Altersabstand wichtig: Geteilte Kinderzimmer: Gut für soziale Kompetenz

Altersabstand wichtig : Geteilte Kinderzimmer: Gut für soziale Kompetenz

Hamburg (rpo). Da große Wohnungen oft teuer sind, können viele Eltern nicht jedem ihrer Kinder ein eigenes Zimmer bieten. Das ist aber auch gar nicht so dramatisch, wenn der Altersunterschied der Geschwister nicht zu groß ist. Denn wenn sich Kinder ein Zimmer teilen müssen, hilft ihnen das bei der Entwicklung ihrer sozialen Kompetenz.

Manche Eltern haben bei der Zimmerteilung ein schlechtes Gewissen. Denn viele Erziehungsratgeber erheben das eigene Zimmer spätestens zum Schulbeginn zum Muss. "Eltern, die zwei Kinder in einem Kinderzimmer unterbringen, müssen aber kein schlechtes Gewissen haben", sagt Gabriella Wienke, Leiterin eines Kindergartens in Hamburg-Niendorf. Denn ein gemeinsamer Raum hat auch entscheidende Vorteile für die kindliche Entwicklung.

Durch das Zusammenwohnen lernen Kinder schon früh, Konflikte zu bewältigen und entwickeln soziale Kompetenz. Da die Kinder auch abends nicht allein sind, schafft das Zweierzimmer zusätzliches Vertrauen. Allerdings sollte der Altersabstand zwischen den Geschwistern nicht zu groß sein. "Ein Baby im Zimmer eines Schulanfängers kann durch nächtliches Gebrüll nerven", warnt Wienke.

Kinderzimmer sind in der Wohnung oft die kleinsten Räume, obwohl sie multifunktional zum Schlafen, Arbeiten, Spielen und Toben genutzt werden. "Müssen zwei Kinder sich einen Raum teilen, sollte über einen Zimmertausch nachgedacht werden", rät Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie in Bad Honnef (Nordrhein-Westfalen). Die Kinder könnten in das meist größere Elternschlafzimmer umziehen.

"Im Kinderzimmer für zwei sollten möglichst früh Individualzonen eingerichet werden, da Kids unterschiedliche Interessen haben", sagt Geismann. Idealerweise hat jedes Kind in seinem Zimmerteil ein eigenes Bett, einen eigenen Schreibtisch und einen individuellen Spielbereich. Als Raumteiler bieten sich Paravents oder ein langer Schreibtisch an, an dem sich leicht zwei separate Arbeitsplätze einrichten lassen. Beim Aufteilen des Raums sollte aber immer darauf geachtet werden, dass beide Hälften genügend Tageslicht haben.

Optische Teilung

Räumliche Trennung kann aber auch ohne massive Raumteiler oder Vorhänge realisiert werden. Manchmal reicht es aus, für Wände oder Bodenbeläge unterschiedliche Farben zu wählen, und damit eine optische Teilung zu schaffen. Auch die Betten können mit unterschiedlichen Bezügen bezogen werden. "Kleine Mädchen lieben rosa Prinzessinnenbettwäsche, kleine Jungs träumen gern in Bettwäsche ihres Lieblingsfußballvereins", erklärt Wienke.

Doch Betten nehmen im Kinderzimmer viel Platz weg. "Um Spielfläche zu schaffen, ist in sehr kleinen Zimmern ein Etagenbett erste Wahl", sagt Geismann. Damit keine Jugendherbergsatmosphäre aufkommt, gibt es solche Betten beispielsweise in Form eines Rennwagens oder einer Burg. Bei Etagenbetten ist es nach Angaben der Deutschen Gütegemeinschaft Möbel in Nürnberg aus Sicherheitsgründen wichtig, dass das obere und untere Bett fest miteinander verbunden sind. Außerdem muss eine Reling als Sturzsicherung vorhanden sein. Die Leiter zum oberen Bett sollte stabil und bequem sein. Zur Ausstattung eines guten Kinderbettes gehört neben einem komfortablen Lattenrost auch eine gute Matratze, am besten mit mittelweicher Oberfläche.

Etagenbetten nicht für Kleinkinder

Etagenbetten sind aber nichts für Kleinkinder. "Erst von sechs Jahren an sollte ein Kind oben liegen", rät Susanne Woelk von der Aktion "Das sichere Haus" in Hamburg. Als Alternative für jüngere Kinder bieten sich auf beengtem Raum auch so genannte Juniorbetten an, die mitwachsen. "Anfangs nehmen diese Betten weniger Platz im Raum als Standardbetten ein", sagt Kai Hartmann von Ikea Deutschland in Wallau (Hessen). Dies schafft zusätzliche Fläche zum Spielen. Außerdem fühlten sich Kleinkinder in kleineren Betten wohler.

Beim Einrichten des Kinderzimmers darf die Sicherheit nicht vergessen werden. "Einrichtung und Spielzeug müssen immer auf das jüngste Kind abgestimmt werden", so Woelk. Schläft beispielsweise ein Kind unter drei Jahren mit im Zimmer, gehört Spielzeug mit verschluckbaren Kleinteilen weggeschlosssen. Fenster sollten generell mit Sicherungen gegen das Öffnen von Kinderhand ausgestattet sein. Regale und Schränke müssen unbedingt mit der Wand verschraubt werden - sonst drohen die Möbel bei Kletterpartien der Kleinsten umzufallen.

(gms)
Mehr von RP ONLINE