Auch das Finanzamt kann sich irren Das Spannende am Steuerbescheid

Düsseldorf · Viele Steuerzahler erwarten in diesen Wochen Post vom Finanzamt. Sie sind gespannt auf ihren Steuerbescheid für 2011. Es könnte diesmal etwas länger dauern als gewohnt, denn die Finanzbeamten konnten sich erst mit Verspätung auf die Arbeit stürzen.

Die elf häufigsten Irrtümer bei Steuererklärungen
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Foto: Jens Schierenbeck, gms

Aber Egal, der Tag der Abrechnung kommt. Es lohnt sich immer, den Steuerbescheid genau unter die Lupe zu nehmen, denn auch das Finanzamt kann sich irren. Ein Einspruch führt in den meisten Fällen zu einer nachträglichen Steuerminderung.

Wer einen Steuerberater hat, ist gut dran. Zu dessen Aufgaben zählt auch die Prüfung des Steuerbescheids. Ist in der Berechnung etwas fehlerhaft oder strittig, wird er für seinen Mandanten die notwendigen Schritte einleiten. Wer sich selbst um seine Steuersachen kümmert, muss sich wohl oder übel auch mit seinem Steuerbescheid auseinandersetzen. Viel Zeit bleibt dafür nicht. Die Frist für einen Einspruch beträgt einen Monat plus drei Tage ab Datum des Steuerbescheids. Aber keine Bange: Zur Lagebeurteilung genügen zunächst drei Blicke.

Rückerstattung oder Nachzahlung?

Der erste Blick gilt natürlich der Steuerfestsetzung auf Seite 1 des Bescheids. Habe ich zu viel Steuern bezahlt (Rückerstattung)? Oder schulde ich dem Fiskus noch Geld (Nachzahlung)? Einen großen Vorteil haben an dieser Stelle diejenigen Steuerzahler, die ihre Steuererklärung mit Hilfe einer Steuersoftware erstellt haben, die das Ergebnis vorausberechnet. Stimmen die Zahlen unterm Strich überein, gibt es nichts mehr zu tun. Für mögliche Rückfragen des Finanzamtes (z.B. bei ausländischen Kapitalerträgen) sollten die Steuerunterlagen noch mindestens fünf Jahre aufbewahrt werden.

Falscher Steuerbescheid

Dank moderner Datenverarbeitung sind die Steuerbescheide im Regelfall fehlerfrei. Zu denken gibt allerdings eine Umfrage von TNS Emnid bei Haushalten mit 2500 Euro und mehr Einkommen im Monat in Nordrhein-Westfalen. Demnach soll jeder siebte Steuerbescheid falsch sein. Können die Finanzbeamten nicht rechnen?

So einfach ist die Sache nicht. Zu Fehlern kommt es neuerdings vor allem durch Fremdverschulden. Die Finanzämter übernehmen automatisch die Daten, die ihnen von Arbeitgebern, Krankenkassen, Arbeitsagenturen und Banken elektronisch gemeldet werden. Dem Fiskus ist der Vorwurf zu machen, dass er diesen offiziellen Zahlen blind vertraut und sie auch nicht hinterfragt, wenn in der Steuererklärung des Bürgers abweichende Angaben gemacht wurden.

Auf Fehlersuche

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Ein einziger Blick genügt nicht mehr beim Steuerbescheid. Im zweiten Schritt heißt es, anhand einer Kopie der Steuererklärung den Steuerbescheid Zeile für Zeile mit den eigenen Angaben zu vergleichen und Abweichungen zu markieren. Besonderes Augenmerk sollte dabei auf den Abgleich der eingereichten Jahresbescheinigungen des Arbeitgebers, der Krankenkasse usw. gelegt werden. Hier kommt es immer wieder zu Differenzen, die allerdings nicht dem Finanzamt anzulasten sind, sondern auf falschen Angaben der Aussteller beruhen.

Spannend wird es, wenn das Finanzamt von sich aus geltend gemachte Beträge des Steuerpflichtigen bei Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnlichen Belastungen nicht anerkannt oder gekürzt hat. Und hier ist ein dritter Blick notwendig. In diesen Fällen muss das Finanzamt seine Eingriffe im Erläuterungstext auf Seite 3 des Steuerbescheids im Einzelnen begründen.

Erscheint diese Begründung nicht stichhaltig, kann sich der Steuerpflichtige durch einen Einspruch dagegen wehren. Handelt es sich bei den Unstimmigkeiten in Steuerbescheid nur um einen Schreibfehler (Zahlendreher usw.), genügt dagegen ein Antrag auf Berichtigung.

Einspruch einlegen

Zunächst die gute Nachricht: Einspruch lohnt sich. Nach einer Statistik des Bundesfinanzministeriums legen jährlich mehr als fünf Millionen Bürger Einspruch gegen ihren Steuerbescheid ein. Und in mehr als zwei Drittel der Fälle wird das Einspruchsverfahren zu Gunsten des Steuerzahlers entschieden.

Nur elf Prozent erhalten einen ablehnenden Bescheid. 18 Prozent ziehen ihren Einspruch zurück. Die schlechte Nachricht: Ein Einspruch hat keine aufschiebende Wirkung für die im Steuerbescheid genannte Zahlungsfrist. Hierzu muss ein separater Antrag auf Fristverlängerung gestellt werden.

Termin beachten

Wie bereits erwähnt, beträgt die Einspruchsfrist einen Monat plus drei Tage ab Datum des Steuerbescheids. Ist der dritte Tag ein Samstag, Sonntag oder Feiertag, verschiebt sich der Fristbeginn auf den nächsten Werktag. Wenn alle Stricke reißen, kann Fristverlängerung beantragt werden, beispielsweise wegen einer plötzlichen schweren Erkrankung, Urlaub oder Auslandsaufenthalt.

Quellenhinweis: Zeitschrift "Finanztest" der Stiftung Warentest, Ausgabe 07/12

(felt)