Folge der Finanzkrise: Massensterben bei Investmentfonds

Folge der Finanzkrise: Massensterben bei Investmentfonds

Hamburg (RPO). Tausende Fondssparer erleben seit einiger Zeit eine unangenehme Überraschung: Ihr Fonds hat keine Perspektive mehr und wird geschlossen. Allein 2010 verschwanden bis Ende Februar auf diese Weise 68 Fonds in Deutschland vom Markt, wie der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) berichtet.

Bereits in 2009 war die Zahl der Fondsschließungen rasant gestiegen. 595 Fonds machten dicht - ein neuer Rekord. Außerdem wurden von den Gesellschaften 100 Fonds fusioniert, das heißt, mit einem anderen Fonds aus dem eigenen Bestand verschmolzen.

"Fondsschließungen oder Fusionen gehören zu den Nachwehen der Finanzkrise", sagt Holger Handstein, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Durch die Finanzkrise hätten viele Fonds heftige Verluste erlitten und dadurch an Volumen eingebüßt. Zusätzlich hätten Anleger Gelder aus den Fonds abgezogen und sie dadurch unprofitabel gemacht.

Die Fusion eines Fonds muss drei Monate vorher angekündigt werden, und die Anlagegrundsätze beider Fonds dürfen sich nicht grundsätzlich unterscheiden. Wird ein Fonds endgültig geschlossen, handelt es sich um eine Kündigung, die mindestens sechs Monate vorher im elektronischen Bundesanzeiger veröffentlicht und zudem über die Halbjahres- und Jahresberichte der Gesellschaft bekannt gegeben werden muss. Einige Anbieter schreiben Anleger zudem individuell an.

Anleger haben die Wahl

Daneben gibt es auch vorübergehende Schließungen. Für einen begrenzten Zeitraum, in der Regel drei Monate bis maximal zwei Jahre, können Anleger ihre Anteile dann nicht an die Fondsgesellschaft zurückgeben. Solche Schließungen sind ohne Frist möglich, und sie betrafen in den vergangenen Jahren vor allem offene Immobilienfonds, nachdem sich viele Anleger gleichzeitig ihre Anteile auszahlen lassen wollten. Wer davon betroffen ist, hat zwei Möglichkeiten: Er kann entweder abwarten, in der Hoffnung, dass sich die Lage wieder bessert, oder seine Anteile über die Börse verkaufen. Dann muss er möglicherweise aber mit deutlichen Verlusten rechnen.

Bei einer endgültigen Fondsschließung haben Anleger drei Möglichkeiten: "Sie können ihre Anteile sofort über die Börse verkaufen, bis zur Auflösung des Fonds warten und sich auszahlen lassen oder ein Umtauschangebot der Fondsgesellschaft in Anteile eines anderen Fonds annehmen", erläutert Handstein. Steuerlich gesehen gelten alle drei Möglichkeiten als Verkauf. Nur wenn der Fonds vor 2009 erworben wurde und der Anleger ihn länger als ein Jahr gehalten hat, sind eventuelle Gewinne steuerfrei, ansonsten fällt Abgeltungssteuer an.

  • Ratingen : "Bürger wachrütteln"

Fusion vorteilhafter als Schließung

Eine Fondsfusion ist nach Einschätzung der Verbraucherzentrale für die Anleger vorteilhafter als eine Schließung. Er hat dann die Wahl, ob er sich sein Kapital auszahlen lässt oder der Fusion zustimmt. In letzterem Fall erhält er die neuen Anteile ohne Ausgabeaufschlag, außerdem fällt auch keine Abgeltungssteuer an. Allerdings sollten Anleger darauf achten, dass ihre Bank die Verschmelzung nicht doch als Verkauf ausweist. Nach Erfahrungen der Verbraucherzentrale werden hier häufig Fehler gemacht. Im Zweifel empfiehlt es sich, beim Steuerberater nachzufragen.

Angebote genau prüfen

Ob Fondsschließung oder Fusion: Grundsätzlich sollten Anleger bei beiden Varianten immer vorsichtig sein und prüfen, ob das Umtauschangebot beziehungsweise der neu fusionierte Fonds zu ihnen passt. Das gilt vor allem im Hinblick auf Gebühren, die Größe des neuen Fonds sowie die eigene Risikobereitschaft. Bei einem Umtauschangebot ist zudem wichtig, ob ein Ausgabeaufschlag anfällt. "Normalerweise sollte die Fondsgesellschaft den Umtausch kostenlos anbieten. Wird er trotzdem verlangt, ist das nicht verbraucherfreundlich", sagt Handstein.

Ungeachtet der zahlreichen Schließungen und Fusionen ist der Markt in Deutschland mit rund 4.900 Produkten so unübersichtlich wie zuvor. Allein 2009 kamen 491 neue Fonds auf den Markt, und in den ersten zwei Monaten 2010 standen den 68 Schließungen 65 Neuauflagen gegenüber.

(apd/sdr)
Mehr von RP ONLINE