Finanzmarktexperten sind optimistisch: Gute Aussichten für 2012

Finanzmarktexperten sind optimistisch : Gute Aussichten für 2012

"Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen". Vor dieser kniffligen Aufgabe stehen zu Beginn jeden Jahres die vielen Experten, Analysten und Vermögensberater, wenn sie ihre Vorhersagen für die Entwicklung der Finanzmärkte für das laufende Jahr abgeben.

Die gute Nachricht für alle Anleger: Die Finanzmarktexperten sind überwiegend optimistisch. Es geht aufwärts in 2012! Wenn, ja wenn alles glatt läuft. Wenn die Staatsschuldenkrise im Euroraum rasch überwunden wird, wenn die Weltwirtschaft keinen Einbruch erleidet, wenn die Welt von Katastrophen und Kriegen verschont bleibt. Wie wird's laufen an den Finanzmärkten?

1. Aktien: DAX steigt auf 6600 Punkte

Obwohl nur rund acht Millionen Bundesbürger in Aktien investiert sind (12,5 % der erwachsenen Bevölkerung), fokussieren sich die meisten Prognosen auf die Börsenkurse.

Die Ergebnisse der aktuellen Umfrage der Frankfurter Allgemeine Zeitung unter 21 Banken und Fondsgesellschaften aus dem In- und Ausland fallen angesichts der viel beschworenen Krise überraschend positiv aus. Demnach rechnen die Marktexperten für den deutschen Aktienindex (DAX) auf Jahressicht im Durchschnitt mit einem Anstieg um 14 Prozent oder 800 Punkte auf dann fast 6600 Punkte.

Diese Einschätzung muss allerdings vor dem Hintergrund gesehen werden, dass der deutsche Leitindex in 2011 deutliche Verluste hinnehmen musste. Zudem rechnen die Marktbeobachter besonders im 1. Halbjahr mit kräftigen Kursschwankungen und Einbußen. Wie groß die Unsicherheit noch ist, zeigt die Spannweite der Prognosen.

Die pessimistischte Voraussage stammt diesmal von der französischen Großbank Société Générale. Die Analysten aus Paris sehen den DAX-Kurs zum Jahresende nur bei 5500 Punkten. Auch HSBC Trinkaus befürchtet gegenüber 2011 weitere Kursverluste.

Ganz anders dagegen die Prognose der japanischen Bank Nomura. Die Experten aus Tokio trauen dem deutschen Leitindex bis zum Jahresende einen Höhenflug bis auf 7600 Punkte zu. Das entspräche einem Zuwachs von rund 30 Prozent. Auch HSH Nordbank, HELABA, Postbank und Citigroup (USA) sehen den DAX in zwölf Monaten oberhalb von 7000 Punkten.

Solche Unterschiede in den Prognosen beruhen vor allem auf unterschiedlichen Konjunkturerwartungen. Einige Analysten rechnen mit einem deutlichen Abschwung der Weltwirtschaft, andere wiederum nur mit einer vorübergehenden Abkühlung.

2. Auf die richtige Mischung kommt es an

In einer weiteren Umfrage hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung zur Jahreswende bei elf bankunabhängigen Vermögensverwaltern in Deutschland deren Anlagestrategien für 2012 ermittelt. Sie beraten in der Regel Privatkunden mit einem Anlagevolumen ab 100.000 Euro, wobei der unterschiedliche Anlagehorizont eine wichtige Rolle spielt.

Für einen 30-Jährigen mit einem Anlagehorizont von 30 bis 40 Jahren sieht der Anlagenmix naturgemäß anders aus als für einen 65-Jährigen, der auf jährliche Ausschüttungen angewiesen ist. Generell sind die Vermögensverwalter vorsichtiger geworden.

Jüngeren Anlegern wird in ihrem Depot nur noch eine Aktienquote von durchschnittlich 40 Prozent empfohlen, bei älteren Anlegern reicht die empfohlene Aktienquote von null bis siebzig Prozent. Stärkere Bedeutung hat die Position "Kasse" gewonnen, auch das ein Indiz für größere Vorsicht.

Rohstoffe und Edelmetalle wie Gold haben in der Gunst der Vermögensverwalter gegenüber dem Vorjahr verloren. An Bedeutung gewonnen hat dagegen wegen der günstigen Kreditzinsen der Immobilienerwerb. Über die richtige Mischung, die zum Anlageerfolg führen soll, gehen die Auffassungen weit auseinander.

Aus dem Tableau der Vorschläge je zwei Beispiele unterschiedlicher Anlagephilosophien für einen 30-jährigen und einen 60-jährigen Anleger:

Anlagenmix für einen 30-Jährigen

Flossbach & von Storch, Köln
Aktien 60%
Anleihen mit kurzer Laufzeit 10%
Rohstoffe (Gold) 15%
Immobilien 10%
Kasse 5%
PSM, Grünwald
Aktien 10%
Anleihen mit kurzer Laufzeit 60%
Rohstoffe (Gold) 10%
Kasse 20%

Anlagemix für einen 60-jährigen

Flossbach & von Storch Köln
Aktien 45%
Anleihen mit kurzer Laufzeit 20%
Rohstoffe (Gold) 15%
Immobilien 10%
Kasse 10%
PSM, München
Aktien 15%
Anleihen mit kurzer Laufzeit 60%
Rohstoffe (Gold) 10%
Kasse 15%

Dazu die Stimmen der Protagonisten:

Bert Flossbach vom Kölner Vermögensverwalter FvS: "Um Anleihen sollten Anleger grundsätzlich einen Bogen machen. Die Notenbanken, allen voran in Amerika, monetarisieren ihre Staatsschulden durch Gelddrucken. Anleihen haben nach Abzug der Inflation oft negative Zinsen. Um eine schleichende reale Entwertung ihres Vermögens zu vermeiden, sollten Anleger vorrangig in Sachwerte wie Qualitätsaktien, Gold und Wohnimmobilien investieren."

Joachim Paul Schäfer, PSM München: "Nicht Inflation, sondern Deflation ist das nächste Thema. Deshalb bleibt Geld Trumpf vor Sachwerten." Schäfer rechnet mit einem Konjunkturrückgang im Jahr 2012 und sinkenden Verbraucherpreisen.

Mit dem höchsten Anteil aller Vermögensverwalter in kurz laufenden Staatsanleihen will Schäfer für seine Kunden den Wert der Vermögen erhalten. Seine hohe Liquiditätsquote hält er bereit, um bei einer Konjunkturwende "Chancen wahrzunehmen, die sich am Aktienmarkt ergeben können."

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(chk/pst)