschaften seien zugunsten der Einheit der Muslime in Deutschland zurückgestellt bzw. harmonisiert worden.

Welches Gebet wird an Ramadan gesprochen?

Nach dem Nachtgebet (Salatu’l Ischa, türk. Yatsi Namazi) in der Moschee betet der gläubige Muslim in der Regel das Tarawih-Gebet. Dabei handelt es sich um ein freiwilliges zusätzliches Ritualgebet. Es ist in bis zu 20 Gebetsabschnitte (saka) aufgeteilt. Als einziges Gebet der Sunna wird das Tarawih-Gebet in der Gemeinschaft mit anderen Gläubigen gebetet. Im Anschluss an das Tarawih werden auch noch öfter das Schafi‘ und Witr-Gebet gesprochen.

Was ist an Ramadan verboten?

Im islamischen Fastenmonat sollen die gläubigen Muslime von Sonnnenauf- bis Sonnenuntergang nichts essen oder trinken. Sie sollen nicht rauchen, dürfen keinen Geschlechtsverkehr haben und sollen grundsätzlich nichts Böses tun. Das tägliche Fasten steht im Islam auch für die innere Einkehr und spirituelle Erfüllung.

In manchen muslimischen Staaten wird eine Missachtung der Fastenregeln unter Strafe gestellt. Marokko oder Saudi-Arabien verhängen empfindliche Freiheitsstrafen gegen Menschen, die in der Öffentlichkeit essen. In manchen Ländern ist dies sogar Andersgläubigen verboten. Auch Impfungen sind im Ramadan untersagt, weshalb Muslime ihre Impftermine weit im Voraus planen, um nicht mit dem Verbot in Konflikt zu geraten.

Wie begrüßt man sich an Ramadan?

Zum Fest des Fastenbrechens wünscht man sich mit den Worten “eid mubarak" bzw. "eid said“ (arabisch) oder “Bayramınız mübarek olsun“ (türkisch) ein frohes und gesegnetes Fest. In Südostasien verwendet man die Worte “selamat hari raya“, was so viel bedeutet wie “Segen zum Feiertag.“ Zudem begrüßen jüngere Muslime ältere Familienmitglieder, aber auch Bekannte oder Lehrer mit einem Handkuss. Damit drücken sie Liebe, Respekt und Treue gegenüber diesen Menschen aus. Zum Zuckerfest erhalten die Jüngeren von den Älteren nach diesem ehrerbietigen Gruß Geschenke.

Wie funktioniert das Fasten während des Ramadan?

Vom Beginn der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang darf ein Muslim nichts essen oder trinken. Die Regel gilt für gesunde, mündige Muslime. Kinder und Jugendliche, die die Pubertät noch nicht erreicht haben, können sich langsam an das Fasten gewöhnen, müssen es aber nicht so kompromisslos umsetzen wie die Erwachsenen. Kranke, Altersschwache, Schwangere, stillende Mütter, Frauen in der Menstruation und andere Personengruppen, für die Nahrungsverzicht eine akute Gefahr darstellen würde, sind von dem Gebot, den ganzen Tag lang nichts zu essen oder zu trinken, ausgenommen.

Zudem muss man auch in anderen Bereichen enthaltsam leben. Rauchen, Geschlechtsverkehr und jede Form von unsittlichem oder "bösen" Gedankengut sind verboten. Nach Sonnenuntergang trifft man sich in den Familien zum Essen, dem "Iftar", wobei das abendliche Speisen nicht zur unkontrollierten Völlerei werden soll. Der Prophet Mohammed hatte einst geboten, den Magen immer zu einem Drittel mit Essen und zu einem weiteren Drittel mit Flüssigkeit zu füllen. Das restliche Drittel des Magens sollte leer bleiben.

In nicht-islamischen Ländern wünschen sich viele Muslime von ihren Arbeitgebern, dass sie während des Ramadan körperlich nicht so schwer arbeiten müssen, um sich keiner gesundheitlichen Gefahr auszusetzen.

Warum gibt es Unterschiede beim Datum des Ramadan?

Der Ramadan folgt den Regeln des islamischen Mondkalenders. Im Gegensatz zum in weiten Teilen der Welt gängigen Sonnenkalender verfügt der Mondkalender nur über 354 bzw. 355 Tage. Dadurch verschiebt sich der Ramadan jedes Jahr um zehn oder elf Tage nach vorne, sodass er im Laufe der Zeit alle Jahreszeiten streift. Daher kommt es vor, dass fastende Muslime im Winter weitaus kürzere Fastenphasen überstehen müssen als an langen Sommertagen, an denen die Sonne erst sehr spät untergeht und die Gläubigen daher mitunter sehr auf die Probe stellt.

Zudem gibt es unterschiedliche Berechnungsgrundlagen für das den Beginn des Fastenmonats. Das tut dem Gemeinschaftsgefühl und der feierlichen Stimmung der meisten Muslime während des Fastenmonats allerdings keinen Abbruch. Sie freuen sich auf das gemeinsame Fastenbrechen nach Sonnenuntergang und auf das Zuckerfest, das sich nach der Fastenzeit anschließt und nicht selten zum üppigen Schmaus wird.

Hier geht es zur Infostrecke: 10 spannende Infos zum Ramadan

(mi)