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Serie "Mein Geld": Gekonnt fürs Alter vorsorgen

Serie Mein Geld : Gekonnt fürs Alter vorsorgen

Die Niedrigzinsphase erschwert es, privat für die Rente zu sparen. Doch nichts zu tun, wäre fatal. Eine Übersicht über Fallstricke und sinnvolle Anlageformen.

Die gesetzliche Rente reicht in der Regel nicht, um den Lebensstandard im Ruhestand voll aufrecht zu erhalten. Zusätzliche private Vorsorge ist notwendig. Das gilt trotz der neuen Grundrente, von der ab 2021 nur Bezieher sehr kleiner gesetzlicher Renten profitieren.

Neue private Produkte, wie eine staatlich geförderte, aber unbürokratische Riester-Rente, stehen noch nicht zur Verfügung. Hierzu wird noch hinter den Kulissen in der Rentenkommission gerungen.

Wer aktuell vorsorgen möchte, hat die Qual der Wahl. Seit Jahren sinken die Überschüsse der privaten Lebensversicherungen, weil am Kapitalmarkt mit sicheren Anlagen kaum noch Zinsen erzielt werden können. Daher gilt derzeit vor allem die staatlich geförderte betriebliche Altersvorsorge als möglicher Ausweg für eine lebenslange zusätzliche Rente. „Finanziert Ihr Arbeitgeber die Betriebsrente allein, nehmen Sie die zusätzliche Absicherung mit“, rät ganz deutlich die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Das ist aber nicht in allen Betrieben der Fall. Immerhin müssen die Arbeitgeber seit 2019 mindestens einen Zuschuss von 15 Prozent für die Betriebsrente leisten. Gleichzeitig gilt seit 2020, das Betriebsrentner später auf die ganze Rente keine vollen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge mehr zahlen müssen. Für alle Betriebsrenten gilt nun ein Freibetrag, auf den keine Krankenkassenbeiträge fällig werden. Altersvorsorge über den Betrieb ist somit wieder lukrativer geworden.

Wer beispielsweise sein Recht auf Entgeltumwandlung wahrnimmt, erhält nicht nur mindestens den neuen Pflichtzuschuss des Arbeitgebers, sondern spart gleichzeitig Steuern und Sozialabgaben. Bei einer Einzahlung von 100 Euro, landen mit dem Zuschuss des Betriebs 115 Euro in der Rente, während der Arbeitnehmer lediglich einen Aufwand von 55 Euro pro Monat hat.

Im Alter muss die Betriebsrente aber versteuert werden. Wie stark sie sich lohnt, hängt davon ab, wie hoch der Vorsorgevertrag mit Kosten belastet ist. Unternehmen mit vielen Mitarbeitern erhalten in der Regel günstige Gruppentarife. Die Stiftung Warentest rät, das Angebot des Arbeitsgebers vorab von einer Verbraucherzentrale oder einem unabhängigen Rentenberater prüfen zu lassen.

Wer eine private zusätzliche Rentenversicherung besparen möchte, muss ebenfalls bei der Wahl des Anbieters genau hinschauen. Durch die niedrigen Zinsen haben die Lebensversicherungen auch 2020 die laufende Verzinsung leicht abgesenkt. Sie zahlen jetzt noch im Schnitt 2,74 Prozent auf den Sparanteil. Vorher werden die Kosten abgezogen. Daher lohnen klassische Rentenversicherungen in der Regel kaum noch und werden von den meisten Assekuranzen laut der Kölner Ratingagentur Assekurata gar nicht mehr angeboten.

Nun gibt es die „Neue Klassik“. „Bei diesen Produkten tragen die Kunden ein deutlich höheres Risiko, haben aber auch die Chance auf eine bessere Verzinsung“, erläutert Lars Heermann von Assekurata. Statt in den klassischen Kapitalstock des Versicherers zu sparen, wird ein Teil der Beiträge risikoreich am Kapitalmarkt angelegt. Aktuell hat Assekurata 28 Produkte untersucht und über einen 2020 beginnenden Mustervertrag mit 25-jähriger Laufzeit die reale Beitragsrendite nach Kosten ermittelt. Sie liegt trotz der Niedrigzinsphase im Schnitt bei 2,41 Prozent (siehe Tabelle). „Dabei sollte man sehr auf den Anbieter achten“, rät Experte Heermann. Denn geringe Kosten seien „die erste Form des Sparens“.

Foto: Carla Schnettler

Aus guter Anlagepolitik und geringen Kosten entstehen große Unterschiede am Markt. Während 17 Anbieter bei der Verzinsung  deutlich unter dem Marktschnitt liegen, die Provinzial Rheinland diesen genau erreicht, schaffen zehn Anbieter ein teils deutlich besseres Ergebnis. In der Regel müssen solche Verträge aber bis zum Ende der Laufzeit durchgehalten werden, denn sonst gehen Garantien verloren. Verbraucherschützer, wie der Bund der Versicherten, lehnen die neuen Produkte ab. Sie seien zu kompliziert und undurchsichtig.