Wohnlich, komfortabel und ansprechend: Die Küche wird zur gemütlichen Werkstatt

Wohnlich, komfortabel und ansprechend : Die Küche wird zur gemütlichen Werkstatt

Düsseldorf (RP). Die Ansprüche an die Küche sind gewachsen. Vorbei die Zeiten, als allein das abwaschbare Resopal für glänzende Augen bei den Hausfrauen sorgte. Moderne Küchen sollen Hobby-Köchen allen Komfort bieten, wohnlich sein und ein ansprechendes Design haben.

Die Spüle wird in der neuen Küche oft völlig unterschätzt. "Wir müssen ja nicht abwaschen, wir haben doch eine Geschirrspülmaschine", entgegnen viele Kunden, wenn Margitta Modelsee ihnen den Einbau eines großen Beckens mit zwei Armaturen empfiehlt. "Die Wasserstelle ist wichtiger als die Kochstelle", sagt die Architektin und Geschäftsführerin der Dependance von Bulthaup in Köln.

Ihre These untermauert sie ganz logisch: Selbst wenn die Küche kalt bleibe, werde der Wasserhahn ständig benutzt - zum Kaffeekochen, Waschen von Obst und Salat, um sich die Hände abzuspülen oder den Wischlappen nass zu machen. Die Spüle sollte rechts und links von Arbeitsflächen flankiert werden. "Niemand geht mit dem tropfnassen Salat durch den ganzen Raum, um ihn weiter zu verarbeiten", erklärt die Architektin. Sie entwirft für ihre Kunden Küchen nach Maß. Die sollen nicht nur schön sein, sondern vor allem praktisch. Deshalb hat die Expertin so manchen Trick auf Lager, der sich auch bei kleinem Budget auszahlt.

Gemütlich und modern - aber nicht zu high-tech

Kochen ist nicht länger eine Pflichtaufgabe der Hausfrau, sondern für viele Männer und Frauen ein Hobby. Die Küche soll deshalb nicht nur praktisch, sondern auch wohnlich eingerichtet sein. Der gemütliche Raum dient als Treffpunkt für die ganze Familie. Dort werden auch Freunde empfangen, die vor dem Essen noch mit der Köchin plaudern wollen. Und immer öfter steht nicht nur eine am Herd, sondern gleich ein Paar.

Wenn Männer gerne den Kochlöffel schwingen, hält High-Tech Einzug: "Männer sind bereit, für Küchen viel mehr Geld auszugeben als Frauen", sagt Reinhold Metz, Präsident des Verbandes der Köche in Deutschland. Also Vorsicht vor übereifrigen Hobbyköchen, die ihre Küche generalüberholen lassen wollen. Von teuren Elektrogeräten, die in der Praxis wahrscheinlich nie benutzt werden, rät Margitta Modelsee ihren Kunden ab. Allerdings empfiehlt sie gerade auch für kleine Küchen eine Spülmaschine - wenn es der Geldbeutel hergibt. "Dann hat man die Arbeitsflächen schnell leergeräumt." Die dunklen Ecken der Küche, etwa hinter der Tür, sollten den hohen Schränken vorbehalten sein. Auch Kühl-Gefrierkombinationen stehen hier richtig.

Früher wurden die Flächen vor dem Fenster oft stiefmütterlich behandelt, dabei ist dieser Platz an der Sonne ideal für Arbeitsflächen. Die Architektin plädiert auch dafür, den Herd und andere Arbeitsbereiche mitten in den Raum zu stellen. Bei den klassischen alten Küchen standen Koch oder Köchin immer mit dem Blick zur Wand, "aber man möchte ja auch in der Küche kommunizieren." Dabei ist es eine Platzfrage, ob der Raum für einen zentralen Küchenblock reicht.

Richtig sitzen und bestens ausgeleuchtet

Fast jeder Kunde von Margitta Modelsee möchte auch eine Sitzgelegenheit in der Küche. Eine gute Lösung sind Arbeitsplatten in 90 Zentimeter Höhe, die in den Raum ragen und mit zwei Hockern davor auch als Tisch genutzt werden können. "Dort setzt man sich öfter hin, als an eine Theke, wo man erst noch auf die hohen Stühle klettern muss." Für die Fachfrau sind Bänke in schlichtem Design eine gute Alternative.

Damit das Kochen nicht zum Fiasko wird, muss für ausreichende Beleuchtung gesorgt werden. Leuchtröhren unter Hängeschränken oder an der Wand spenden direktes Licht auf die Arbeitsbereiche. Genügend Stauraum schafft die Expertin am liebsten mit Auszügen. "Man hat einen guten Überblick und kann inzwischen sogar Porzellan dort unterbringen", erklärt sie, denn gute Auszüge würden sanft gleiten.

Doch auch bei Margitta Modelsee muss nicht alles hinter Schrankfronten verschwinden. Ihre Tricks: Pfannen an einer Stange aufhängen, Messer im Block auf die Arbeitsplatte stellen, ebenso Salz und Pfeffer, die ständig gebraucht werden. Auf ein offenes Regal kann das Alltagsgeschirr kommen. "Aber bitte nicht die alten Senfgläser. Es gibt für wenig Geld schlichte Wassergläser", sagt die Frau mit Sinn fürs Schöne. Durch die Mischung von geschlossenen und offenen Elementen wirke die Küche nicht steril. "Sie bekommt den Charakter einer Werkstatt - und das ist sie ja auch."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Küche als Werkstatt - und mehr

(Rheinische Post)