Obergrenzen: Kirchensteuer: Rabatt für Topverdiener

Obergrenzen : Kirchensteuer: Rabatt für Topverdiener

Berlin (rpo). Rund zwei Drittel aller Deutschen gehören einer Religionsgemeinschaft an und füllen mit ihren Kirchensteuern und Spenden die Kassen des Klerus. Diese Abgaben können in der Steuererklärung als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Für Topverdiener gibt es sogar Rabatt, der in bestimmten Bundesländern allerdings beantragt werden muss.

Für alle winkt eine Steuerrückzahlung in der Regel bereits, wenn die Abgaben den Pauschbetrag für Sonderausgaben von 36 Euro bei Ledigen beziehungsweise 72 Euro bei verheirateten Steuerzahlern übersteigen. Abzugsfähig sind die im Kalenderjahr gezahlten Beträge - die im gleichen Jahr einkassierte Steuerrückzahlung aus dem Vorjahr muss allerdings gegengerechnet werden.

Wer einer anderen staatlich anerkannten Religionsgemeinschaft wie zum Beispiel den Freikirchen ohne eigene Steuerberechtigung angehört, kann die Mitgliedsbeiträge bis zur Höhe des in seinem Bundesland üblichen Kirchensteuer-Satzes ebenfalls geltend machen. Darüber hinaus gehende Zahlungen sind mit entsprechendem Beleg als Spenden für kirchliche Zwecke steuerlich abzugsfähig. Auch das gezahlte Kirchgeld, das insbesondere die evangelischen Landeskirchen bei glaubensverschiedenen Ehepartnern erheben, ist abzugsfähig.

Damit für Topverdiener die Steuerschuld nicht in den Himmel wächst, gewähren viele Landeskirchen ab bestimmten Verdienstgrenzen einen Nachlass. Die Kirchensteuer wird dabei auf einen maximalen Prozentsatz vom zu versteuernden Einkommen begrenzt. Für viele gut betuchte Steuerzahler sind dabei schnell ein paar hundert Euro Ersparnis drin. Beantragt werden muss der Rabatt allerdings nur in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Ein formloses Schreiben an das Generalvikariat des jeweiligen Bistums oder die Steuerverwaltung der Landeskirche und eine Kopie des letzten Steuerbescheides reichen aus, um den Rabatt einzufordern.

Kein Nachlass in Bayern

Groß an die Glocke hängt die Kirche ihre Rabattaktion angesichts leerer Klingelbeutel natürlich nicht - nur gut informierte Steuerzahler nutzen das seit Jahren bestehende Ermäßigungsverfahren. Bayern und Mecklenburg-Vorpommern (Ausnahme: Pommersche Kirche) gewähren überhaupt keinen Nachlass auf die Kirchensteuer. Alle übrigen Bundesländer kappen die Kirchensteuerschuld automatisch mit der Berechnung im Einkommensteuerbescheid. Auch bei der Besteuerung außerordentlicher Einkünfte wie einmaligen Abfindungen für den Jobverlust oder Gewinnen aus dem Verkauf eines Gewerbebetriebes zeigen sich viele Landeskirchen verhandlungsbereit.

Bis zu 50 Prozent Rabatt auf die Kirchensteuerschuld gewähren die kirchlichen Steuerbehörden auf Anfrage. Diesen Abschlag haben die abgefundenen Opel-Mitarbeiter in Rüsselsheim nach einer festen Zusage der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau bereits sicher. Beispiel: Ein alleinstehender Ingenieur aus Frankfurt am Main erhält nach 30 Jahren Betriebszugehörigkeit den goldenen Handschlag und geht mit einer Abfindung von 250 000 Euro in den vorzeitigen Ruhestand. Der Arbeitgeber hat neben der fälligen Lohnsteuer auch rund 8000 Euro Kirchensteuer von der Abfindungszahlung einbehalten und an das Finanzamt abgeführt. Der Vorruheständler beantragt bei seiner evangelischen Landeskirche eine Ermäßigung der Steuerlast auf diesen einmaligen Verdienst. Die Kirchenbehörde gewährt daraufhin einen Rabatt von 50 Prozent. Ersparnis: rund 4000 Euro.

(afp)