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Gegen Rückenschmerzen: Gut gebettet - Die richtige Matratze

Gegen Rückenschmerzen : Gut gebettet - Die richtige Matratze

Selsingen (rpo). Wer sich morgens im Bett völlig unfit fühlt oder sogar Verspannungen und Rückenschmerzen wahrnimmt, sollte sich Gedanken über seine Matratze machen. Wenn sie durchgelegen oder völlig falsch für den Körper ist, wird's mit der erholsamen Nachtruhe nichts. Dabei hält der Handel für jeden Wunsch das richtige Nachtlager bereit.

"Häufiges Hin- und Herdrehen ist notwendig, um die Bandscheiben ausreichend mit Flüssigkeit und Nährstoffen zu versorgen", sagt Detlef Detjen von der Aktion Gesunder Rücken in Selsingen (Niedersachsen). Dies ist für die Regeneration der Wirbelsäule zwingend notwendig.

Matratzen werden aus unterschiedlichen Materialien gefertigt. "Die gängigsten Typen sind Federkern-, Latex- oder Schaumstoffmatratzen", sagt Florian Heidinger vom Ergonomie Institut München (EIM). Eine enorme Entwicklung hätten Schaumstoffmatratzen durchlaufen, denen früher ein eher schlechter Ruf anhing. So genannte Kaltschaummatratzen sind heute aber so elastisch wie Latexmatratzen.

Naturprodukt zerbröselt

"Latexmatratzen bestehen nicht - wie häufig angenommen - aus Natur-, sondern aus Kunstlatex", erläutert Detjen. Denn das Naturprodukt zerbröselt unter Lichteinfluss. "Ein Nachteil besonders für Rückenkranke ist allerdings, dass Latexmatratzen erheblich schwerer als Schaumstoffmatratzen sind." Dies macht das empfohlene Wenden der Matratze beim Beziehen des Bettes komplizierter.

Beliebt bei Käufern sind auch Federkernmatratzen. "Einfache Modelle bestehen aus einem Kern von Metallfedern, die nur großflächig nachgeben", erläutert Hans Peter Brix von der Stiftung Warentest in Berlin. Bei der hochwertigeren Taschenfederkernmatratze seien die einzelnen Metallfedern in eine Tasche eingenäht. Das hat den Vorteil, dass der Bereich der Schultern und der Hüfte punktuell einsinken kann - der Körper wird besser entlastet.

Bei jedem Matratzentypen, egal ob Schaum-, Latex- oder Federkern, gibt es gute Qualitäten, bei denen die Wirbelsäule richtig gelagert und die natürliche Form des Rückgrats unterstützt wird, so Detjen. Um eine optimale Unterstützung zu gewährleisten, sollte die Matratze so beschaffen sein, dass ausgeprägte Körperpartien wie Becken oder Schulter in Seitenlage absinken können. Zum anderen müssen gute Matratzen ein Hohlkreuz von unten her unterstützen, so dass der Körper wirklich gerade liegt.

Härt muss angenehm sein

"Um gut schlafen zu können, muss die Härte der Matratze für den Schläfer angenehm sein", rät Heidinger. Ausschlaggebend für den richtigen Härtegrad ist das Körpergewicht. Als Faustregel gilt: Große, schwere Menschen wählen etwas härtere, kleine und leichte Personen eher weichere Matratzen. Wer in einem Doppelbett schläft, sollte getrennte Matratzen bevorzugen, besonders wenn ein Partner deutlich schwerer ist.

"Die Härteangaben der Matratzen sind leider nicht Hersteller übergreifend in einer Norm festgelegt", erklärt Heidinger. Zwei Matratzen mit dem gleichen Härtegrad von unterschiedlichen Herstellern müssen nicht gleich hart sein. Die richtige Matratzenhärte kann deshalb nur durch ausgiebiges Probeliegen ermittelt werden.

"Grundsätzlich kann man alle Matratzentypen auf Lattenroste legen", erläutert Brix. Besonders gut für verstellbare Lattenroste mit variablem Kopf- und Fußteil eignen sich Latex und Schaumstoff. Sie passen sich besser an als Matratzen mit Federkernen. Die Lattenabstände der Roste sollten nicht größer als vier bis fünf Zentimeter sein, sonst hängt der Schlafende samt Matratze durch.

Aufpassen bei Werbebotschaften

"Eine gute Matratze braucht nicht unbedingt einen teuren Lattenrost", so Brix. Allenfalls bei dünnen Schaumstoff- oder Latexmatratzen könne ein aufwendiger Lattenrost den Liegekomfort verbessern, sofern die Einstellung stimmt. Gleiches gilt für Tellerlattenroste, wenn die Teller gut positioniert seien.

"Ein echtes Ärgernis sind die Werbeversprechen der Branche", kritisiert die Stiftung Warentest im "test"-Heft 2/2005. Mit ausschweifender "Matratzenlyrik" würden dem Kunden oft Vorteile vorgegaukelt, die keine sind. "Die Bezeichnung "für Hausstaub-Allergiker geeignet" beispielsweise ist irreführend", erläutert Brix. Denn gegen Allergene wie Milbenkot könne eine Matratze in der Regel gar nichts ausrichten. Lediglich der Bezug sei meist waschbar.

"Wer eine Allergie hat, dem helfen oft milbendichte und waschbare Encasings, die über die Matratze gezogen werden", rät Anja Schwalfenberg vom Deutschen Allergie und Asthma Bund in Mönchenglabach. Diese Überzüge müssen aber regelmäßig gewaschen werden, damit sie ihre Wirkung nicht verlieren.

(gms)