Test Staubsauger: Vorsicht bei Billigprodukten

Berlin/Leipzig (rpo). Staubsauger werden in allen Größen, Farben und Preisen angeboten. Doch welche Sauger beseitigen wirklich allen Staub und behalten ihn im Inneren? Aufschluss über ein gutes Preis-Leistungsverhältnis geben weder die Angaben der Herstelller noch ein kurzes Probesaugen im Geschäft. Potenzielle Käufer sollten sich deshalb vorab bei neutralen Stellen informieren.

Dies ist beispielsweise im Internet oder direkt bei der Stiftung Warentest möglich. Entspricht ein Sauger den persönlichen Vorstellungen, kann man ihn dann gezielt bei einem günstigen Anbieter kaufen. Wolfgang Ohms von der Stiftung Warentest weiß, worauf es beim Kauf eines Staubsaugers ankommt. Er war federführend bei zwei großen Staubsauger-Tests der Stiftung. Sie hat die preiswerteren Modelle bis 150 Euro und zuvor die teureren Varianten unter die Lupe genommen. Das Fazit der Tester: Ein gutes Gerät hat seinen Preis, Billigprodukte taugen in der Regel nichts.

Filter und Dichtigkeit sind wichtiger als Watt-Zahl

"Wichtig ist, dass bei einem Staubsauger die Gesamtkonzeption stimmt", sagt Ohms. Ein starker Motor mit einer hohen Watt-Zahl allein nütze nicht viel, wenn die Schlauchführung nicht stimmt, das Filtersystem schlecht oder das Gehäuse undicht ist und der Staub deshalb wieder nach außen gelangt. Mindestes 100 Euro müsse man für einen akzeptablen Bodenstaubsauger einplanen, berichtet der Experte.

Wer zu Hause sehr viel Teppichboden hat, sollte sogar mit mehr rechnen. Preiswertere Geräte zwischen 100 und 130 Euro hätten auf glatten Böden teilweise gute Ergebnisse erzielt, mit diversen Fusseln auf dem Teppich allerdings ein Problem gehabt. Besser bei der Faseraufnahme seien die teureren Geräte zwischen 300 und 400 Euro gewesen, weil sie über eine vorschaltbare Teppichdüse verfügten.

Sowohl diesen Aspekt als auch das Staubrückhaltevermögen - ein weiteres wichtiges Kriterium - könne der Laie beim Kauf nicht testen. Dabei ist es Ohms zufolge sehr bedeutsam für die Qualität eines Gerätes, wie gut es den Staub im Beutel zurückhält. Billigprodukte seien häufig undicht, etwa weil das Filtersystem nicht sorgfältig verarbeitet wurde oder der Filter an der falschen Stelle sitzt. Besonders für Hausstaub-Allergiker aber sei dieser Punkt entscheidend.

Staubrückhaltevermögen ist entscheidend

Nicht unbedingt nötig ist nach Ansicht der Tester der Kauf eines Staubsaugers mit einem so genannten HEPA-Filter, der Allergikern oft empfohlen wird. "Diese Filter müssen alle zwei Jahre gewechselt werden. Diese 30 Euro kann man sich sparen", rät Ohms. Stattdessen empfehle er auch Allergikern Modelle mit sehr gutem Staubrückhaltevermögen.

Die einzigen Aspekte, die der Käufer im Geschäft selbst ausprobieren kann, sind Handlichkeit und Lautstärke des Staubsaugers: Wie viel Platz nimmt er in Anspruch? Wie lässt er sich auf dem Teppich führen? Wie laut ist er? - Die wesentlichen Eigenschaften aber blieben für den Käufer verborgen, sagt Ohms. Nicht blenden lassen soll man sich ihm zufolge von hohen Watt-Angaben der Hersteller, die meist nichts über die tatsächliche Leistung des Gerätes aussagten.

Der Fachmann rät zum Kauf von Bodenstaubsaugern, die hier zu Lande am gängigsten sind. Die etwas umständlicheren Handstaubsauger, bei denen Motor und Beutel an der Führungsstange befestigt sind, seien dagegen nicht empfehlenswert. Sie hätten sehr kleine Beutel und seien deshalb nur für winzige Wohnungen geeignet.

Generell abzulehnen sind nach den Erfahrungen der Produktexpertin Evelin Voss von der Verbraucherzentrale in Leipzig so genannte Haustürgeschäfte. "Das ist immer ein Risiko, denn es gibt keine Möglichkeit zur Überprüfung des Preis-Leistungs-Verhältnisses", warnt sie. Wer sich zu Hause von einem Vertreter einen Staubsauger aufschwatzen lasse, müsse damit rechnen, dafür deutlich mehr zu zahlen als für ein vergleichbares Gerät im Handel. Außerdem brauche man für die Aufbewahrung dieser Geräte wegen ihrer zahlreichen Zusatzteile, von denen viele letztlich gar nicht genutzt würden, sehr viel Platz. Offenbar sind die besten Zeiten der Staubsauger-Vertreter aber vorbei. Viele Menschen sind Voss zufolge bei Geschäften an der Haustür sehr vorsichtig geworden. "Die Masche ist langsam bekannt", sagt sie.

(afp)
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